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27.01.2017

19:56 Uhr

Bundeswehr-Skandal

Misshandlungen und Demütigungen in Elite-Kaserne

In einer Bundeswehr-Kaserne in Baden-Württemberg soll es zu sexuell-sadistischen Aufnahmeritualen gekommen sein. Sieben Soldaten wurden vom Dienst suspendiert. Verteidigungsministerin von der Leyen reagierte empört.

Die Bundeswehr stellte Anzeige gegen mehrere Soldaten. dpa

Verdacht auf Freiheitsberaubung und Nötigung

Die Bundeswehr stellte Anzeige gegen mehrere Soldaten.

BerlinMisshandlungen, Mobbing, Freiheitsberaubung und sexuelle Nötigung: In einem Ausbildungszentrum der Bundeswehr im baden-württembergischen Pfullendorf gehen Bundeswehr und Justiz Hinweisen auf schwerwiegendes Fehlverhalten nach. Sieben Soldaten wurden vom Dienst suspendiert und sollen fristlos entlassen werden, wie die Bundeswehr mitteilte. Daneben ordnete der Generalinspekteur mehrere Disziplinarverfahren und Versetzungen an. An dem Standort gibt es nun zudem eine intensive Dienstaufsicht.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) reagierte empört. „Die Vorgänge in Pfullendorf sind abstoßend und sie sind widerwärtig“, sagte die CDU-Politikerin am Freitagabend. Die Vorgänge seien auch beschämend für alle Soldaten, die respektvoll mit ihren Kameraden umgingen und das Ansehen der Truppe hochhielten.

„Spiegel online“ hatte zuerst über die Vorfälle berichtet. Demnach gab es in Pfullendorf unter anderem „sexuell-sadistische Praktiken“ sowie Gewaltrituale. Im Oktober 2016 habe sich ein weiblicher Leutnant an den Wehrbeauftragten und die Ministerin gewandt. Sie habe unter anderem beschrieben, dass sich Rekruten bei der Ausbildung vor den Kameraden nackt ausziehen mussten. „Vorgesetzte filmten mit, angeblich zu Ausbildungszwecken“, schreibt „Spiegel online“. Die Rede ist auch von medizinisch unsinnigen, sexuell motivierten Übungen.

Die Bundeswehr schaltete auch die Staatsanwaltschaft Hechingen ein und stellte Strafanzeige gegen mehrere Soldaten, wie ein Sprecher der Anklagebehörde mitteilte. Es geht laut Bundeswehr um den Verdacht der Freiheitsberaubung, gefährlichen Körperverletzung, Gewaltdarstellung und Nötigung.

Baustellen der Bundeswehr

Personal

Die Bundeswehr befand sich 25 Jahren auf Schrumpfkurs, militärische Planung orientierte sich an Sparzwängen. Auch für die Aussetzung der Wehrpflicht waren Sparvorgaben der Ausgangspunkt. Bestand die Bundeswehr 1990 aus mehr als einer halben Million aktiver Soldaten, sind es nun gerade noch etwas mehr als 177 000. Nun soll die Truppenstärke wieder wachsen.

Ausrüstung

Die Ausrüstung der Bundeswehr ist teils marode, teils veraltet und sorgte die vergangenen Jahre für viel Spott. Vergangenes Jahr bescheinigte der Wehrbeauftragte der Bundeswehr gar eine „planmäßige Mangelwirtschaft“. Kurz darauf verkündete das Verteidigungsministerium aber ehrgeizige Pläne zur Truppensanierung für 130 Milliarden Euro bis 2030.

Einsätze

Deutschland beteiligt sich derzeit mit 3300 Soldaten an internationalen Einsätzen - von der Abschreckung Russlands im Rahmen der Nato im Baltikum bis zur UN-Friedenssicherung in Mali. Die Aufgaben der Bundeswehr wachsen in der ganzen Welt. Deutschland will gestalten und eine aktivere Rolle spielen. Aber ist die Truppe den neuen Aufgaben gewachsen?

Von der Leyen sagte, es seien bereits Konsequenzen gezogen worden und weitere sollten folgen. Die Vorgänge würden „mit aller Härte aufgeklärt“, versprach sie.

Eine Sprecherin des Ausbildungskommandos sagte der Deutschen Presse-Agentur, geprüft würden unter anderem auch sogenannte Aufnahmerituale unter Mannschaftsdienstsoldaten. Daran seien Vorgesetzte nach derzeitigem Stand der Ermittlungen nicht beteiligt.

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, erklärte: „Verstöße gegen die Innere Führung werden im Heer nicht geduldet und mit aller Konsequenz geahndet.“

In einer Erklärung der Bundeswehr heißt es: „Diese Vorgänge wiegen insofern umso schwerer, als bereits früher Hinweise auf Missstände und frauenfeindliches Klima in einer anderen Teileinheit des Ausbildungszentrums Spezielle Operationen in Pfullendorf in Rede standen.“ Die Häufung zeige „gravierende Defizite in der Führung“.

Das Ausbildungszentrum schult nationale und internationale Spezialkräfte. Angeboten werden unter anderem Lehrgänge für Scharfschützen sowie für das Führungspersonal von Spezialkräften. Zudem werden die Soldaten etwa im Nahkampf trainiert oder auf das Überleben und Verhalten in Gefangenschaft oder in isolierter Lage vorbereitet.

Von

dpa

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