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24.01.2014

15:38 Uhr

Bundeswehr

Soldaten sind skeptisch gegenüber Kameradinnen

Rund 10 Prozent der Bundeswehr-Soldaten sind Frauen. An die weiblichen Kameraden haben sich noch längst nicht alle Männer in der Truppe gewöhnt – ganz im Gegenteil. Auch sexuelle Belästigung ist in Kasernen ein Thema.

Die Bundeswehr hatte 2001 das Ziel eines Frauenanteils von 15 Prozent ausgegeben. Heute sind unter den rund 186.000 Soldaten 10,1 Prozent Frauen. dpa

Die Bundeswehr hatte 2001 das Ziel eines Frauenanteils von 15 Prozent ausgegeben. Heute sind unter den rund 186.000 Soldaten 10,1 Prozent Frauen.

BerlinMehr als ein Jahrzehnt nach der vollständigen Öffnung der Bundeswehr für Frauen gibt es massive Probleme bei ihrer Integration in die Truppe. Nach einer am Freitag veröffentlichen Umfrage des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr aus 2011 wachsen unter den Soldaten die Vorbehalte gegen ihre Kameradinnen. 56,6 Prozent meinten, Frauen veränderten die Bundeswehr zum Schlechteren. 2005 waren es noch 51,6 Prozent. Jeder Dritte sagte, die Truppe verliere an Kampfkraft, und 15,6 Prozent meinten sogar, die Bundeswehr könne ihren militärischen Auftrag nicht mehr erfüllen.

Für die Studie wurden zwischen August und Oktober 2011 3058 Frauen und 1771 Männer befragt. Dabei ging es auch um das Thema sexuelle Belästigung in den Kasernen. 55 Prozent der Frauen wurden danach schon mindestens einmal sexuell belästigt. 47 Prozent berichteten über verbale Belästigungen, 25 Prozent über das sichtbare Anbringen pornografischer Darstellungen und 24 Prozent über „unerwünschte sexuell bestimmte körperliche Berührungen“. Drei Prozent gaben an, Opfer sexuellen Missbrauchs geworden zu sein.

Nach Angaben von Studienleiter Gerhard Kümmel weichen die Werte in diesem Bereich aber nicht wesentlich von Erhebungen in anderen Berufsfeldern ab. Befragungen der US-Streitkräfte hätten sogar noch höhere Zahlen ergeben.

Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat zwischen 2005 und 2011 laut Studie gelitten. 61,4 Prozent der Männer (2005: 51,8 Prozent) und 54,9 Prozent der Frauen (2005: 51,4) berichteten über Partnerschaftskrisen aufgrund ihres Dienstes. 43,3 der Männer und 44,2 Prozent der Frauen trennten sich sogar deswegen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht sich durch die Studie in ihren Anstrengungen für eine familienfreundlichere Bundeswehr bestätigt. „Wir müssen die Karrierepfade für Frauen gangbarer machen, die Vereinbarkeit von Dienst und Familie zügig vorantreiben und auch besser sichtbar machen, wie sehr die Bundeswehr von der wachsenden Zahl Frauen in der Truppe profitiert.“

Die Bundeswehr hatte 2001 alle militärischen Laufbahnen für Frauen geöffnet und das Ziel eines Frauenanteils von 15 Prozent ausgegeben. Heute sind unter den rund 186.000 Soldaten 10,1 Prozent Frauen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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RBern

24.01.2014, 16:41 Uhr

...„Wir müssen die Karrierepfade für Frauen gangbarer machen, die Vereinbarkeit von Dienst und Familie zügig vorantreiben und auch besser sichtbar machen, wie sehr die Bundeswehr von der wachsenden Zahl Frauen in der Truppe profitiert.“.....

Nichts gegen Frauen, auch nicht in der Bundeswehr, aber wie und wo profitiert die Truppe von der wachsenden Zahl?

Kavallier

24.01.2014, 18:38 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Novaris

24.01.2014, 21:13 Uhr

Lt. Soldatengleichstellungdurchsetzungssgesetz (SDGleiG)
müssen im Sanitätsdienst mindestens 50% Frauen beschäftigt werden und das zeigt doch den Weg der Bundeswehr zu einem reinen Dienstleistungsunternehmen in Sachen ärztlicher Versorgung der kämpfenden NATO-Partner auf.
Erwünschter Nebeneffekt : Die Anschaffung sündhaft teuren Schiessmaterials würde sich so erübrigen und die Begründung von Partnerschaften begünstigen, die wiederum die angestrebten KiTas erfordern.
Schon möglich, dass die Ernennung einer Frau zur Bundesverteidigungsministerin Überlegungen in diese Richtung wiederspiegeln.

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