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25.09.2014

14:44 Uhr

Bundeswehr-Pannen und von der Leyen

„Deutschland macht sich lächerlich“

VonDietmar Neuerer

Die Bundeswehr kämpft mit massiven Technikpannen, doch die Ministerin reist erstmal öffentlichkeitswirksam in den Irak. Das sorgt für Unmut, selbst beim Koalitionspartner SPD. Von der Leyen gerät allmählich unter Druck.

Ursula von der Leyen (CDU) an Bord einer Transall im Irak: „Deutschland macht sich lächerlich Reuters

Ursula von der Leyen (CDU) an Bord einer Transall im Irak: „Deutschland macht sich lächerlich

Berlin„Dass die Bundeswehr einsatzbereit ist, beweist sie täglich und weltweit in 17 Auslandseinsätzen“, zitiert die „Bild“-Zeitung Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Und zwar just an dem Tag, an dem Generalinspekteur Volker Wieker und die Inspekteure von Heer, Luftwaffe und Marine vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestags Unangenehmes einräumen müssen: Mit der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr, so Wieker, gebe es erhebliche Probleme.

Mängel an Fahrzeugen, Hubschraubern und Flugzeugen schränken die Einsatzfähigkeit der Truppe ihren eigenen Angaben zufolge teils stark ein. Ein Großteil der Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Schiffe steht demnach derzeit nicht zur Verfügung. Nur 42 der 109 Eurofighter im Bestand der Luftwaffe sind aktuell für Übungen oder Einsätze nutzbar, beim Tornado ist das Verhältnis mit 38 von insgesamt 89 ähnlich schlecht. Vom Transporthelikopter NH90 stehen nur acht von 33 bereit, vom Kampfhubschrauber Tiger zehn von 31.

Die Mängelliste der Bundeswehr

Kampfhubschrauber

Von den 31 TIGER-Kampfhubschraubern stehen dem Heer derzeit nur 10 zur Verfügung

Transporthubschrauber

Nur 8 von 33 NH90-Transporthubschrauber sind aktuell einsatzbereit

Kampfjets

Der sogenannte Buchbestand an EUROFIGHTER-Kampfjets liegt bei 109, davon sind theoretisch 74 verfügbar, aber nur 42 einsatzbereit.

Marine

Bei der Hubschrauberflotte der Marine sieht es besonders düster aus. Nur 3 von 15 Hubschraubern des Typs SEA KING könnten derzeit abheben. Bei den SEA LYNX sind es 4 von 18.

Fahrzeuge

Bei allem, was Räder hat, sieht es besser aus. Von den 180 gepanzerten BOXER-Transportfahrzeugen könnten aktuell nur 70 in einen Einsatz geschickt werden.

Ähnlich ist die Lage bei der Marine: Von den fünf Korvettten sind drei in der Werft, von vier U-Booten vom Typ U212 nur eines bereit. Schon zuvor war bekannt geworden, dass fast alle Marinehubschrauber am Boden bleiben müssen.

Ein weiteres aktuelles Beispiel ist der Fall der Bundeswehrausbilder, die in den Nordirak wollen. Sie starteten in der vergangenen Woche wegen eines Defekts ihres Flugzeugs verspätet mit einer Ersatzmaschine und sitzen nun seit Tagen in Bulgarien fest, weil auch diese kaputt ist.

Immerhin: Die Ministerin hat es geschafft, pannenfrei in den Nordirak zu fliegen. In der Kurdenhauptstadt Erbil will sie sich selbst ein Bild von der Lage machen. Wegen des Vormarsches der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) haben sich Hunderttausende Menschen dorthin geflüchtet. Sechs Verbindungsoffiziere der Bundeswehr arbeiten seit Wochen bei der Koordination der humanitären Hilfe mit. Von der Leyen wird sie treffen, und auch ein Gespräch mit dem Kurden-Präsidenten Massud Barsani ist geplant.

Kritiker halten den Irak-Besuch in einer Situation, in der die Truppe in Deutschland mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat, für überflüssig. Selbst der Koalitionspartner erwartet von der Ministerin, dass sie sich nun Handlungsfähigkeit beweist – aber nicht im Ausland.

„Die Ministerin muss jetzt klar machen, wo sie gegensteuern will“, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Auch der Verteidigungsexperte der Linksfraktion, Alexander Neu, forderte von der Leyen auf, nun die Verantwortung für die bestehenden Probleme zu übernehmen. „Nun wird sich herausstellen, ob sie es mit ihrer angekündigten tiefgreifenden Prüfung aller Rüstungsprojekte ernst meint und auch die Konsequenzen aus den Ergebnissen zieht, oder ob alles nur eine mediale Show ist“, sagte Neu dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Kommentare (37)

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Herr C. Falk

25.09.2014, 14:54 Uhr

Was hat Frau von der Layen wohl "damals" unter der Bettdecke gelesen, Karl May, Durchs wilde Kurdistan oder doch eher Hanni und Nanni?

Oder hat ihr Papa Albrecht Märchen vorgelesen, z.B. Pechmarie und Goldmarie?

Wir wissen es nicht....lol



Frau Margrit Steer

25.09.2014, 15:01 Uhr

Natürlich macht Deutschland sich lächerlich.
Die BW ist doch nicht das einzige was wir nicht mehr schaffen
Flughafen Berlin
Elbharmonie
Madoe Straßen
Brücken kurz vorm Einsturz
Eine völlig verkorkste Energiewende, die de Bürger abzockt, aber nichts bringt, denn nach wie vor kafuen wir Srom aus dem Ausland
Deutschland kriegt nichs mehr hin
Die anderen lachen doch nur noch

Herr Theo Gantenbein

25.09.2014, 15:02 Uhr

Die IS und Putin haben sich angesichts der Bundeswehr schon in die Hosen gemacht - vor Lachen!


Wenn von 180.000 "Soldaten" 3.500 im Einsatz sind, was machen dann eigentlich die restlichen 176.500, außer Gehälter einstreichen und den Sessel warm pupsen?

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