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30.01.2015

12:25 Uhr

Bundeswehr-Reform

Die Kuschel-Armee

VonMaike Freund, Désirée Linde

Kita, Kinder, Kaserne: Verteidigungsministerin von der Leyen will die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands machen. Für ihre „Agenda Attraktivität“ erntet sie nur Beifall – fast.

Von der Leyen Vorstoß

Familienfreundlicher Arbeitgeber Bundeswehr?

Von der Leyen Vorstoß: Familienfreundlicher Arbeitgeber Bundeswehr?

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BerlinSie hat ein ehrgeiziges Ziel: Ursula von der Leyen will ihre Bundeswehr zum attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands machen – und hat ein ganzes Programm dafür parat. Am Freitag debattierte der Bundestag über ihre Vorschläge zur „Agenda Attraktivität“ und zeigte sich selten so einmütig.

Dabei hatte sich die Verteidigungsministerin in der Vergangenheit viel Kritik anhören müssen: Von der „Kuschel-Armee“, in der der Wohlfühlfaktor mehr zähle als die Disziplin der Truppe, war die Rede. „Gerade, weil wir viel von den Soldaten und Soldatinnen verlangen, müssen wir ihnen im Grundbetrieb viel bieten“, erwiderte sie.

Damit soll die Bundeswehr attraktiver werden

Prämien und Zuschläge

Die Bundesregierung will die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands machen. Hier wichtige Punkte des gebilligten Gesetzentwurfs.

Prämien und Zuschläge

Um hoch qualifiziertes Personal zu binden, soll auch die Bundeswehr künftig Prämien und Zuschläge auszahlen können. Diese sollen 20 Prozent der ersten Stufe des Grundgehalts betragen, über einen Zeitraum von vier Jahren.

Beförderungschancen

Für die 42.450 Zeitsoldaten mit Mannschaftsdienstgraden sollen Aufstiegschancen verbessert werden. Statt bisher 20 Prozent von ihnen sollen künftig bis zu 50 Prozent die höchste Laufbahnstufe erreichen können.

Altersversorgung

Durch eine Nachversicherung sollen die Renten für Zeitsoldaten verbessert werden. Damit sollen sie zivilen Arbeitnehmern gleichgestellt werden.

Mehr Teilzeit

Bisher können nur Soldaten mit Kindern unter 18 Jahren oder für die Pflege eines Angehörigen Teilzeit arbeiten. Künftig soll es keine Beschränkungen mehr geben.

41-Stunden-Wochen

Erstmals wird es bei der Bundeswehr eine gesetzlich geregelte Arbeitszeit von 41 Stunden in der Woche und Regeln für die Vergütung von Überstunden geben.

Sold

Der Wehrsold soll zum 1. November 2015 um 60 Euro erhöht werden. Das entspricht rund sieben Prozent des derzeitigen Solds von 777 bis 1146 Euro pro Monat.

Erschwerniszulagen

Für besonders schwere Jobs, etwa Minentaucher oder Arbeitsplätze im Bunker, sollen 20 teilweise seit Jahren unveränderte Zuschläge um bis zu 40 Prozent erhöht und drei neue Erschwerniszulagen eingeführt werden. Davon sollen insgesamt 22.000 Soldaten und 500 Zivilbeschäftigte profitieren.

Mit ihrer Reform, die Mitte des Jahres in Kraft treten soll, geht von der Leyen ein Thema an, das eines der größten der Bundeswehr ist. Denn die Wehrpflicht als bisher wichtigstes Instrument für die Rekrutierung von Soldaten war 2011 weggefallen. Und seitdem fehlt es der Truppe an Nachwuchs. Die Verteidigungsministerin argumentierte: „Was nützt uns der beste Eurofighter, wenn wir keinen Piloten, keinen Techniker mehr haben, der mit diesen Maschinen verantwortungsbewusst umgehen kann?“ Da hat auch im Bundestag kaum einer etwas dagegenzusetzen. Die Reform soll in den nächsten fünf Jahren 100 Millionen Euro kosten.

1. Mehr Wettbewerb

Seit Bestehen der Bundesrepublik hat es laut der Bundesministerin in Betrieben noch nie so viele offene Stellen gegeben wie derzeit. Die Konkurrenz um kluge Köpfe sei groß, so von der Leyen. Die jungen Menschen stünden nicht mehr Schlange für einen Job beim Bund. Und das bei einer „veränderten, schwierigen sicherheitspolitischen Lage mit wachsenden Anforderungen“, sagte von der Leyen.

Künftig habe ein Jahrgang nur noch 600.000 Schulabgänger. Um die Qualität zu sichern, brauche die Bundeswehr „zehn Prozent eines jeden Jahrgangs“ an Bewerbern. „Wenn wir eine starke, einsatzfähige und flexible Bundeswehr haben wollen, dann kommen wir nicht mehr drum herum, uns um die Attraktivität der Bundeswehr zu kümmern.“ Die Bundeswehr sei dabei längst kein Trendsetter, sondern setze nur das um, was im öffentlichen Dienst und der Wirtschaft längst Standard sei. Und mit dieser Konkurrenz will die Bundeswehr künftig mithalten.

2. Geregelte Dienstzeiten

Die 41-Stunde-Woche wird festgeschrieben, und es gibt Regeln für die Vergütung von Überstunden, so sieht es die „Agenda Attraktivität“ vor. „Die Soldaten sind eben nicht immer im Dienst“, sagte Fritz Felgentreu von der SPD im Plenum. Im Einsatz seien die Soldaten zwar immer im Dienst, auch wenn sie schliefen. Aber am Standort hätten auch Soldaten ein Anrecht auf geregelte Arbeitszeiten.

Kommentare (9)

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Herr Helmut Paulsen

30.01.2015, 12:38 Uhr

Deutschland soll wehrlos und verweiblicht sein. Das ist das Ziel dabei.

Polizei und Bundeswehr abgewickelt und wehrlos. Nicht in der Lage die Deutschen zu schützen. Das ist das Signal dazu.

Schlimm und "Vernachlässigung der Schutzpflichten des Staates gegenüber seinen Bürgern" ist das !

Herr Walter Schimpf

30.01.2015, 12:59 Uhr

Das ist aber niedlich, das Bild!

Na, ja, das ist praktizierte Friedenspolitik der Bundesregierung.

Nachdem sich zeigte, dass die Ausrüstung größtenteils Schrott ist, wird von der neuen kunterbunten, KITA- und Flachbildschirmbelegschaft auch keine besondere Bedrohung mehr ausgehen.

Das nenne ich Abrüstung von innen heraus und aktive, praktizierte Friedenspolitik!

Gut so. Dann kommt unsere abenteuerlustige Kriegsministerin - mangels Masse - wenigstens auf keine dummen Gedanken und erschrickt niemanden mit ihrem großen Abenteuerspielplatz.

Herr Helmut Paulsen

30.01.2015, 13:02 Uhr

Ja, das gewollt erzeugte öffentliche Bild der Deutschen als "wehrlose, ängstliche, dümmliche Trottel" wird dadurch komplettiert in der Welt.

Alle sollen sich "scheckig lachen" uber uns.

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