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30.01.2013

14:24 Uhr

Bundesverwaltungsgericht

Opus Dei darf Gymnasium nur für Jungen bauen

Nach knapp zehn Jahren Streit um die Gründung eines reinen Jungengymnasiums in Potsdam hat die umstrittene katholischen Organisation Opus Dei vor dem Bundesverwaltungsgericht Recht erhalten.

Potsdam / LeipzigIn der brandenburgischen Landeshauptstadt darf ein privates Gymnasium für Jungen errichtet werden. Privatschulen ausschließlich für Mädchen oder Jungen seien mit dem Grundgesetz vereinbar und damit zulässig, entschied das Bundesverwaltungsgericht am Mittwoch in Leipzig. "Das Grundgesetz verbietet einen nach Geschlechtern getrennten Unterricht nicht, sondern lässt ihn zu", sagte der Vorsitzende Richter des 6. Senats, Werner Neumann, in der Urteilsbegründung.

Das brandenburgische Bildungsministerium muss damit den Antrag eines der katholischen Laienorganisation Opus Dei nahestehenden Fördervereins für ein Jungengymnasium in Potsdam genehmigen. Mit dem Urteil in letzter Instanz endet ein sechsjähriger Rechtsstreit zwischen dem Bildungsministerium und der Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft e. V. in Köln.

Der Förderverein hatte im Jahr 2007 einen Antrag beim Bildungsministerium eingereicht. Das Ministerium lehnte das Jungengymnasium aber ab und verwies zur Begründung auf Verfassung und Schulgesetz in Brandenburg, die einen gemeinsamen Unterricht von Mädchen und Jungen vorsehen. Die Fördergemeinschaft ging dagegen mit Klagen vor und setzte sich letztlich in allen Instanzen durch.

Die Fördergemeinschaft hat sich nach eigener Darstellung "einer geschlechtsspezifischen Erziehung" und einer "geistlichen Betreuung der Bildungsangebote durch Priester des Opus Dei" verschrieben. Sie betreibt schon seit 1972 ein Gymnasium ausschließlich für Mädchen in Jülich in Nordrhein-Westfalen. Opus Dei wurde 1928 vom spanischen Priester Josemaria Escriva in Madrid gegründet und ist eine Organisation der katholischen Kirche, die unter anderem wegen ihrer konservativen Ausrichtung kritisiert wird.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig (Sachsen) hat im knapp zehn Jahre andauernden Streit um die Gründung des deutschlandweit ersten Jungengymnasiums in Potsdam einen Schlusspunkt gesetzt. dpa

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig (Sachsen) hat im knapp zehn Jahre andauernden Streit um die Gründung des deutschlandweit ersten Jungengymnasiums in Potsdam einen Schlusspunkt gesetzt.

Das Ministerium hatte auch im Leipziger Gericht argumentiert, dass sich das im Grundgesetz verankerte Ziel der Gleichberechtigung von Männern und Frauen nur durch eine gemeinsame Erziehung von Mädchen und Jungen erreichen lasse. Ziel der gemeinsamen Erziehung sei der Abbau von Geschlechter-Typisierungen.

Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes muss das Ministerium den Antrag für das geplante Jungengymnasium genehmigen und dabei "die einschlägigen Voraussetzungen prüfen". Die geplante Einrichtung könne je nach Schulform sowie Art und Dauer des Bildungsgangs öffentliche Schulen im Land Brandenburg ersetzen, sagte der Senatsvorsitzende. Die Fördergemeinschaft plant das Jungengymnasium mit jeweils zwei Klassen pro Jahrgang von Klasse sieben bis zum Abitur.

"Private Schulträger dürfen Methoden und Organisationsformen des Unterrichts grundsätzlich nach Maßgabe ihrer eigenen pädagogischen Einschätzungen frei gestalten", betonte Neumann und ergänzte: "Gerade deshalb gibt es in der Bundesrepublik die Privatschulfreiheit." Die Voraussetzungen für den Betrieb von Privatschulen stehen in Artikel 7 des Grundgesetzes.

Neumann erläuterte weiter, das Ministerium habe die Einschätzung der Fördergemeinschaft hinzunehmen, wonach der Gedanke der Gleichberechtigung von Frauen und Männern auch in getrenntem Unterricht vermittelt werden könne. "Die Genehmigung nicht zu erteilen wäre nur dann zulässig gewesen, wenn diese Einschätzung in Widerspruch zu einem Erkenntnisstand stünde, der in der Fachwelt weitgehend anerkannt ist", sagte der Senatsvorsitzende. Dies sei hier jedoch nicht der Fall.

Während der mündlichen Verhandlung hatte Neumann die Vermutung geäußert, dass man möglicherweise auch irgendwann wieder zu der Auffassung kommen könne, dass ein gemeinsamer Unterricht für Mädchen und Jungen nicht förderlich sei. Der Anwalt des Ministeriums, Thomas Jürgens, hingegen vertrat die Auffassung, nur durch die Interaktion der Geschlechter im Unterricht lasse sich das Ziel der Gleichberechtigung erreichen.

Aktenzeichen beim Bundesverwaltungsgericht: BVerwG 6 C 6.12

Kommentare (12)

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gesen

30.01.2013, 08:36 Uhr

Opus Dei - anscheinend hat "Mann" immer noch nicht dazugelernt. Opus Dei braucht wie andere Orden auch, Nachwuchs und am einfachsten geht es natürlich, wenn man die Jungs "unter sich" läßt, sie eng an sich bindet und sie ein Miteinander mit dem anderen Geschlecht nicht lernen läßt. Unwillkürlich denkt man an die verdammt vielen Mißbrauchsskandale in und um die Kirchen herum. Und die Eltern? Die bevorzugen eine einseitige Erziehung? Ich rede hier nicht von Bildung. Geschlechtertrennung hört sich fast nach Diskriminierung an - und die wollen wir doch alle nicht. Selbst das berühmteste Internat in Deutschland, das am schönen Bodensee liegt, hat keine Geschlechtertrennung. Und ich glaube nicht, dass in Salem die Schüler darunter leiden, sondern auch profitieren.

Account gelöscht!

30.01.2013, 09:16 Uhr

Natürlich immer vorausgesetzt, es geht beim Umgang der Priester mit den Jungen immer "1000% (!)" korrekt zu - Stichwort Missbrauch - dann ist für mich nicht einzusehen, warum es kein Jungengymnasium geben soll.

In Erding/Oberbayern z. B. gibt es seit "ewigen Zeiten" eine reine Mädchenrealschule. Die Eltern wollen es so, die Mädchen wollen es so und gehen gerne dort hin. Aus welchen ideologischen Gründen sollte man eine solche Schule dann verbieten??????
Und warum Jungs bei diesem Thema diskriminieren, indem man keine reine Jungenschule zulässt.

Die meisten Mädchen sind den Jungen in den ersten Schuljahren in der Entwicklung weit voraus.
Entsprechend werden die Mädchen von ihren Lehrer"innen" oftmals bevorzugter behandelt. Weil sie oft "braver" und "lernmotivierter" sind. Die Jungens fallen dann gegenüber den Mädchen logischerweise zurück.

Eine Trennung der Geschlechter wäre hier für Jungen wie Mädchen eher ein Vorteil als ein Nachteil.

Account gelöscht!

30.01.2013, 09:18 Uhr

Und wir regen uns über muslimische Extremisten auf???

Da werden die Aussagen von Brüderle doch ad absurdum geführt. Ist schon verlogen dieser Staat!

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