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10.07.2015

06:36 Uhr

Burnout

Deutschland – völlig ausgebrannt?

VonPeter Thelen

Ärzte diagnostizieren immer öfter psychische Störungen. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Die Folge: Längere Auszeiten und früherer Renteneintritt. Eine große Herausforderung für Wirtschaft und Gesundheitssystem.

Burnout und Depressionen werden zur Volkskrankheit dpa

Depressionen

Burnout und Depressionen werden zur Volkskrankheit

BerlinDepressionen und Burnout scheinen zur neuen Modekrankheit geworden zu sein. Vor allem Rentner und ältere Arbeitslose sind betroffen. Das zeigen aktuelle Analysen des BKK Bundesverbands. Die regionalen Unterschiede sind groß. Dies wirft auch die Frage auf, ob Menschen die Krankheitsdiagnose Depression zunehmend nutzen, um vorzeitig aus der Tretmühle des Arbeitsmarktes in die Rente zu wechseln – also psychische und soziale Not bei diesem Krankheitsbild oftmals Hand in Hand gehen.

Dafür spricht, dass auch die Zahl der Frührenten wegen psychischer Erkrankungen stark zunimmt. Und ein weiterer Umstand wirft Fragen auf: Nach aktuellen epidemiologischen Studien gibt es heute nicht mehr psychische Erkrankungen als etwa 1998. Trotzdem wird die Krankheit viel häufiger von Ärzten diagnostiziert.

Die Auswertung der Daten von 4,8 Millionen Versicherten der Betriebskrankenkassen im aktuellen Gesundheitsatlas des BKK-Bundesverbands, belegen einen dramatischen Befund: Während in den 1970er-Jahren nur zwei Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage mit ärztlichem Attest auf eine psychische Erkrankung zurückgingen, sind es heute rund 15 Prozent. Die Zahlen haben sich versiebenfacht. Selbst gegenüber 2003 haben sich die Krankentage mehr als verdoppelt.

Hinzu kommt, die betroffenen Patienten fallen immer länger aus. Die Krankheitsdauer stieg in den vergangenen zehn Jahren um 25 Prozent. Im Durchschnitt dauern seelische Erkrankungen 39 Tage je Fall. Affektive Störungen, zu denen Depressionen zählen, machen einen Großteil psychischer Diagnosen aus: Die Ausfallzeit ist hierbei im Schnitt sogar 58 Tage je Fall.

Die Entwicklung bedeutet eine gigantische Herausforderung für das Gesundheitssystem. Gerade erst wurde mit dem Versorgungsstärkungsgesetz, das am kommenden Freitag wahrscheinlich vom Bundesrat verabschiedet wird, die Bedarfsplanung für Psychotherapeuten neu justiert, um den wachsenden Behandlungsbedarf wenigstens teilweise zu decken.

Symptome einer Depression

Müdigkeit

Deutliche Geschlechtsunterschiede finden sich bei der sogenannten unipolaren Depression, von der Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Diese Form ist gekennzeichnet durch Symptome wie verminderten Antrieb oder gesteigerte Müdigkeit, ...

Depressive Stimmung

... depressive Stimmung in einem ungewöhnlichen Ausmaß, die fast jeden Tag mindestens über zwei Wochen hinweg auftritt, ...

Keinerlei Freude

...Verlust an Interessen, keinerlei Freude mehr an Tätigkeiten, die einem früher mal Spaß und Befriedigung gebracht haben, ...

Selbstvertrauen

...Verlust des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls sowie Selbstvorwürfe und Selbstzweifel,...

Konzentration

...Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Appetitverlust oder gesteigerter Appetit.

(Quelle: Ursula Nuber, "Wer bin ich ohne dich?", Campus-Verlag)

Schon heute klagen Patienten über monatelange Wartezeiten, bis sie einen Behandlungstermin erhalten. Noch schwieriger ist es oft einen freien Platz in einer psychiatrischen Klinik oder einem auf psychische Störungen spezialisiertem Rehabilitationszentrum zu erhalten. Es entstehen aber auch Kosten bei den Unternehmen, die zunehmend durch Burnout-Erkrankungen der Mitarbeiter verursacht werden.

„Gründe genug, den Ursachen etwas stärker auf den Grund zu gehen“, so Franz Knieps, Chef des BKK-Bundesverbandes. Knieps hat Frank Jacobi von der psychologischen Hochschule Berlin gebeten, die Ergebnisse aus der Auswertung der Routine-Behandlungsdaten der Betriebskrankenkassen mit den Forschungsergebnissen der Wissenschaft abzugleichen, die sich auf die systematische Befragung von repräsentativ ausgewählten Stichproben der Bevölkerung stützen.

Kommentare (4)

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Walter Traustein

10.07.2015, 10:45 Uhr

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Walter Traustein

10.07.2015, 10:56 Uhr

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Herr Rainer Winters

10.07.2015, 16:30 Uhr

Dazu sage ich nur: "201 gute Gründe in Deutschland keine Kinder zu bekommen" - siehe http://analogo.de/2014/10/17/1248/

Punkte 1, 2, 9, 11, 56, 66, 72, 75, 87, 89, 145, 158-164, 167 und 168

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