Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.06.2012

16:46 Uhr

Bundeswehr

Strom der Freiwilligen reißt nicht ab

Soziales Engagement funktioniert auch ohne Zwang: Für den Bundesfreiwilligendienst gibt es mehr Bewerber als Stellen. Auch die Bundeswehr kann sich nach dem Ende der Wehrpflicht nicht über mangelnden Zulauf beschweren.

Kann sich nicht über Mangel beschweren: Die Bundeswehr. dpa

Kann sich nicht über Mangel beschweren: Die Bundeswehr.

BerlinIm ersten Jahr nach dem Aussetzen der Wehrpflicht haben die Bewerberzahlen für die neuen Freiwilligendienste die Erwartungen übertroffen. Für den zivilen Bundesfreiwilligendienst wurden inzwischen 50 000 Verträge unterzeichnet, bei der Bundeswehr heuerten 12 000 Freiwillige an, von denen allerdings jeder Vierte seinen Dienst vorzeitig abbrach. „Uns ist es hervorragend gelungen, die historische Chance für den Ausbau von freiwilligem Engagement in Deutschland zu nutzen“, erklärte Familienministerin Kristina Schröder (CDU).

Die Wehrpflicht war zum 1. Juli 2011 nach 55 Jahren ausgesetzt worden. Seitdem bietet die Bundeswehr einen freiwilligen Wehrdienst an, der durchschnittlich 15 Monate und höchstens 23 Monate dauert.

Obwohl die Bezahlung bei der Bundeswehr deutlich besser ist, haben sich für den zivilen Bundesfreiwilligendienst bei sozialen oder kulturellen Einrichtungen deutlich mehr Bewerber gemeldet. Einige mussten sogar abgewiesen werden, da es nur 35 000 Stellen gibt. Bereits jetzt sind tausende Verträge schon für das zweite Jahr des Bundesfreiwilligendienstes unterzeichnet, so dass sich die Gesamtzahl auf 50 000 summiert.

Die Bundeswehr kann höchstens 15 000 Freiwillige aufnehmen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte als Zielmarke aber zunächst 5000 ausgegeben. Diese wurde trotz der zahlreichen vorzeitigen Abgänge deutlich übertroffen.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, zeigte sich aber skeptisch, ob die hohen Bewerberzahlen langfristig gehalten werden können. Er zeigte sich auch besorgt über die hohe Abbrecherquote und forderte Änderungen bei der Ausbildung. „Einige Ausbilder sind ein bisschen von einem alten Geist bei der Bundeswehr beseelt. Es kommt darauf an, dass die Soldaten fair und mit Respekt behandelt werden“, sagte er.

Um den Personalbedarf auch künftig decken zu können, sollte die Bundeswehr nach Ansicht des Wehrbeauftragten auch für Ausländer geöffnet werden. „Nirgendwo kann jemand seine Integrationsbereitschaft besser belegen, als wenn er für sein Land als Soldat dient“, sagte er. „Ich will, dass auch Migranten ohne deutschen Pass, die sich zu diesem Land bekennen, den Zugang zu den Streitkräften bekommen. Dafür sollen sie dann aber natürlich auch die Möglichkeit der Einbürgerung bekommen.“

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×