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24.03.2012

13:36 Uhr

Bundeswehr

1,5 Milliarden Euro für Auslandseinsätze

Die Auslandseinsätze der Bundeswehr haben im vergangenen Jahr rund 1,48 Milliarden Euro gekostet - 74 Millionen mehr als angedacht. Grund: Die Afghanistan-Mission ist weitaus teurer als geplant.

Allein der Afghanistan-Einsatz kostete 1,28 Milliarden Euro. Reuters

Allein der Afghanistan-Einsatz kostete 1,28 Milliarden Euro.

BerlinDie Auslandseinsätze der Bundeswehr haben im vergangenen Jahr rund 1,48 Milliarden Euro und damit 74 Millionen mehr als geplant gekostet. Das berichtet die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf einen Bericht des Verteidigungsministeriums. Demnach kostete der Afghanistan-Einsatz allein 1,28 Milliarden Euro. Mit weitem Abstand folgen die Missionen im Kosovo (68 Millionen Euro), vor der somalischen Küste (62 Millionen) und im Libanon (25 Millionen). Die SPD forderte unverzügliche Klarheit über den Afghanistan-Abzug der Bundeswehr.

Die Bundesregierung müsse dem Bundestag wenige Wochen vor dem Nato-Gipfel im Mai in Chicago endlich ihre Pläne offenlegen, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rolf Mützenich, der dpa. Die widersprüchlichen Äußerungen von führenden Vertretern der schwarz-gelben Koalition dazu seien nicht länger hinnehmbar.

Das Parlament könne mit Recht verlangen, dass sowohl der Verteidigungs- als auch der Außenminister zum Abzug konkret Stellung nähmen. Beide dürften sich nicht weiter hinter nebulösen Auskünften verstecken. Die Regierung habe gegenüber dem Bundestag, der die Auslandseinsätze genehmigen müsse, eine umfassende Informationspflicht. „Durch das bisherige Vorgehen gefährdet sie völlig unnötig den bisher erzielten Konsens.“ Größte Kostentreiber des Einsatzes waren laut „Wirtschaftswoche“ die gestiegenen Treibstoffpreise. Hinzu kamen mehr Flüge zwischen der Heimat und dem Hindukusch sowie die große Menge an Kerosin für Awacs-Aufklärungsflugzeuge. Deutlich weniger Geld sei für die Position „Erhaltung von Wehrmaterial“ ausgegeben worden: Weil die Zahl der Strengstoffanschläge 2011 gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sei, seien weniger Reparaturen angefallen. Auch für Baumaßnahmen in Afghanistan gab die Bundeswehr dem Bericht zufolge weniger Geld aus: Wegen der verschärften Sicherheitslage musste sie häufig Projekte unterbrechen.

Die ersten zehn Jahre des Afghanistan-Einsatzes haben nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) 17 Milliarden Euro gekostet. Das war dreimal so viel wie die von der Bundesregierung offiziell veranschlagten 5,5 Milliarden Euro. Sollte es wie geplant zu einem schrittweisen Abbau der Truppenstärke bis 2014 kommen, würden sich die Gesamtkosten nach Schätzung der Experten aus dem Herbst auf 22 Milliarden Euro summieren.

Von

dpa

Kommentare (4)

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kfo-owl@web.de

24.03.2012, 14:15 Uhr

Das schlimmste am Afghanistaneinsatz ist, dass das Geld im wahrsten Sinne verballert wird, ohne dass es einen Nutzen brächte. Jeder der sich informiert konnte wissen, dass weder die Briten im 19. Jahrhundert noch die Sowjets im 20. Jahrhundert es geschafft haben das Land unter ihre Kontrolle zu bringen. Es gab 2001 keinen Grund zu der Annahme, dass es der Nato anders ergehen würde. Wenn Deutschland von verantwortungsvollen Politikern regiert würde, hätte dies damals schon klar artikuliert werden müssen. Nach bald 11 Jahren Einsatz, in denen die USA zwischenzeitlich festgestellt haben, dass Ihnen der sinnlose Einsatz zu teuer wird plant man nun den Abzug, wobei sich die Sicherheitslage in Afghanistan verschärft hat. Außer Spesen nichts gewesen. In Deutschland verfällt die Infrastruktur während für erkennbar erfolglose Bundeswehreinsätze das Geld zum Fenster herausgeworfen wird. Da muß man sich über Politikverdrossenheit doch nicht wundern

Account gelöscht!

24.03.2012, 15:18 Uhr

kfo-owl: Das wissen die Herrschaften längst. Aber Deutschland hat außenpolitisch immer noch Kolonialstatus und muss sich dem Diktat der USA unterwerfen. Deshalb könnenn wir uns über Afghanistan-Einsätze, Iranboykotte, Syrienboykotte, Raktenabwehrschirme das Maul fusselig reden. Es handelt sich hier um Tributzahlungen an die imperial Militärpolitik, von der immerhin ein nicht unerheblicher Teil unserer Industrie profitiert. Natürlich wird sich das alles rächen, aber da werden den Herrschaften neue Ausreden und Begründungen schnell einfallen.

Account gelöscht!

24.03.2012, 16:37 Uhr

Es ging bei diesem Einsatz, bei diesem Mitmachen doch nach dem Motto "hurra, wir sind wieder wer, wir spielen wieder Krieg"
Ich seh Fischer noch mit stolzgeschwellter Brust, seine beiden Daumen unter der Weste (daran sieht man schon seine Nichtbildung) als er uns diesen Einsatz verkündete.
Dann von Struck dieser blödsinnige Satz "Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt"
Deutsche Soldaten sterben für nichts und wiedernichts, es ist nur erbärmlich

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