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03.02.2015

13:13 Uhr

Cannabis als Medizin

Gerda Hasselfeldt sagt Ja zu Cannabis

Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, kann sich nun doch vorstellen, Cannabis-Produkte für Schmerzpatienten leichter zugänglich zu machen. Noch in diesem Jahr soll es ein Gesetz geben.

Jetzt auch in Alaska frei verkäuflich. dpa

Cannabis

Jetzt auch in Alaska frei verkäuflich.

BerlinDie Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, hat ihr Nein zum Cannabis-Konsum für Schwerkranke revidiert. Grundsätzlich sei sie für das Verbot der Cannabis- Einnahme – zur Behandlung von Schmerzpatienten sei dies aber doch überlegenswert, sagte Hasselfeldt am Dienstag in Berlin.

Sie hatte sich zuvor strikt dagegen ausgesprochen. Nun sagte sie, in manchen Fällen sei die Droge geeignet, die Lage der Betroffenen zu verbessern.

Sie habe ihre Meinung geändert. Ob Cannabis für Schwerkranke zur Kassenleistung gemacht werden sollte – wie es die Drogenbeauftragte der Regierung, Marlene Mortler (CSU), vorschlägt –, müssten zunächst die Fachgremien bewerten, sagte Hasselfeldt.

Cannabis als Medizin

Überblick

Die medizinischen Anwendungsgebiete von Cannabis sind unterschiedlich erforscht. In den vergangenen Jahren haben sich Ärzte und Chemiker vor allem auf Nervenerkrankungen und den Effekt der Schmerzlinderung konzentriert. Besonders viele Informationen hat man bereits über die Wirkung bei Übelkeit, Erbrechen oder Abmagerung durch HIV/Aids, bei chronischen Krankheiten sowie Spastiken. Klinische Studien zur Untersuchung des therapeutischen Potenzials wurden laut der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente (IACM) oft durch positive Erfahrungen von Patienten mit der illegalen Anwendung natürlicher Cannabisprodukte angeregt. Dies gilt unter anderem für brechreizhemmende, appetitsteigernde Wirkungen und für die therapeutische Verwendung beim Tourette-Syndrom.

Übelkeit

Eine bekannte Nebenwirkungen der Chemotherapie bei Krebserkrankungen ist die Übelkeit. Der in Cannabis enthaltene Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) ist hier so wie bei Erbrechen relativ hoch zu dosieren, weshalb negative Nebeneffekte, wie psychische Unruhen häufig auftreten. Einige Untersuchungen haben aber gezeigt, dass THC in niedriger Dosierung wiederum die Wirksamkeit anderer brechreizhemmender Medikamente verbessert, wenn es zusammen mit diesen gegeben wird. Cannabisprodukte werden manchmal auch bei anderen Formen von Übelkeit eingesetzt. Einsatzgebiete sind hier Aids und Hepatitis, aber auch Schwangerschaftserbrechen.

Appetitmangel

Cannabis soll bereits bei einer Tagesdosis von fünf Milligramm THC appetitanregend sein. In einer Langzeitstudie mit 94 Aids-Patienten blieb der appetitanregende Effekt von THC im Vergleich mit der Appetitsteigerung in einer sechswöchigen Studie erhalten; Vergleich zu Placebo führte THC zu einer Verdopplung des Appetits. Zudem sollen auch Krebspatienten und chronisch Lungenkranke durch die Substanz mehr essen wollen als vor dem Komsum.

Spastik

In vielen Studien mit THC, Nabilon und Cannabis sei laut IACM eine Beeinflussung der spinalen Spastik im Bereich der der multiplen Sklerose und bei Querschnittserkrankungen beobachtet worden sein. Andere Studienergebnisse wiesen zudem eine verbesserte Kontrolle der Blasenfunktion nach.

Tourette-Syndrom

Über eine Behandlung mit Cannabis beim Tourette-Syndrom gibt es sehr viele positive Berichte. Die meisten Patienten erleben eine geringe Besserung, einige eine bemerkenswert gute bis zur völligen Symptomkontrolle. Bei einigen MS-Patienten wurden nach THC-Verabreichung antiataktische Wirkungen und eine Verringerung des Zitterns beobachtet. Trotz gelegentlicher positiver Berichte fanden sich keine objektivierbaren Erfolge beim Morbus Parkinson und bei der neuro-degenerativen Krankheit Chorea Huntington.

Schmerzen

Ein verbreitetes Anwendungsgebiet ist das der Schmerzlinderung. Denn viele klinische Studien haben schmerzlindernde Eigenschaften von Cannabisprodukten nachgewiesen. Zu den Indikationen zählen neuropathische Schmerzen bei multipler Sklerose sowie bei rheumatoider Arthritis. Zudem soll es helfen bei Krebsschmerzen, Kopfschmerzen, Menstruationsschmerzen, chronische Darmentzündungen und Neuralgien.

Juckreiz

Einigen Studien zufolge lindern Cannabinoide innerlich oder auch äußerlich in Salben den Juckreiz unterschiedlicher Ursachen, beispielsweise Juckreiz als Folge von Lebererkrankungen.

Epilepsie

In tierexperimentellen Studien seien laut IACM antiepileptische Effekte einiger Cannabinoide nachgewiesen worden. Die antiepileptischen Wirkungen von Phenytoin und Diazepam wurden durch THC verstärkt. Der Einsatz bei der Epilepsie zählt historisch sogar zu den ältesten überlieferten Indikationen. Nach wenigen Fallberichten aus dem 20. Jahrhundert ist Cannabis auch heute für einige Patienten mit generalisierter Epilepsie ein Mittel, um eine nicht kontrollierbare Anfallserkrankung zu kontrollieren.

Asthma

Die Wirkungen eines Joints mit nur zwei Prozent THC entsprechen etwa der klinischen Dosis bekannter bronchienerweiternder Medikamente, wie Salbutamol, Isoprenalin. Wegen der schleimhautschädigenden Wirkungen sollte die orale Verwendung von Cannabisprodukten bevorzugt werden.; in einzelnen Fällen wurde nach inhalativer Einnahme eine Bronchienverengung beobachtet.

Alkoholsucht

Marihuana und Haschisch gelten in Szenekreisen auch als Ausstiegsdroge. Und zwar sollen Entzugssymptome bei Alkohol- oder Opiatabhängigkeit durch den Konsum von Cannabis gelindert werden und dem Patienten die Entwöhnung so erleichtern. Dabei spielt vermutlich sowohl die Verminderung körperlicher Symptome als auch die Reduzierung von Entzugsbedingten Stress-Gefühlen eine Rolle.

Chronisch kranke Schmerzpatienten, die Cannabis zur Linderung brauchen, können aufgrund der geltenden Gesetzeslage ins Visier von Ermittlern geraten.

Die Cannabis-Präparate in den Apotheken sind teuer. Die Kosten werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. In Deutschland ist der Anbau und Besitz von Hanf illegal. Mortler sagte der „Welt“: „Mein Ziel ist, dass in Zukunft mehr Menschen als bisher Cannabis als Medizin bekommen können.“

Noch 2015 solle ein Gesetz dazu vorgelegt werden.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Woifi Fischer

03.02.2015, 14:23 Uhr

Gerda Hasselfeldt sagt Ja zu Cannabis! Benutz Frau Hasselfeldt Cannabis? Oder was steckt hinter dieser geänderten Haltung zu Cannabis? Hat sie die wenigen Untersuchungen zu Cannabis überhaupt gelesen und verstanden? Da ist zu lesen, keine Gehirnschäden - aber beeinträchtigte Lern- und Gedächtnisleistungen!!! weiter steht da, Gehirne von Kindern und Jugendlichen sind verletzlicher, als von erwachsenen. Will sie die deutsche Jugend mit diesem Vorstoß, verdummen und verblöden? Oder was soll dieses dumme Geschwätz von dieser überkandidelten Volksvertreterin? Würde sie ihren Enkeln, Cannabis anbieten??? Sie fällt in den letzten Monaten, nur noch mit wirrem Mist auf. Horst, schicke sie auf alten teil.

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