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26.04.2016

17:55 Uhr

Bundeswehr erhält Cyber-Truppe

Zu Land, zu Wasser, in der Luft – und im Internet

Jeden Tag werden die Computernetzwerke des Bundes 6500 Mal attackiert. Auch wenn große Schäden selten sind: Verteidigungsministerin von der Leyen will die Bundeswehr besser gegen die digitale Bedrohung rüsten.

Eine Cyber-Armee der Bundeswehr soll künftig für Deutschlands Sicherheit im digitalen Raum sorgen. dpa

Soldaten am Computer

Eine Cyber-Armee der Bundeswehr soll künftig für Deutschlands Sicherheit im digitalen Raum sorgen.

BerlinBis vor nicht allzu langer Zeit war die Welt der Militärs klar strukturiert. Der Feind näherte sich über Land, von See oder aus der Luft. Dafür stellte man ein Heer, eine Marine und eine Luftwaffe auf. Die Erschließung des Weltraums für militärische Zwecke, zum Beispiel die Platzierung und Nutzung von Satelliten, machte die Lage schon etwas komplizierter. Das ist aber noch gar nichts gegen das, was ein verfeindetes Land online anrichten kann.

Das Internet ist bereits ein digitales Schlachtfeld. Die Netze des Bundes werden täglich 6500 Mal attackiert. Im vergangenen Jahr drang ein Trojaner in den Bundestag ein und zweigte große Datenmengen ab. Es wird gemutmaßt, dass er von russischen Hackern losgeschickt wurde.

Es könnte aber noch viel schlimmer kommen: Die Stromversorgung kann lahmgelegt, Atomkraftwerke angegriffen oder Krankenhäuser abgeschaltet werden. Viele Länder haben auf solche Bedrohungen bereits militärisch reagiert – die USA bauen schon seit vielen Jahren gezielte Spezialkräfte für den Cyber-Krieg auf. Aber auch Länder wie Israel oder das kleine Estland sind viel weiter als Deutschland.

Schutz gegen Datendiebe

Passwörter gut schützen

Es klingt offensichtlich: Nutzer sollten ihre Passwörter gut schützen. Doch nicht wenige kleben ein Post-it mit Zugangsdaten an den Monitor oder speichern sie gar in einer Datei auf dem Rechner. Beides ist riskant – wenn Eindringlinge ins Büro oder auf den Rechner gelangen, können sie auch auf die E-Mails oder das Content Management System zugreifen.

Erst lesen, dann klicken

Es ist der Klassiker: In der E-Mail wird ein lustiges Katzenbild oder ein sensationelles Video angekündigt. Lädt man den Anhang herunter oder klickt auf den Link, fängt man sich aber einen Virus ein. Daher gilt nach wie vor die Regel, Anhänge und Links kritisch zu prüfen, ebenso Nachrichten von unbekannten Absendern.

Vorsicht mit USB-Sticks

Eine beliebte Angriffsmethode: Hacker lassen präparierte USB-Sticks auf dem Parkplatz oder in der Kantine liegen – und hoffen darauf, dass arglose Mitarbeiter das Gerät an den PC anschließen. Diese Masche funktioniert erschreckend gut. Die Lehre daraus: Nutzer sollten mit unbekannten Speichermedien extrem vorsichtig umgehen.

WLAN nur mit Verschlüsselung

Ob im Café oder am Flughafen: Wer mit seinem Smartphone oder Notebook ein öffentliches WLAN-Netzwerk nutzt, geht ein Risiko ein. Wenn man vertrauliche Daten abrufen will, sollte man das beispielsweise möglichst nur mit einer SSL-Verbindung tun. Weitere Tipps gibt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Schutz gegen Mitleser

In der Bahn oder im Flugzeug können Mitreisende ohne Probleme einen Blick auf das Notebook oder Smartphone erhaschen – und bekommen so möglicherweise sensible Informationen mit. Sicherheitsexperten raten daher, sich nach sogenannten Schultersurfern umzusehen und im Zweifelsfall die Datei geschlossen zu lassen. Zudem raten sie dringend davon ab, das Gerät auch nur kurz aus dem Auge zu lassen.

Gesunde Skepsis bei Apps

Apps können das Leben leichter machen, aber auch unsicherer: Viele Anwendungen fragen Informationen ab, die die Nutzer vermutlich nicht weitergeben wollen. Gerade Android-Nutzer sollten genau überprüfen, welche Berechtigungen ein Programm einfordert und im Zweifelsfall lieber die Finger davon lassen. Gleiches gilt für PC-Nutzer, die Programme aus dem Nutzer herunterladen und installieren. Besonders illegale Kopien sind häufig verseucht.

Code fürs Smartphone

Es mag zwar vielleicht nerven, wenn man jedes Mal einen Code eingeben muss, bevor man das Smartphone nutzen kann. Doch eine Sperre ist höchst nützlich, wenn das Gerät verloren geht oder gestohlen wird. Viele Firmen schreiben eine solche physische Absicherung vor. Im Büro kann es durchaus sinnvoll sein, den Rechner zu sperren, während man eine Besprechung hat oder in die Mittagspause geht.

Software aktuell halten

Auch dieser Tipp ist bekannt, er wird aber trotzdem oft nicht beherzigt: Nutzer sollten die Software auf ihrem Rechner immer aktuell halten. Das gilt nicht nur für den Virenscanner, sondern auch das Betriebssystem und Anwendungsprogramme wie Browser oder Textverarbeitung. Potentiell können Angreifer viele Lücken ausnutzen, um schädliche Software auf das Gerät zu schleusen.

Bei der Bundeswehr gibt es zwar auch schon lange IT-Spezialisten. Bisher sind sie aber in vielen unterschiedlichen Abteilungen untergebracht. Das soll sich jetzt ändern. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will eine Cyber-Armee mit rund 13.500 Soldaten und Zivilisten aufbauen.

Sie wird die kleinste von dann sechs Organisationseinheiten der Bundeswehr sein. Neben Heer, Marine und Luftwaffe gibt es jetzt schon die Streitkräftebasis für Logistik und den Sanitätsdienst. Kleinste Teilstreitkraft ist bislang die Marine mit rund 16.000 Soldaten.

Eine eigene Uniform soll die neue Cyber-Truppe nicht bekommen. Aus rein traditionellen Gründen darf sie sich auch nicht Teilstreitkraft nennen. Sie hat aber den gleichen Stellenwert und einen eigenen militärischen Chef, der sich wie die Spitzen von Heer, Luftwaffe und Marine Inspekteur nennen darf.

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