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27.04.2012

16:42 Uhr

Business-Monitor

Manager akzeptieren Piraten

VonJohannes C. Bockenheimer, Barbara Gillmann, Dorit Marschall

Spitzenmanager nehmen die junge Partei ernst und wollen sich mit den Ideen der Piraten frühzeitig auseinandersetzen. Der Handelsblatt Business-Monitor ergab, dass Manager sich keineswegs von den Piraten abwenden.

Die Piraten wählen auf dem Bundesparteitag eine neue Spitze. dpa

Die Piraten wählen auf dem Bundesparteitag eine neue Spitze.

Berlin, FrankfurtWährend die etablierte Konkurrenz Abwehrstrategien ersinnt, kommt aus der Wirtschaft Rückenwind für die Piraten, die auf einem Bundesparteitag am Wochenende eine neue Spitze wählen. Fast jeder zweite Spitzenmanager plädiert dafür, die Neuen ernst zu nehmen. Auch Unternehmen sollen sich, anders als einst bei den Grünen, frühzeitig mit ihren Ideen auseinandersetzen. Das zeigt der Handelsblatt Business-Monitor, für den das Marktforschungsunternehmen Forsa im Auftrag dieser Zeitung 621 Top-Manager befragt hat.

Die Partei bleibe zwar viele Antworten schuldig, „aber offenbar ist das vielen lieber als vorschnelle, ideologiegeprägte Floskeln“, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner dem Handelsblatt. Für eine Bekämpfung der Piraten ist jedenfalls fast kein Manager. Im Gegenteil: Zwei Drittel meinen, die anderen Parteien sollten sie wie eine normale Partei behandeln und auch Koalitionen nicht ausschließen.

Mehr als ein Drittel der Führungskräfte finden es sogar „gut“, dass es die Piraten in Berlin und dem Saarland in den Landtag geschafft haben und womöglich 2013 in den Bundestag einziehen. Eine „erstaunlich hohe Akzeptanz“, findet Güllner. Das liege daran, dass sich auch Unternehmer politisch weitgehend heimatlos fühlten, meint der Forsa-Chef. Die Enttäuschung über die traditionellen Parteien sei groß.

Die Manager werden daher vermutlich den Parteitag am Wochenende in Neumünster interessiert verfolgen, zu dem mehr als 2000 Piraten erwartet werden. Sie wollen einen neuen Bundesvorstand wählen – und eventuell auch dessen Bezahlung beschließen. Während die Partei insgesamt links der Mitte verortet wird, sind ihre Anführer eher rechts davon angesiedelt: Parteichef Sebastian Nerz, der wieder antritt, war bis 2004 CDU-Mitglied, schaffte es aber nicht in den Tübinger Gemeinderat. Er gilt manchem Piraten als Karrierist, dem es gleich sei, für welche Partei er antrete. Zudem lege der 28-jährige Informatiker zu wenig Gewicht auf die Kernthemen wie Datenschutz und Urheberrecht und habe damit zu wenig „Stallgeruch“, sagte ein Kritiker. Nerz selbst sagt, er vertrete eine eher „konservativ-liberalere Ausrichtung“ und lege besonderen Wert auf Grundrechte.

Sein aussichtsreichster Konkurrent ist sein derzeitiger Vize Bernd Schlömer – im Hauptberuf Ministerialdirektor im Haus von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). Der liberale 41-Jährige verlor seine politische Heimat, als die FDP 1998 den Großen Lauschangriff durchwinkte – wiedergefunden hat er sie erst bei den Piraten.

„Wir sind eine klassisch liberale Partei“, sagt Schlömer. Der Staat habe sich nicht ins Privatleben der Bürger einzumischen, eine „gute Portion“ Staatsskepsis gehöre einfach dazu. Die Staatsferne endet jedoch bei der Sozialpolitik: Die zweite Säule, auf die er seine Partei stützen will, sei das Streben nach Leben und Handeln in sozialer Verantwortung. Jeder solle in dieser Gesellschaft ein Leben in sicherer Existenz führen können. „Dafür braucht es in manchen Fällen eben auch einen starken Staat“, ist Schlömer überzeugt.

Im Unterschied zu anderen Parteien ist der Bundesvorstand der Piraten allerdings weitgehend auf Verwaltungsaufgaben beschränkt und bei Stellungnahmen an Parteitagsbeschlüsse gebunden. Welche weiteren Themen auf die Tagesordnung des Mega-Basistreffens in Neumünster kommen, entscheiden die Piraten per Online-Umfrage vor Ort.


Kommentare (7)

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Holzauge

27.04.2012, 18:30 Uhr

Die Politik als Dienstleister der Gesellschaft

Die Systematik der Piraten, die Art und weise wie die Bedürfnisse der Gesellschaft erfasst und politisch umgesetzt werden, unterscheidet sie von den anderen Parteien.

Es ist wie wenn man Marktwirtschaft mit Sozialismus vergleicht.

Durch direkte Demokratie, dem freien Wettbewerb der Ideen und dezentralen Machtstrukturen entsteht zwangsläufig eine Programmatik für die Mitte der Gesellschaft.

Das Macht die Piraten zu schlichtweg DER Volkspartei.

Piraten, spürt die MACHT, sie ist auf eurer Seite.

kleinefee

27.04.2012, 18:44 Uhr

Wer mit der Enteignung der Künstler und der Verweigerung der Menschenrechte für Urheber startet und ins Feld zieht ...
Wenn das DIE Volkspartei werden sollte, muss man als Künstler der Land verlassen oder die von den Allgemeinen Menschenrechten eingeräumten umfassenden Möglichkeiten des Widerstands nutzen.

Und liebes Holzauge, wenn Du jetzt noch bitte antwortest, es gäbe ja kein geistiges Eigentum ...

Holzauge

27.04.2012, 19:01 Uhr

Was die beabsichtigte Reform des Patent und Urheberrechts angeht warten Sie doch bitte konkrete Entwürfe ab und kritisieren diese dann soweit es aus ihrer Sicht angebracht ist.

Es gibt sehr viele Menschen die z.B. ACTA als totalitäres Überwachungswerkzeug durch die Hintertür ablehnen.

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