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17.02.2015

00:43 Uhr

Bundeswehr

Hubschrauber-Umstellung wird teurer als geplant

Die Umstellung auf das neue Hubschraubermodell der Firma Airbus kommt die Bundeswehr teurer zu stehen als ursprünglich angedacht. In den Berechnungen von 2013 fehlen scheinbar einige Posten.

Laut Medien soll die Bundeswehr 139 Hubschrauber der Modelle „Tiger“ (bild) und „NH90“ für das Heer sowie 18 „NH90“ in der Marine-Variante „Sea Lion“ erhalten. dpa

Laut Medien soll die Bundeswehr 139 Hubschrauber der Modelle „Tiger“ (bild) und „NH90“ für das Heer sowie 18 „NH90“ in der Marine-Variante „Sea Lion“ erhalten.

BerlinDer Umstieg auf neue Marine-Hubschrauber der Firma Airbus kommt die Bundeswehr teurer zu stehen als ursprünglich geplant. Die Kosten für die Umstellung auf den "Sea Lion" erhöhten sich um knapp 430 Millionen Euro auf 1,38 Milliarden Euro, heißt es in einer Vorlage des Finanzministeriums für den Haushaltsausschuss, die Reuters am Montagabend vorlag. Grund für die Steigerung sei, dass nunmehr auch die indirekten Kosten der Bundeswehr für die Umstellung auf das neue Hubschraubermodell - etwa neue Hangars - und von den Streitkräften gewünschte spezielle Änderungen veranschlagt seien, die in der alten Berechnung von 2013 nicht ausgewiesen waren.

Der Kauf der 18 Marine-Hubschrauber ist ein Tauschgeschäft: Im Gegenzug nimmt die Bundeswehr für den unmittelbaren Einsatz nur 40 statt 80 Kampfhubschrauber des Typs Tiger und 80 statt 122 Transporthelikopter des Typs NH-90 ab. 22 weitere Tiger werden direkt stillgelegt und zur Ersatzteilgewinnung genutzt, zwei zusätzliche NH-90 dienen der Ausbildung. Ursprünglich wollte der Bund durch das Tauschgeschäft nach Angaben aus Sicherheitskreisen rund 200 Millionen Euro sparen. Verrechnet man diese Einsparung jedoch mit den höheren Kosten von 430 Millionen Euro, erhöht sich der Preis für die Umstellung real um gut 200 Millionen Euro.

"Die mit der Rahmenvereinbarung gefundene Regelung ist aus Sicht des Ministeriums nicht optimal, aber die beste Lösung, die auf Basis der ungünstigen alten Vertragsposition verhandelt werden konnte", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. Käme es zu keiner Einigung mit der Industrie, drohe der automatische Rückfall in den alten Vertrag. Dies gelte es aus Sicht des Ministeriums zu verhindern.

Der Grünen-Haushaltsexperte Tobias Lindner kritisierte dagegen den geplanten Deal. "Ob die Bundeswehr mit dieser Vereinbarung wirklich ein gutes Geschäft macht, lässt sich doch sehr bezweifeln", erklärte er. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen habe das Abkommen nicht wesentlich verbessert. "Wer die Rahmenvereinbarung vor zwei Jahren schlecht fand, sollte ihr auch heute nicht zustimmen".

Nach Einschätzung von Insidern hätten die 430 Millionen Euro schon von Anfang an bei der Einigung der Vorgängerregierung mit der Industrie im März 2013 in den Berechnungen veranschlagt werden müssen. Dies sei nur deshalb nicht geschehen, um die wahre Höhe der Kosten zu verschleiern, warf ein Insider dem Ministerium vor. Der Haushaltsausschuss stimmt voraussichtlich Ende des Monats über das Projekt ab.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Herr Woifi Fischer

17.02.2015, 07:58 Uhr

Bundeswehr Hubschrauber-Umstellung wird teurer als geplant! Man muß sich schon fragen, was für Dilettanten bestellen die Ausrüstung für die Bundeswehr? Sind die Militärs im Vorfeld nicht mit einbezogen, welche Ausrüstung sie zur Bewältigung ihrer Aufgaben an Hubschrauber benötigen? Die Bundesregierung, stellvertretend die Verteidigungsministerin/er sind nicht in der Lage die Bedürfnisse der Bundeswehr in die richtigen Bahnen zu lenken. Man muß unbedingt Flugzeuge und Hubschrauber von Airbus kaufen, warum? Es gibt erprobte Transportflugzeuge und Hubschrauber der USA und Russlands, mit denen deutsche Soldaten Erfahrung haben, warum bleibt man nicht bei den Bekanten Lieferranden? Airbus, ist für mich eine Erpresser Organisation, und die Bundeswehr sollte sich schleunigst von dieser Firma trennen. Richtiger Weg ist, die Bundeswehr benötigt folgendes Fluggerät, dann wird ausgeschrieben, und die Angebote geprüft, um anschließend der in Fragekommenden Firma den Auftrag zu erteilen einen Prototypen zu entwickel und zu bauen auf ihre Kosten, nur so spart man Steuergelder für die Bundeswehr. Basta.

Account gelöscht!

17.02.2015, 08:09 Uhr

Nichts Neues in der öffentlichen Auftragsvergabe. Dafür gibt es wahrscheinlich für die Gönner aus dem Ministerium irgendwann ein gut dotierten Posten oder Beratervertrag in der Wirtschaft.

Herr Wolfgang Wüst

17.02.2015, 09:30 Uhr

Wie dumm ist das denn? Da träumen immer noch Politiker von der Friedensdividende! Es ist aber nicht mehr zu leugnen, dass wir von Kriegsschauplätzen und multidimensionalen Bedrohungen eingekreist sind. Reduzierungen bei der Bestellung von wirksamem Gerät sind nicht zu begründen.

Ob wir bei Airbus kaufen, oder bei Raytheon, Boeing, Lockheed oder anderen, ist schon wichtig. Erstens sind nur europäische Waffen 100%-ig berechenbar, und zweitens fließen von den Beschaffungsmilliarden jede Menge wieder in Form von Steuern zurück in die staatlichen Kassen. Also vorsicht mit Milchmädchen-Rechnungen.

Letztlich ganz entscheidend wird es sein, die europäischen Partner zu einer abgestimmten Militär-Strategie, einschl. der Waffen- und Gerätebeschaffung, zu bewegen. Hier ist eine tatsächliche Einspar-Option drin. Alles andere würde ich als Lebens-Lüge einstufen.

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