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19.10.2015

13:42 Uhr

Burkhard Jung

Drohungen gegen Leipzigs Oberbürgermeister

Während die neue Kölner Oberbürgermeisterin Reker nach einer Messerattacke noch im künstlichen Koma liegt, wird bereits der nächste Stadtpolitiker bedroht. Diesmal trifft es Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Der Oberbürgermeister von Leipzig wird bedroht. dpa

Burkhard Jung

Der Oberbürgermeister von Leipzig wird bedroht.

Köln/Berlin/LeipzigNach der Messerattacke gegen die designierte Oberbürgermeisterin aus Köln, Henriette Reker, wird ein weitere Bürgermeister in Deutschland bedroht. Unbekannte haben Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) mit einer Hassbotschaft ins Visier genommen. Sie schmierten auf einen Container in der Leipziger Innenstadt einen Galgen und die Worte „OB Jung wir kriegen Dich“, wie die Polizei am Montag mitteilte. Weitere Einzelheiten konnte sie noch nicht nennen, allerdings ist ein Bezug zu rechten Demonstranten denkbar. Am vergangenen Montag hatte eine Teilnehmer der Pegida-Demonstration in Dresden einen hölzernen Galgen mitgeführt. Daran waren Schilder mit der Aufschrift „Reserviert – Angela „Mutti“ Merkel“ und „Reserviert – Siegmar „das Pack“ Gabriel“ angebracht. Der Fall hatte bundesweit für Empörung gesorgt.

Nach Messerattacke: Henriette Reker gewinnt die Kölner OB-Wahl

Nach Messerattacke

Henriette Reker gewinnt die Kölner OB-Wahl

Politischer Triumph nach lebensgefährlichem Angriff: In Köln hat Sozialdezernentin Henriette Reker die Oberbürgermeisterwahl gewonnen. Einen Tag zuvor hatte sie ein Attentäter niedergestochen.

Noch größere Wellen schlug allerdings die Messerattacke auf Reker, bei der die Oberbürgermeisterkandidatin schwer verletzt wurde. Der Angreifer soll seine Tat mit der Flüchtlingspolitik in Deutschland begründet haben.

Die Bundesregierung verurteilte die Messerattacke auf Reker scharf. „Es kann überhaupt gar keine Rechtfertigung dafür geben, einem anderen Menschen ein Messer in den Hals zu stoßen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. „Wir sollten dem Täter nicht auf den Leim gehen, indem wir hier auch noch ernsthaft über seine angeblichen Motive diskutieren.“

Der Deutsche Städtetag warnte vor einer Radikalisierung der Flüchtlingsdebatte. „Tausende haupt- und ehrenamtliche Kommunalpolitiker in unserem Land sind entsetzt über die Gewalttat gegen Frau Reker und die Fremdenfeindlichkeit, die der Tat offensichtlich zugrunde lag“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des kommunalen Spitzenverbandes, Stephan Articus, am Montag in Berlin. Gewalt gegen Andersdenkende lehnten die Städte entschieden ab, sie müsse „hart geahndet“ werden. „Dafür stehen unsere Demokratie und unserer Rechtsstaat ein.“

Attentate auf Politiker

Schon mehrere Attentate

Nicht nur in Krisenländern leben Politiker gefährlich, auch in Deutschland gab es schon mehrere Attentate. Mal lagen politische Motive zugrunde, mal waren die Täter seelisch gestört.

Oskar Lafontaine

Oskar Lafontaine (SPD): Eine geistig verwirrte Frau greift im April 1990 den damaligen saarländischen Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten auf einer Wahlkampfveranstaltung in Köln mit einem Messer an. Sie verletzt ihn lebensgefährlich.

Wolfgang Schäuble

Wolfgang Schäuble (CDU): Ein geistig verwirrter Mann schießt bei einer Wahlkampfveranstaltung im badischen Oppenau im Oktober 1990 auf den Bundesinnenminister. Schäuble bleibt querschnittsgelähmt.

Walter Momper

Walter Momper (SPD): In Berlin schlagen Vermummte den Regierenden Bürgermeister im August 1991 mit einem Holzknüppel und sprühen ihm Reizgas ins Gesicht.

Joschka Fischer

Joschka Fischer (GRÜNE): Während einer Debatte auf einem grünen Sonderparteitag in Bielefeld wird der Außenminister im Mai 1999 mit einem Farbbeutel beworfen. Er erleidet einen Trommelfellriss.

Angelika Beer

Angelika Beer (Grüne): Ein Unbekannter greift die Parlamentarierin in Berlin im Juni 2000 mit einem Messer an und verletzt sie am Arm. Sie hatte zuvor mehrere Morddrohungen erhalten.

Hans-Christian Ströbele

Hans-Christian Ströbele (Grüne): Zwei Tage vor der Bundestagswahl im September 2002 schlägt ein Rechtsextremist dem Bundestagsabgeordneten an einem Berliner Wahlstand mit einem Schlagstock auf den Kopf.

Roger Kusch

Roger Kusch (CDU): Eine geistig verwirrte Frau verletzt den Hamburger Justizsenator bei einem Wahlkampfauftritt im Februar 2004 mit einem Messer.

Bis zur Genesung Rekers, die am Sonntag mit knapp 53 Prozent als erste Frau zur Oberbürgermeisterin der viertgrößten deutschen Stadt gewählt worden war, werden fünf Politiker die Schwerverletzte in ihrem Amt vertreten. Stadtdirektor Guido Kahlen übernehme als allgemeiner OB-Vertreter die Verwaltungsführung und sei zuständig für „alles, was eine juristische Unterschrift braucht“, sagte eine Stadtsprecherin am Montag auf Anfrage. Die vier Bürgermeister – Elfi Scho-Antwerpes (SPD), Hans-Werner Bartsch (CDU), Andreas Wolter (Grüne) und Ralf Heinen (SPD) – wechseln sich demnach ab bei Repräsentationsaufgaben und dem Ratsvorsitz.

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