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02.03.2013

15:27 Uhr

Bundeswehr

Mali-Einsatz könnte länger als ein Jahr dauern

Der Bundeswehreinsatz in Mali wird länger gehen als ein Jahr. Davon geht zumindest Verteidigungsminister Thomas de Maizière aus. Der Bundestag hatte am Donnerstag zwei Mandate für den Einsatz beschlossen.

Soldaten beim Entladen der deutschen Transall der Bundeswehr in Bamako, der Hauptstadt von Mali. Verteidigungsminister Thomas de Maizière geht davon aus, dass die Truppe länger als ein Jahr dort stationiert sein wird. dpa

Soldaten beim Entladen der deutschen Transall der Bundeswehr in Bamako, der Hauptstadt von Mali. Verteidigungsminister Thomas de Maizière geht davon aus, dass die Truppe länger als ein Jahr dort stationiert sein wird.

Berlin/BamakoDer Einsatz der Bundeswehr in Mali wird nach Ansicht von Bundesverteidigungsminister Thomas De Maizière (CDU) länger als ein Jahr dauern. Der Einsatz „kann und wird wohl länger dauern“, sagte de Maizière der „Bild am Sonntag“ einer Vorabmeldung vom Samstag zufolge. Der mögliche Tod eines Al-Kaida-Anführers in Mali schürte Furcht vor Racheaktionen gegen Geiseln.

Die malische Armee lasse sich „kaum in einem Jahr in einen guten Zustand versetzen“, sagte de Maizière. Obwohl die Bundeswehr in Mali nur unterstützend eingreift, schloss der Minister nicht aus, dass deutsche Soldaten ums Leben kommen könnten. „Die Sorge um Leib und Leben unserer Soldaten bei allen Einsätzen begleitet uns stets, und wir müssen die Bedrohungslage, zum Beispiel durch Sprengfallen, immer genau im Blick haben“, sagte er.

Der Bundestag hatte am Donnerstag zwei Mandate für den Einsatz der Bundeswehr in Mali beschlossen, wo die Regierung von islamischen Extremisten militärisch bedrängt wird. Bis zu 180 deutsche Soldaten sollen unter EU-Führung die geschwächte Armee Malis ausbilden. Weitere 150 Soldaten sollen der französischen Armee und ihren afrikanischen Verbündeten mit Transporthilfen und Luftbetankungen zur Seite zu stehen.

Nach dem Sturz der Regierung in Bamako durch unzufriedene Soldaten im März vergangenen Jahres hatten Islamisten den Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht. Frankreich griff am 11. Januar militärisch ein und stoppte zusammen mit malischen Soldaten den Vormarsch der Islamisten Richtung Süden.

Hilfseinsatz beschlossen: Bundeswehr-Soldaten für ein Jahr in Mali

Hilfseinsatz beschlossen

Bundeswehr-Soldaten für ein Jahr in Mali

Exakt ein Jahr lang gelten die Mandate für den deutschen Bundeswehreinsatz in Mali. Künftig werden deutsche Soldaten die malische Armee bei ihrer Ausbildung unterstützen und ihnen bei der Truppenlogistik helfen.

Malis Übergangsregierung kündigte für Juli die Wahl eines neuen Staatschefs an. „Der Monat Juli wurde für die Organisation von Präsidentschaftswahlen festgehalten“, sagte der Kabinettschef von Ministerpräsident Diango Cissoko, Boubacar Sow, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Nun würden „schnelle Antworten“ auf noch offene Fragen gesucht. Dabei gehe es etwa um die Rückkehr der staatlichen Verwaltung in den Norden Malis.

Zuvor hatte der tschadische Präsident Idriss Déby Itno den Tod eines der wichtigsten Anführer der Extremistengruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) bestätigt. Der Extremist Abdelhamid Abou Zeid sei am 22. Februar im Ifoghas-Gebirge im Nordosten Malis von tschadischen Soldaten getötet worden, sagte Déby bei einer Zeremonie für in Mali getötete Soldaten der tschadischen Armee. In Mali kämpfen rund 2000 Soldaten aus dem Tschad.

Was in Mali auf dem Spiel steht

Wieso schreitet die alte Kolonialmacht Frankreich erst jetzt ein?

Frankreich hat in den vergangenen Monaten wiederholt die USA und die UN zum Eingreifen im Norden Malis bewegen wollen, allerdings mit wenig Erfolg. Bei allen Handlungen muss Paris auch immer das Schicksal der französischen Geiseln in der Hand von Islamisten in Afrika berücksichtigen. Es geht auch um Wirtschaftsinteressen. Der Vormarsch der Islamisten auf die strategisch wichtige Stadt Mopti zwang Paris zum Handeln. Seit langem sieht Frankreich seinen Einfluss in der Sahelzone, drei Flugstunden südlich von Europa, in Gefahr. Der Terror dort könnte auf Frankreich selbst übergreifen, weil viele der Gotteskrieger französisch sprechen und Verwandte im Land haben.

Aus welchen Kräften setzt sich die Dreier-Allianz der islamistischen Rebellen im Norden Malis zusammen?

Die Kämpfer der Terrororganisation Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQM) gelten als Anführer. Sie sollen durch Drogenschmuggel und Lösegelder für entführte Ausländer über Dutzende Millionen Dollar verfügen. Geheimdiensten zufolge haben die Islamisten insgesamt 6000 ausgebildete Kämpfer in Nordmali, darunter Dschihadisten aus Ägypten, dem Sudan und anderen Staaten. In den Reihen der Islamisten kämpfen auch Männer des nordmalischen Volks der Tuareg. Sie nennen sich Ansar Dine. An ihrer Seite steht die „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO), die ebenfalls die Scharia durchzusetzen will.

Wieso droht ausgerechnet Mali zum „zweiten Afghanistan“ werden?

Mali galt lange als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten Afrikas. Nach einem Militärputsch in der im Süden gelegenen Hauptstadt Bamako im März 2012 eroberten Tuareg-Kämpfer gemeinsam mit Islamistengruppen den Norden Malis. In Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere historische Heiligtümer zerstören. Experten fürchten, dass der riesige Norden Malis ohne staatliche Kontrolle ebenso wie Afghanistan unter den Taliban zu einer Brutstätte für islamistische Terrornetzwerke wird. Auch in Afghanistan wurde die Weltöffentlichkeit erst durch die Zerstörung von Kulturgütern auf den Konflikt aufmerksam.

Afrika-Kenner schreiben, der Konflikt in Mali sei eine späte Rache des ermordeten libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi. Wie hängt das zusammen?

Der libysche Diktator hatte kampferprobte Tuareg-Männer aus dem benachbarten Nordmali für seine Streitkräfte rekrutiert. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele mit modernen Waffen in die Heimat zurück. Dort verschafften sie den Aufständischen die entscheidende Schlagkraft im Kampf gegen die Zentralregierung im Süden.

Hat die internationale Staatengemeinschaft zu lange die Entwicklungen in Mali ignoriert?

Die dramatische Entwicklung ist eine Katastrophe mit Ankündigung. Über Monate warnten Frankreich, die USA und auch die Vereinten Nationen wechselseitig vor den Gotteskriegern aus Nordmali. Doch aus Sicht der Interimsregierung passierte viel zu wenig. Alarmiert von den jüngsten Vorstößen der Islamisten rief der Weltsicherheitsrat am Freitag dazu auf, die afrikanisch geführte Unterstützungsmission Afisma müsse schneller in Gang gesetzt werden. Dabei war die Entsendung schon Wochen vorher beschlossen worden. Ein Hindernis war bislang, dass es in Mali Vorbehalte gegen den Einmarsch von Soldaten aus Nachbarstaaten gab. Zudem wurde befürchtet, dass der Konflikt sich auch auf andere Länder der Region ausweiten könnte.

Kann es sein, dass deutsche Soldaten bald Seite an Seite mit den Franzosen in Mali kämpfen werden?

Deutschland schließt einen Kampfeinsatz der Bundeswehr in dem westafrikanischen Krisenstaat derzeit aus. Die Europäische Union plant seit längerem, etwa 200 Militärberater zu entsenden. Sie sollen malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten. Auch Bundeswehrsoldaten dürften bei der Ausbildung mit dabei sein. Bisher war geplant, die Ausbilder innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres nach Mali zu schicken. Nach den jüngsten Entwicklungen hat die EU angekündigt, die Militärausbilder schneller zu entsenden. Quelle: dpa

Der algerische Privatsender Ennahar TV hatte am Donnerstag berichtet, die Leichen Zeids und dutzender weiterer Islamisten seien von französischen Truppen im Norden Malis entdeckt worden. Am Samstag schrieb die Zeitung „El-Khabar“, Zeids Waffe sei identifiziert worden. Zeid, mit richtigem Namen Mohamed Ghdiri, ist ein etwa 40-jähriger Algerier, dessen Name erstmals im Jahr 2003 nach der Entführung von 32 europäischen Touristen in der algerischen Sahara auftauchte.

Aqmi hält seit September 2010 vier im Niger entführte Franzosen in seiner Gewalt. Der Großvater einer der Geiseln äußerte am Samstag Befürchtungen, dass der Tod Zeids diese in Gefahr bringen könnte. Die französische Regierung lehnt Verhandlungen mit den Entführern grundsätzlich ab. Mitte Februar wurde auch eine siebenköpfige französische Familie von Islamisten aus dem Norden Kameruns nach Nigeria verschleppt.

Von

afp

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