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22.04.2015

16:33 Uhr

Bundeswehr

Von der Leyen schießt Sturmgewehr G36 ab

Die Sturmgewehre G36 haben in der Bundeswehr keine Zukunft. Das hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Mittwoch bekannt gegeben. Grund dafür dürfte nicht nur ein vernichtendes Expertengutachten sein.

Das G36 soll abgeschafft werden. Die Bundeswehr benutzt die Sturmgewehre seit 1997, unter anderem weil es leichter als der Vorgänger ist. Jetzt droht ihnen laut Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen das Ende. dpa

Bundeswehr

Das G36 soll abgeschafft werden. Die Bundeswehr benutzt die Sturmgewehre seit 1997, unter anderem weil es leichter als der Vorgänger ist. Jetzt droht ihnen laut Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen das Ende.

BerlinVerteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will die 167.000 Sturmgewehre G36 der Bundeswehr wegen erheblicher Probleme bei der Treffsicherheit ausmustern. Die Konsequenz aus einem eindeutigen Expertengutachten zu der Waffe sei, „dass das G36, so wie es heute konstruiert ist, keine Zukunft in der Bundeswehr hat“, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch nach einer Sitzung des Bundestags-Verteidigungsausschusses. Sie schloss damit aber nicht aus, dass der Ersatz auch ein verbessertes G36 sein kann.

Auch nach dem Auftritt von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen denkt die Opposition weiter über einen Untersuchungsausschuss zum Sturmgewehr G36 nach. „Heute sind mehr Fragen offen geblieben als geklärt wurden“, sagte der Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). „Ob es zu einem Untersuchungsausschuss kommen wird, entscheidet sich in den kommenden zwei bis drei Wochen.“

SPD, Grüne und Linke haben umfangreiche Fragenkataloge zum Umgang mit dem Gewehr G36 eingereicht, dem Studien Qualitätsprobleme attestieren. Diese Fragen sollen in den kommenden zwei bis drei Sitzungen des Verteidigungsausschusses abgearbeitet werden. Der Ausschussvorsitzende Hans-Peter Bartels (SPD) attestierte der Ministerin ein „erkennbares Aufklärungsinteresse“. Für die Opposition werde es schwierig, einen Untersuchungsausschuss zu begründen.

In der vergangenen Woche hatten Experten eine Studie vorgelegt, nach der die Trefferquote des G36 bei extremer Erhitzung von den erforderlichen 90 auf nur noch 7 Prozent sinkt. Ähnlich schlechte Ergebnisse gab es unter Dauerfeuer. In den Vergleichstest schnitt aber auch nur ein Gewehr im grünen Bereich ab. Dabei soll es sich nach Angaben aus dem Verteidigungsausschuss um eine Spezialanfertigung des G36-Herstellers Heckler & Koch handeln.

G 36 - Das Standardgewehr der Bundeswehr

Fast 20 Jahre dabei

Das Sturmgewehr G36 gehört seit 1996 zur Standardausrüstung jedes Bundeswehrsoldaten.

Hersteller

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden 176 544 der Waffen bei dem baden-württembergischen Hersteller Heckler & Koch eingekauft, von denen noch 166 619 genutzt werden.

Material

Das Gewehr besteht zum großen Teil aus Kunststoff und ist deswegen mit einem Gewicht von dreieinhalb Kilogramm vergleichsweise leicht.

Kaliber

Es hat ein Kaliber von 5,56 mal 45 Millimetern und kann Einzelschüsse und Dauerfeuer abgegeben.

Geschenk an kurdische Armee

8000 G36-Gewehre hat die Bundeswehr an die kurdische Armee im Nordirak für ihren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat abgegeben.

Das erklärt, warum von der Leyen sich auch eine neue G36-Version als Ersatz vorstellen kann. Wie lange die Ausmusterung dauern wird, ist offen. Von der Leyen drückt auf Tempo. Bei den Spezialkräften und in den Einsatzgebieten müsse der Austausch der Gewehre „mit Hochdruck“ erfolgen, sagte sie. „Ein gesamtes Ersetzen des Gewehres wird sicherlich nicht binnen Jahresfrist gehen, sondern wird eine längere Zeit dauern“, räumte sie ein. Das Bundesamt für die Ausrüstung der Bundeswehr schätzt, dass das bis zu zehn Jahre dauern kann.

Erste Hinweise auf die Präzisionsprobleme gab es schon 2010. Bereits im März 2012 wurden sie von der Rüstungsabteilung des Ministeriums als „erheblicher Mangel“ von „erheblicher Einsatzrelevanz“ eingestuft. Auch der damalige Minister de Maizière wusste davon.

Das neue Gutachten von der Leyen (CDU) im Juni 2014 in Auftrag - ein halbes Jahr nach ihrem Amtsantritt. Auch ihr wird von der Opposition aber nun Zögerlichkeit vorgeworfen. „Man muss mittlerweile von systematischer Vertuschung sprechen“, sagte die Grünen-Politikerin Agnieszka Brugger. Der Linken-Politiker Jan van Aken drückte sich vorsichtiger aus: „Wir wissen, dass vieles heruntergespielt wurde.“

De Maizière ließ am Mittwoch erklären, dass er „aktuell“ nicht plane, sich zu der Affäre zu äußern. Er könnte in den Verteidigungsausschuss eingeladen werden, wäre aber nicht verpflichtet zu kommen. In einem Untersuchungsausschuss wäre das anders.

Kommentare (10)

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Herr Peter Klose

22.04.2015, 14:22 Uhr

Tja, das Sturmgewehr macht also unserer stürmischen Frau Ministerin soviel Sorgen, daß zukünftige Sturmangriffe der Bundeswehr nicht zur erhofften/geplanten Anzahl an getöteten Feinden durch die anstürmenden Deutschen Bürger in Uniform führt, sodaß sie direkt zum Sturmangriff auf den hersteller geblasen hat.
Unverzügliche Attacke! Vorbildlich!

ZUUUM AAAANGRIFF!
PANZER MARSCH!
HURRA

Die Frau versteht zu kämpfen!
Wenn man jetzt zusätzlich noch den Eindruck hätte, daß die entsprechenden handlungen auch noch sinnvoll und intelligent wären... kaum auszudenken

Herr Josef Schmidt

22.04.2015, 14:22 Uhr

Das ist ein typisches Beispiel von dem Zustand in dem sich dieses Land befindet und wohin wir noch steuern werden.

Ein Land mit einer der höchsten technischen Affinität der Welt hat eine schrottreif gesparte Armee aber dafür werden Israel modernste U-Boote vom Steuerzahler bezahlt. Ebenfalls wichtige transatlantische Projekte die nur für USA wichtig sind wie die Ukraine werden ebenfalls mit Milliarden finanziert.

Wann wacht der Deutsche endlich auf ?

it mat

22.04.2015, 14:33 Uhr

Warum erfahre ich nichts darüber: 1) Spezifikation für das Gewehr und Test, 2) Probleme des G36 in anderen Ländern in die H&K liefert

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