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14.01.2014

17:21 Uhr

Bundeswehr und Familie

„Der wirkliche Held ist der, der daheim bleibt“

VonMarc Etzold

Ursula von der Leyen will die Bundeswehr familienfreundlicher machen. Eine Soldatin und Mutter erzählt Handelsblatt Online, warum die Truppe mehr Kitas braucht und was die Ministerin noch anpacken sollte.

Soldat mit Kind: Bundeswehr wünscht sich mehr Kita-Plätze. dpa

Soldat mit Kind: Bundeswehr wünscht sich mehr Kita-Plätze.

DüsseldorfMehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten, bessere Teilzeit-Reglungen und weniger Versetzungen: Mit diesen Ideen will die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Bundeswehr familienfreundlicher gestalten. Für die Soldatin Eva Holzer (Name von der Redaktion geändert) ist das eine gute Nachricht. „Seit über zehn Jahren sind Frauen in allen Laufbahnen und Teilstreitkräften bei der Bundeswehr. Dass die jetzt Kinder kriegen, ist keine Überraschung“, sagt sie im Gespräch mit Handelsblatt Online. Deshalb müsse sich etwas an den Strukturen ändern, fordert die Soldatin im Rang eines Hauptmanns.

Holzer ist mit einem Bundeswehr-Offizier verheiratet. Zusammen haben sie einen vierjährigen Sohn, der eine öffentliche Kita besucht. „Meine Dienstzeit beginnt um 7 Uhr. Zur gleichen Zeit macht die Kita auf“, erzählt die Berufssoldatin, die derzeit in Süddeutschland stationiert ist. Um sowohl dem Dienst als auch der Kita gerecht zu werden, arbeitet sie in Teilzeit. Damit gehört sie zu einer absoluten Minderheit in der Bundeswehr. Nach Informationen des Deutschen Bundeswehrverbandes arbeiten nur etwa 800 von 185.000 Soldatinnen und Soldaten in Teilzeit.

Für Holzer ist die Teilzeitarbeit die einzige Möglichkeit, Dienst und Familie unter einen Hut zu bekommen, da ihr Ehemann derzeit in Afghanistan im Einsatz ist. Um 15.30 Uhr macht die Soldatin Feierabend, eine halbe Stunde später holt sie ihren Sohn von der Kita ab. Für Holzer wäre eine Bundeswehr-Kita ideal, die von 6 bis 18 Uhr geöffnet hat und wo man das Kind auch mal über Nacht lassen könnte, wenn der Job es erfordert, sagt sie.

Mit den derzeitigen Möglichkeiten der Kinderbetreuung ist auch der Bundeswehrverband unzufrieden. Nach Angaben der Organisation, die sich für die Belange der Soldaten einsetzt, hat die Bundeswehr in den Jahren 2011 bis 2013 etwa 200 Plätze in öffentlichen Kitas belegt. „Im Verhältnis zur Gesamtzahl ist das natürlich viel zu wenig“, kritisiert Verbandssprecher Jan Meyer.

Im Verteidigungsministerium ist dieses Problem bekannt. In München, Koblenz und Ulm baut die Bundeswehr derzeit eigene Betriebskitas, um Abhilfe zu schaffen. Im April dieses Jahres soll die erste Kita in München fertig gestellt werden. Auch in Berlin soll eine Kita entstehen – hier gibt es aber Probleme. „Wir haben mit dem Bundesfinanzministerium noch keine einvernehmliche Lösung im Rahmen der Bedarfsanerkennung erreicht“, sagt eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums auf Anfrage von Handelsblatt Online. Im Klartext bedeutet dies: Das Finanzministerium stellt die Notwendigkeit der Kita in Berlin in Frage und lässt vorerst keine Gelder fließen. Dass das Projekt gestoppt wurde, sei aber nicht korrekt, wie das Finanzministerium auf Anfrage betonte.

Kommentare (20)

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tja

14.01.2014, 17:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

castellnevez

14.01.2014, 17:38 Uhr

Die geschilderten Probleme gehören leider zum Alltag eines jeden Arbeitnehmer oder Selbständigen, der neben der Vollzeitbeschäftigung Kinder großziehen möchte. Ich zahle zur Zeit mangels Alternativen für die Betreuung meiner zwei Kinder (Kita + Privatschule) - gern - monatlich einen vierstelligen Betrag, und zwar aus eigener Tasche. Warum dieses allgemeine Problem bei Beamten bzw. dem öffentlichen Dienst wieder derart offensiv und prioritär angegangen wird, kann nur mit der dort vorherrschenden Vollversorgungsmentalität und der Multipräsenz dieser Kaste in Parlament und Bundesrat erklärt werden...

tja

14.01.2014, 17:48 Uhr

erratum:

aus:
dass man so einer auch nich die Verantwortung
richtig:
dass man so einer auch noch die Verantwortung

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