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15.01.2015

18:33 Uhr

Bundeswehr

Neue Probleme bei Militärtransporter A400M

Die Lieferung von weiteren A400M-Militärtransportern an die Bundeswehr könnte sich verzögern. Das Verteidigungsministerium fordert Klarheit von Hersteller Airbus. Offenbar gibt es Probleme bei Flugzeug-Rümpfen.

Die Bundeswehr soll 2015 fünf weitere A400M-Transportflugzeuge erhalten. dpa

Die Bundeswehr soll 2015 fünf weitere A400M-Transportflugzeuge erhalten.

Berlin/MünchenBei der Auslieferung des Militärtransporters A400M an die Bundeswehr zeichnen sich weitere Verzögerungen ab. Entsprechende Signale gebe es von der europäischen Rüstungsagentur OCCAR, die im Auftrag der Abnehmerstaaten mit dem Hersteller Airbus verhandelt, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Donnerstag in Berlin. „Wir erwarten jetzt eine Ansage der Industrie“, fügte er hinzu. Nach einem Treffen von OCCAR mit Airbus am Freitag in Toulouse werde möglicherweise mehr Klarheit herrschen. Nach bisheriger Planung soll die Bundeswehr dieses Jahr fünf A400M erhalten. Über die neuen Probleme berichtete zuerst das Nachrichtenportal „Spiegel online“.

Airbus bestätigte die Verzögerung zunächst nicht. „Wir sprechen derzeit mit den Abnehmernationen über die Auslieferungsplanung für 2015“, sagte ein Sprecher der Militärsparte Airbus Defence and Space. „Ansonsten wird die Jahresplanung – wie üblich – erst veröffentlicht wenn sie mit allen Kunden besprochen wurde.“

„Spiegel online“ berichtete, schlimmstenfalls werde Airbus dieses Jahr gar keinen A400M an die Bundeswehr liefern. Unter Berufung auf eine interne OCCAR-Analyse hieß es, 2015 könnten bestenfalls zwei weitere Transportflugzeuge an die Deutschen übergeben werden. Grund seien Probleme bei der Produktion der Flugzeug-Rümpfe. Insgesamt erwarte die OCCAR einen Lieferverzug von bis zu sieben Monaten.

Die Mängelliste der Bundeswehr

Kampfhubschrauber

Von den 31 TIGER-Kampfhubschraubern stehen dem Heer derzeit nur 10 zur Verfügung

Transporthubschrauber

Nur 8 von 33 NH90-Transporthubschrauber sind aktuell einsatzbereit

Kampfjets

Der sogenannte Buchbestand an EUROFIGHTER-Kampfjets liegt bei 109, davon sind theoretisch 74 verfügbar, aber nur 42 einsatzbereit.

Marine

Bei der Hubschrauberflotte der Marine sieht es besonders düster aus. Nur 3 von 15 Hubschraubern des Typs SEA KING könnten derzeit abheben. Bei den SEA LYNX sind es 4 von 18.

Fahrzeuge

Bei allem, was Räder hat, sieht es besser aus. Von den 180 gepanzerten BOXER-Transportfahrzeugen könnten aktuell nur 70 in einen Einsatz geschickt werden.

Kurz vor Weihnachten hatte Airbus mit vierjähriger Verspätung den ersten Militärtransporter an die Bundeswehr übergeben. Die deutschen Streitkräfte erhalten insgesamt 53 der Maschinen, von denen 13 jedoch weiterverkauft werden sollen. Ursprünglich hatte die Armee mit 60 Stück geplant, das Vorhaben wurde nach und nach zusammengestrichen.

Die ersten Flugzeuge werden noch nicht die volle Ausstattung haben. Vor Deutschland haben bereits Frankreich, die Türkei und Großbritannien A400M-Maschinen in Empfang genommen. Über das Rüstungsvorhaben war es unter anderem wegen massiver Kostensteigerungen mehrfach zu heftigem Streit zwischen Airbus und den Abnehmerstaaten gekommen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

15.01.2015, 19:00 Uhr

Angesichts der Beständigkeit solcher und schlimmerer Pannen im Rahmen der politischen Beschaffung von Material - wofür auch immer - muß schon von systematischer Schädigung des Steuerzahlers gesprochen werden.

Ganz sicher fahrlässig und strafbar, vielleicht gar grob fahrlässig oder - wer weiß das schon - auch vorsätzlich wird Geld zum Fenster hinaus geworfen, mit vollen Händen und fröhlich wie Bolle.

Die Frage ist erlaubt, warum sich nur die völlig harmlosen Pegida-Leute versammeln - dabei auch noch ganz ohne Gewalt und ohne Mistgabeln und Jagdflinten?

Herr Jens Muche

16.01.2015, 14:08 Uhr

@ Cal Andersen „....muß schon von systematischer Schädigung des Steuerzahlers gesprochen werden.“

Jein, dieses Flugzeug ist eine komplette Neuentwicklung, da gibt es im Wirkbetrieb Schwierigkeiten, die bei einer längeren Erprobung hätten beseitigt werden können. Die längere Erprobung konnte aber nicht stattfinden, weil dieses Flugzeug schon während der Entwicklungsphase immer wieder verändert und mit neuen Aufgaben (politischen und militärischen) befrachtet wurde. Es fehlte ein schlüssiges Einsatzkonzept, politisch wie militärisch.

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