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20.07.2014

12:29 Uhr

Bundeswehr-Reform

Was Soldaten verdienen

VonBastian Benrath

Die Verteidigungsministerin möchte die Bundeswehr zum attraktiven Arbeitgeber umbauen. Abseits von Kinderbetreuung und Teilzeitarbeit stellt sich die Frage: Wie geht es den Soldaten finanziell? Ein Ex-Soldat erklärt.

Verteidigungsministerin von der Leyen bemüht sich um guten Kontakt zur Truppe. Solderhöhungen kommen in ihrem Reformprogramm trotzdem nicht vor. dpa

Verteidigungsministerin von der Leyen bemüht sich um guten Kontakt zur Truppe. Solderhöhungen kommen in ihrem Reformprogramm trotzdem nicht vor.

DüsseldorfUrsula von der Leyen setzt bei ihrer Modernisierung der Bundeswehr vor allem darauf, den Job der Soldaten attraktiver zu machen. Von anderer „Führungs- und Organisationskultur“, von „Weiterbildung“ und „Telearbeit“ ist die Rede – von Gehaltserhöhungen hingegen nicht. Rudolf Gramlich ist ehemaliger Soldat, er weiß, wie hoch der Sold im Vergleich zur Arbeit ist. Der 59-Jährige ist Steuerberater für Soldaten beim Steuerring, einem Lohnsteuerhilfeverein. Er sagt: „Da sehe ich Nachbesserungsbedarf.“

Soldaten können sich für unterschiedliche Zeiträume als Zeitsoldaten verpflichten, zum Beispiel für zwei, sechs oder fünfzehn Jahre. Wer bestimmte Voraussetzungen erfüllt, kann als Berufssoldaten eingestellt werden. Als solche sind sie Beamte, auch wenn es einige Unterschiede gibt. Deshalb müssen sie keine Sozialversicherung bezahlen. Allerdings müssen sie sich bei einer Pflegeversicherung versichern. Außerdem erhalten sie „freie Heilfürsorge“. Das heißt, dass sie bei allen Krankheiten oder Verletzungen kostenlos von Ärzten oder Krankenhäusern der Bundeswehr behandelt werden. Damit brauchen sie auch keine Krankenversicherung. Insgesamt gehen von ihrem Bruttogehalt also nur Steuern ab, den Rest erhalten sie netto für brutto.

Zudem haben Soldaten einige steuerliche Vorteile: Den Weg zur Stammkaserne können sie steuerlich geltend machen, genau wie andere Arbeitnehmer die Fahrtkosten für ihren Weg zur Arbeit. Darüber hinaus können Soldaten aber auch sämtliche Ausbildungslehrgänge und Aufenthalte auf Truppenübungsplätzen wie Dienstreisen absetzen.

Dienstgrade und Besoldungsgruppen

Rekrut in Grundausbildung

Verpflichtet sich ein junger Mensch als Zeit- oder Berufssoldat, so muss er zunächst die dreimonatige Grundausbildung durchlaufen. Während dieser Zeit ist der Rekrut einfacher Soldat, der niedrigste der Dienstgrade. Dort wird er entsprechend der Besoldungsgruppe A3 bezahlt. Das entspricht einem Einstiegsgehalt von 1920,04 Euro brutto im Monat.

Quelle: Bundesministerium der Verteidigung / bundeswehr.de

Gefreiter

Nach Abschluss der Grundausbildung erhalten Soldaten die erste Beförderung zum Gefreiten. Das verschafft ihnen einen Zuschlag von 34,26 Euro auf ihren Sold, sie erhalten dann 1954,30 Euro brutto im Monat.

Oberstabsgefreiter

Der höchste Dienstgrad, den Soldaten der sogenannten Mannschafts-Laufbahn erreichen können, ist der des Oberstabsgefreiten. In diesem wird er entsprechend der Besoldungsgruppe A5 plus einer Amtszulage bezahlt. Beispielsweise für einen 29-jährigen Berufssoldaten beläuft sich das insgesamt auf 2189,21 Euro brutto im Monat.

Stabsunteroffizier

Die nächsthöhere Laufbahn, die Einsteiger wählen können, ist die Unteroffizierslaufbahn. Es ist beispielsweise möglich, mit einem mittleren Schulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung direkt als Stabsunteroffizier eingestellt zu werden. Als solcher wird man entsprechend der Besoldungsgruppe A6 plus einer Zulage bezahlt. Unteroffizier sind Beamte des mittleren, nicht des einfachen Dienstes. Das entspricht einem Einstiegsgehalt von 2041,51 Euro brutto im Monat.

Oberstabsfeldwebel

Der höchste Dienstgrad, den Soldaten der Unteroffizierslaufbahn erreichen können, ist der des Oberstabsfeldwebels. Dieser wird entsprechend der Besoldungsgruppe A9 mit Amtszulage bezahlt. Etwa für einen 37-jährigen Berufssoldaten beläuft sich das insgesamt auf ein Bruttogehalt von 3192,03 Euro im Monat.

Hauptmann

Die höchste der drei Laufbahnen der Bundeswehr ist die Offizierslaufbahn. Hat ein angehender Soldat zur Zeit seiner Verpflichtung Abitur und ein Studium mit dem Master abgeschlossen, kann er beispielsweise direkt als Hauptmann eingestellt werden. Dies entspricht der Besoldungsgruppe A11 und somit einem Einstiegsgehalt von 3006,77 Euro brutto im Monat.

Brigadegeneral

Ausschließlich Berufssoldaten vorbehalten sind die Dienstränge der Generalität, erkennbar an den goldenen Schulterklappen. Der niedrigste davon, der Brigadegeneral (oder Ein-Stern-General, wie sie in den USA oft heißen) wird gemäß Besoldungsgruppe B6 bezahlt. Das bedeutet ein Grundgehalt von 8725,94 Euro brutto im Monat.

General

Der höchste Dienstgrad der Bundeswehr ist der General, oder auch Vier-Sterne-General. In Friedenszeiten gibt es davon maximal zwei, wovon einer der Generalinspekteur der Bundeswehr ist. Er wird nach der Besoldungsgruppe B10 bezahlt. Das entspricht einem Grundgehalt von 12.040,35 Euro brutto im Monat. Als Generalinspekteur gibt es noch eine Amtszulage oben drauf, so dass die Stelle mit insgesamt 12481,23 Euro vergütet wird.

Zuschlag: Kampfjet-Piloten

Zusätzlich zu den Grundgehältern gibt es zahlreiche Zuschläge für Soldaten, abhängig etwa von verantwortungsvoller Position, gefährlicher Arbeit oder ungünstigen Arbeitszeiten und -orten. So erhalten beispielsweise Piloten, die für die Luftwaffe einen Eurofighter fliegen, 953,17 Euro zusätzlich zu ihrem Grundgehalt.

Zuschlag: U-Boot-Besatzungen

Marinesoldaten, die auf U-Booten eingesetzt werden, erhalten aufgrund ihrer besonderen Einsatzbedingungen eine Erschwerniszulage von 230,08 Euro im Monat. Ab 16 Monaten auf See gibt es für sie pro Monat zusätzlich noch einmal 214,74 Euro.

Zuschlag: KSK

Die Elitesoldaten der Bundeswehr, das Kommando Spezialkräfte (KSK), die etwa auf Geiselbefreiungen spezialisiert sind, erhalten wegen der besonderen Gefährlichkeit ihrer Einsätze eine Zulage von 900 Euro im Monat zusätzlich zum Grundgehalt.

Zuschlag: Auslandseinsatz

Zeit- oder Berufssoldaten, die für die Bundeswehr im Auslandseinsatz sind, erhalten einen steuerfreien Zuschlag zwischen 30 und 110 Euro pro Tag auf ihren Sold. Im Monat kann das bis zu 3410 Euro zusätzlich ausmachen.

Doch dem steht die notwendige Flexibilität des Soldatenberufs entgegen. So ist die Stammkaserne eines Soldaten nicht immer dort, wo seine Familie lebt. Zumeist müssen Soldaten also einen auswärtigen Arbeitsort in Kauf nehmen. Auch bleiben Soldaten fast nie ihre ganze Laufbahn über in der selben Kaserne stationiert, sondern müssen sich mit häufigen Versetzungen arrangieren – selbst wenn gerade kein Auslandseinsatz ansteht.

Ein Soldat mittleren Ranges, zum Beispiel ein Feldwebel nach drei Jahren Dienstzeit, erhält dafür dann zwischen 2200 und 2300 Euro brutto im Monat. Dieser ist dann aber auch schon „Unteroffizier mit Portepee“, im Ranggefüge der Bundeswehr etwa im oberen Mittelfeld. Ein einfacher Gefreiter, niedrigster Rang nach der Grundausbildung, steigt hingegen mit nur gut 1950 Euro in seinen Beruf ein.

Ex-Soldat Gramlich fasst zusammen: Soldaten seien durch fehlende Sozialversicherungs- und Krankenkassenbeiträge besser gestellt als normale Arbeitnehmer, aber der Sold an sich sei eher niedrig. „Wenn ich qualifiziertes Personal will, dann muss ich dem etwas bieten“, sagt Gramlich. Deshalb sieht er noch Nachbesserungsbedarf.

Kommentare (11)

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Herr Woldemar von Stechlin

21.07.2014, 09:21 Uhr

Wäre schön, wenn der Autor auch schreiben würde was 2200 und 2300 Euro brutto nach Steuerabzug z.B. in SK I denn wirklich netto sind. Und dann gibt es doch bestimmt noch diverse Zulagen in Altersvorsorge, wie das im Ö-Dienst die Regel ist, oder?

Herr Tom Beck

21.07.2014, 11:40 Uhr

mal schön die Zulagen, dza und Ausladsaufenthalte unterschlagen. Soweit ich weiß bekommt man in etwa dass Doppelte in die Lohntüte wenn man im Ausland unterwegs ist.

Herr Volquart Postel

21.07.2014, 13:09 Uhr

Ich kann nicht nachvollziehen was an diesen diesen Beträgen niedrig sein soll. 1950€ für einen Gefreiten (d.h. jemanden ohne Ausbildung mit soweit ich weiß x-beliebigen Schulabschluss) finde ich viel.

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