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15.04.2012

15:21 Uhr

Bußgelder für Kampfradler

"Es geht nur über das Portemonnaie"

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert einen Maßnahmenkatalog gegen „Kampfradler“. Der GdP-Vorsitzende Bernhard Witthaut erläutert, woran gedacht ist.

Seit Jahren steigt die Zahl der Fahrradfahrer in Deutschland. dpa

Seit Jahren steigt die Zahl der Fahrradfahrer in Deutschland.

Herr Witthaut, in Berlin sieht man tatsächlich täglich Radler, für die Rot an der Ampel nicht gilt. Ist das von Minister Ramsauer aufgeworfene Problem nicht ein Großstadtphänomen?

Nein, das ist natürlich nicht nur in Berlin ein Problem, dass sich Radfahrer nicht an Regeln halten. Das ist kein Großstadtphänomen, sondern das gibt es überall, in der Stadt wie auf dem Land. Gerade dort kann der Radfahrer davon ausgehen, dass er kaum kontrolliert wird, weil kaum Polizei da ist.

Kommt ein Fehlverhalten denn in einer Bevölkerungsgruppe besonders häufig vor?

Es gibt im Grunde genommen keine Verhaltensweise, die man einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zuordnen kann. Vom Anzugträger bis zum Kind fahren alle mal bei Rot über die Ampel. Viele Radfahrer denken sich, ich kann ja in die Kreuzung hineinschauen, warum soll ich dann halten.

Es ist in den letzten Jahren eindeutig eine Tendenz zu erkennen, sich nicht mehr an die entsprechenden Regeln zu halten. Man kann mittlerweile von einer Verrohung reden. Das Problem ist, dass die Polizei nicht an jeder Ampel einen Beamten hinstellen kann.

Bußgelder für Radfahrer

Die „Höchststrafe“ fällt an, wenn…

… ein Bahnübergang trotz geschlossener Schranke überquert wird. 350 Euro Bußgeld sind das Resultat.

Wird eine rote Ampel überfahren …

… und kommt es dadurch zum Unfall, sind 180 Euro zu zahlen. Ist die Ampel länger als eine Sekunde rot, gibt es immer obendrauf noch einen Punkt in Flensburg.

Das Telefonieren …

… auf dem Fahrrad kostet 25 Euro.

Die Nichtbenutzung eines vorhandenen, ausgeschilderten Radwegs …

… und das Fahren gegen die Einbahnstraße schlagen mit jeweils 15 Euro zu Buche.

Die Missachtung des Zebrastreifens …

… kostet 40 Euro.

Freihändig fahren…

… ist günstig zu haben und kostet fünf Euro.

Aber die bundesweiten Statistiken geben es nicht unbedingt her, dass das Problem sich so verschärft hat, zumindest was Radfahrer als Geschädigte bei Unfällen betrifft, oder?

Wir stellen jeden Tag auf den Straßen fest, wie sich die Situation verändert und das ist doch das Entscheidende. Seit Jahren steigt die Zahl der Fahrradfahrer und in Zukunft bekommen wir es noch mit einer ganz neuen Herausforderung zu tun, den E-Bikes. Mit denen kann man dann 40, 50 km/h fahren, gerade in der Stadt ist man damit ja oft schneller als mit dem Auto.

Liegt ein Grund für teils gefährliches Fahrverhalten nicht auch darin, dass oft eine Rad-Infrastruktur mit eigenen Spuren fehlt?

Es kommt natürlich hinzu, dass die Infrastruktur für Fahrradfahrer in den Städten sehr unterschiedlich ist. Da gibt es Fahrradwege, die verlaufen irgendwo im Nirwana.

Aber es gibt auch das Gegenteil, nehmen Sie eine Fahrradstadt wie Münster. Dort hat im Grunde genommen jeder Fahrradfahrer für sich die Vorfahrt gepachtet. Das erhöht das Unfallrisiko. Unsere Rechtsprechung ist so, dass jeder Autofahrer, der in einen Unfall mit einem Fahrradfahrer verwickelt wird, in irgendeiner Form eine Mitschuld bekommt.

Kommentare (16)

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15.04.2012, 15:49 Uhr

Die Autofahrer sind ja inzwischen genug geschröpft worden bzw. werden immer noch ordentlich zur Kasse gebeten durch die hohen Benzinpreise. Momentan ist dort ja nicht mehr viel Spielraum. Aber die Rettung naht ! Jetzt scheint es so, als hätten einige Kreative eine neue Lücke entdeckt; die Fahrradfahrer. Da gibt es viel Spielraum und OH SCHRECK, jetzt gibt es immer mehr E-Bikes. FR-Steuer gibt es NOCH nicht; Helmpflicht auch NOCH nicht aber man wird schon Gründe finden und Gesetze erlassen, damit auch das in absehbarer Zeit machbar wird. Jetzt muss nur noch erst entsprechene Vorarbeit geleistet werden.

Schlesier

15.04.2012, 15:49 Uhr

Es geht nur über das Portemonnaie

Ist klar , da die Autofahrer wegen den Spritpreisen jetzt immer öfters Fahrrad, Bus und Bahn fahren ,muß jetzt eine neue Einnahmequelle her.

SabineM

15.04.2012, 16:08 Uhr

Bei unserem Polizeistaat könnte ich nur noch kotzen! Immer mehr Überwachung, immer mehr Abzocke, immer mehr Strafen. Warum fährt die Polizei nicht mehr Rad?

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