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22.01.2011

08:45 Uhr

Bundeswehr-Affären

Guttenberg setzt Kommandeur der „Gorch Fock“ ab

Nach dem Skandal auf der "Gorch Fock" hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erste Konsequenzen gezogen und dem Kapitän des Kommandos enthoben. Das Segelschulschiff soll sofort nach Deutschland zurückkehren - es droht die Stilllegung.

Norbert Schatz ist bis auf weiteres nicht mehr Kommandant der "Gorch Fock". dpa

Norbert Schatz ist bis auf weiteres nicht mehr Kommandant der "Gorch Fock".

HB BERLIN/USHUAIA. Die "Gorch Fock"-Affäre um den Tod einer jungen Offiziersanwärterin hat Konsequenzen: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat den Kommandanten des legendären Segelschulschiffs, Norbert Schatz, abgesetzt. Nun soll das Schiff schnellstmöglich nach Kiel zurückkehren. Die Mutter der toten Kadettin erstattete Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung. Bis zur Klärung des Falls werde die "Gorch Fock" "an die Kette gelegt", sagte Guttenberg. Ob das Schiff weiter die Weltmeere befahren darf, ist ungewiss.

"Ich habe den Inspekteur der Marine angewiesen, den Kommandanten des Schiffes von der Führung des Schiffes zu entbinden", sagte Guttenberg der "Bild am Sonntag". Seine Entscheidung begründete er am Samstag mit den Worten: "Nach einer derartigen Häufung von faktisch erschütternden Berichten kann niemand zur Tagesordnung übergehen (...) Dort, wo Konsequenzen gezogen wurden, mussten sie gezogen werden." Der CSU-Politiker war durch diesen und einen anderen Vorfall mit tödlichem Ende in Afghanistan unter Druck geraten.

Auf der "Gorch Fock" sollen Mitglieder der Stammbesetzung Kadetten drangsaliert haben, auch zu sexuellen Übergriffen soll es gekommen sein. Im November war die 25-jährige Offiziersanwärterin aus der Takelage 27 Meter tief in den Tod gestürzt. Anschließend soll vier Auszubildenden, die nicht mehr in die Masten klettern wollten, Meuterei vorgeworfen worden sein, wie aus einem Bericht des Wehrbeauftragten hervorgeht.

Kapitän Schatz wurde laut ARD telefonisch über seine Abberufung informiert. Die "Gorch Fock" liegt derzeit im Hafen von Ushuaia auf Feuerland. Voraussichtlich Anfang Februar soll sie nach Kiel zurückkehren. Das Kommando soll dann der Schatz' Vorgänger Michael Brühn haben. Brühn ist auch Mitglied der Untersuchungskommission, die am Donnerstag in Ushuaia erwartet wird.

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) begrüßte Schatz' Absetzung: Er halte diese "schon allein aus Fürsorgegründen für eine richtige Entscheidung". Schatz könne sich nun einfacher "auf seine eigene Stellungnahme zum Geschehen konzentrieren". Zu den bisherigen Ermittlungen sagte der Wehrbeauftragte: "Wir haben zum Teil auch erschreckende Details gehört von den Erlebnissen, die Offiziersanwärter uns geschildert haben." Allerdings gebe es unterschiedliche Berichte - dies müsse nun bewertet werden.

Die Mutter der Toten erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ausbilder: "Wie konnten die Vorgesetzten Sarah so hoch in die Wanten schicken, obwohl sie noch gar nicht richtig angekommen war?", fragt Annika Seele im "Spiegel". Am 5. November sei ihre Tochter nach rund 20- stündiger Reise in Brasilien eingetroffen, erst früh am nächsten Morgen habe sie schlafen können. Schon am Morgen des 7. November habe der Drill begonnen. Auch der Bundeswehrführung macht Seele Vorwürfe: "Keiner erklärt mir, was genau passiert ist, als meine Tochter starb", sagte sie dem "Focus". Sie vermute Vertuschung.

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