Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.11.2012

19:07 Uhr

Bundeswehr

Deutsche Truppen in Afghanistan werden massiv reduziert

Ende 2014 endet der Einsatz der Nato in Afghanistan. Darum will die Bundeswehr ihr Truppenkontingent am Hindukusch deutlich verkleinern. 1460 Soldaten sollen abgezogen werden.

Bundeswehrsoldaten sichern bei Nahr-i-Sufi nahe Char Dara die Suche nach einer IED (englisch: improvised explosive device, deutsch: USBV - Unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtung). dapd

Bundeswehrsoldaten sichern bei Nahr-i-Sufi nahe Char Dara die Suche nach einer IED (englisch: improvised explosive device, deutsch: USBV - Unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtung).

BerlinDie Bundeswehrtruppe in Afghanistan soll bis Ende Februar 2014 von derzeit 4760 auf 3300 Soldaten verkleinert werden. Das schlugen Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch vor. Das Kabinett soll noch im November darüber entscheiden, das letzte Wort hat dann der Bundestag.

Die Abzugsplanung beruhe „auf einer begründeten, aber nicht grenzenlosen Zuversicht“, sagte de Maizière. Westerwelle sprach von einem „klaren Kurs der Verantwortung für unsere Soldaten und für Afghanistan“. Beide Minister betonten, dass auch die Opposition in die Erarbeitung des Vorschlags eingebunden wurde. „Das war keine Unterrichtung der Opposition, sondern das waren werbende und verhandelnde Gespräche“, betonte de Maizière. Der Afghanistan-Einsatz wird nur von der Linken grundsätzlich abgelehnt.

Die Nato will ihren Kampfeinsatz in Afghanistan Ende 2014 nach 13 Jahren beenden. Der Abzug der internationalen Truppen wurde bereits 2010 beschlossen. Die Reduzierung des Bundeswehrkontingents von einst bis zu 5350 Soldaten begann vor knapp einem Jahr. Bereits Ende Januar sollen nur noch 4400 Soldaten im Land sein.

Das neue Mandat soll von Anfang Februar 2013 bis Ende Februar 2014 gelten - und damit einen Monat länger als bisher üblich. Damit soll dem neuen Bundestag, der im September 2013 gewählt wird, genug Zeit für eine Entscheidung gegeben werden. Zudem reicht der Termin relativ nah an die Präsidentschaftswahl in Afghanistan im April 2014 heran.

Auch in den Jahren ab 2015 sollen noch Bundeswehrsoldaten in Afghanistan bleiben - vor allem zur Beratung und Ausbildung der afghanischen Armee. Ihre Zahl ist aber noch völlig offen.

Von

dpa

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

14.11.2012, 19:55 Uhr

Ich glaube die Damen und Herren Politiker übertünchen hier etwas. Von einigen Ex-Soldaten wurde mir vor vielen Monaten mehrfach berichtet, dass die Bundeswehr in ein massives Personalproblem bezüglich Auslandseinsätze reinlaufen wird. Der Herr de Maiziere erntet nun die verdorbenen Früchte seiner Vorgänger, d.h. einer verfehlten langfristigen Personalplanung in der Bundeswehr. Daran wird Herr de Maiziere in seinen 1,5 Jahren Amtszeit nicht viel ändern können, wenn er denn überhaupt wusste wo der Gap liegen wird.

Faktor Ausbildungs- und Einsatzzeiten: Das Problem mit den Soldaten ist die Ausbildungszeit. Nein, man wird in 1 oder 2 Jahren keinen Soldaten backen können, den man in einen Krieg/Konflikt/usw. schicken kann. Soweit mir bekannt dauert es im Schnitt 4 Jahre bis alle notwendigen Trainingseinheiten absolviert sind. Jemand der sich nur 4 Jahre verpflichtet hat, ist im Grunde reine Steuergeldverschwendung. Bei einem 8-Jahreskontrakt sind vielleicht 3 konkrete Auslandseinsätze möglich (Man darf nicht die Ruhezeit daheim und die abschließende Wiedereingliederungsmaßnahmen in die zivile Welt vergessen). Bei 12-Jahrskontrakten ist oft ein Studium mit drin, was im Effekt für Einsatzzeiten wie ein 8-Jahreskontrakt daherkommt. Und dann gibt es noch 12-Jahreskontrakte, die ... die Anzahl der adressierte Personen sinkt ...

Faktor Masse: Seit 2010 gibt es keine Wehrpflicht mehr, wo die Bundeswehr checken/sieben konnte, wer überhaupt Talent hätte, und die potentiellen Kandidaten herausfinden könnte ob eine längerfristiges Engagement (mit allen, ja allen, Drumunddran) was für sie wäre. Mit dem Fall der Wehrpflicht in 2010 war das weg. Aber der Wandel in den Köpfen hat schon vorher begonnen. Wehrpflicht war ja eh nur noch "optional" (um das kaputte deutsche Gesundheitssystem zu stützen). Deine feine Abiturient wolle sich nicht von Hauptschülern drillen lassen, heiß es. Die Frage ob dieser Drill sich und seinen Kamerad das Leben retten wird, wenn mit echten Kugeln...

Account gelöscht!

14.11.2012, 19:57 Uhr

...geschossen wird. Ohne die richtige Einstellung bekommt selbst Freiwilligen einsatzfähig -- Rausgeschmissenes Geld. Aber die Bundeswehr muss nehmen, was an der Tür klopft.

Account gelöscht!

14.11.2012, 20:07 Uhr

Was ich in meinen zwei Kommentaren sagen will: Die Bundeswehr muss sich nach ihren politisch gewollten Paradigmenwechsel mächtig ins Zeug legen. Die Personalplanung muss vor allem viel strategischer angepackt werden. Die Personaplanungsmodelle der Vergangenheit funktionieren unter den Voraussetzungen nicht mehr (d.h. Freiwillige, Einstellung, Talent/psychische Eignung, insgesamt weniger junge Leute, Trainingsprogramme, Vertragsgestaltung, usw.). Das Verteidigungsministerium bzw. die Politik muss kapieren, das man Kapazitäten nicht einfach nach Belieben hoch- und runterfahren kann. Ansonsten verspielt die deutsche Regierung ihre Glaubfähigkeit in der internationalen Sicherheitspolitik.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×