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25.11.2011

18:05 Uhr

Castor-Transport

Protest mit Baumhaus, Feuerwerk und Farbe

Auf seiner letzten Fahrt aus Frankreich hat der Castor-Transport das Saarland erreicht. Begleitet wurde die Fahrt von Demonstranten. Im Wendland werden weitere Proteste erwartet.

Deutschlands derzeit prominentester Zug in Neunkirchen bei Saarbrücken. Reuters

Deutschlands derzeit prominentester Zug in Neunkirchen bei Saarbrücken.

NeunkirchenBegleitet von Protesten hat der letzte Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll aus Frankreich am Freitag Deutschland erreicht. Nach einem rund fünfstündigen Zwischenstopp im saarländischen Neunkirchen setzte der Zug mit den elf Castor-Behältern dann am Nachmittag seine Fahrt im Richtung Zwischenlager Gorleben fort. Im Wendland formierte sich derweil der Widerstand gegen der Atomkraftgegner.

Es ist das zwölfte und letzte Mal, dass aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague hochradioaktiver Atommüll zurück nach Deutschland gebracht wird. Die nächsten Transporte von hochradioaktiven Abfällen sind ab 2014 aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield geplant. Der Zwischenhalt in Neunkirchen war nach Angaben der Bundespolizei notwendig, um die französischen Loks gegen deutsche auszutauschen. Am Bahnhof Neunkirchen protestierten nach Angaben einer Sprecherin der Linken etwa fünfzig Menschen gegen den Transport.

Im Wendland bereiten sich derweil die Atomkraftgegner auf die Ankunft des Castor-Zuges am Wochenende vor. Kletterer der Umweltschutzorganisation Robin Wood hätten inzwischen ein Baumhaus an der Bahnstrecke bezogen, teilten die Castor-Gegner mit. Auch kam es in der Nähe von Dumstorf und Grünhagen demnach zum sogenannten Schottern, also dem Entfernen von Steinen aus dem Gleisbett. Schottern ist strafbar. Bei Haßloch betraten nach Angaben der Castor-Gegner 150 Demonstranten die Gleise der Transportstrecke. Wie die Polizei mitteilte, zündeten Castor-Gegner zwei Polizeifahrzeuge an.

Im Dorf Metzingen kam es am Donnerstagabend an der Bundesstraße B216 zu einem massiven Polizeieinsatz, als wegen der Demonstration von über 1500 Menschen dort der Verkehr zum Erliegen kam. Dabei setzte die Polizei auch einen Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) kritisierte das Vorgehen der Polizei scharf. „Polizeigewalt ist kein legitimes Mittel, um Bürgerproteste gegen die illegale Strahlenfracht ins Wendland zu unterdrücken“, erklärte die BI-Vorsitzende Kerstin Rudek.

Ein Polizeisprecher in Lüneburg bestätigte den Einsatz von Pfefferspray gegen die Demonstranten. Gleichzeitig berichtete er von gewalttätigen Attacken der Demonstranten. Diese seien teilweise mit „Pyrotechnik und Farbbeuteln“ sowie mit Steinen und Reizgas gegen Polizisten vorgegangen. Zehn Beamte wurden demnach verletzt.

Nach dem ZDF-Politbarometer sehen die Deutschen die Anti-Castor-Demonstrationen mit gemischten Gefühlen. Grundsätzlich finden 60 Prozent die Proteste richtig und nur 37 Prozent finden sie falsch. Dass bei den Protesten aber auch Straßen und Gleise blockiert werden, lehnen 69 Prozent ab. Nur 27 Prozent unterstützen eine solche Art des Protests.

Castor rollt durch Deutschland

Video: Castor rollt durch Deutschland

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Von

afp

Kommentare (3)

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Dieter

25.11.2011, 19:25 Uhr

Trotz Ausstiegsbeschluss finden sich die AKW-Gegner wieder zusammen, um gegen den Castor-Transport zu protestieren, obwohl das Ziel erreicht ist. Warum noch demonstrieren, wenn die Schlacht eigentlich schon gewonnen ist? Deutschland hat eine Energierevolution hingelegt, die selbst den Politikern in der Koalition den Atem raubte. Doch wie sieht es in den Nachbarländern aus. Wenn das Vorhaben gelingen sollte, leben wir auf einer atomfreien Insel, die von Staaten umgeben ist, die alle auf Atomkraft setzen. Dennoch regt sich auch in Frankreich zurzeit heftiger Widerstand, der in der Härte an AKW Demonstrationen in Deutschland erinnert. Nachhaltig wird nun die Politik daran erinnert, dass das Erreichte erhalten bleiben muss und der Ausstieg unumkehrbar ist

SteuerKlasseEins

25.11.2011, 20:07 Uhr

Der Ausstieg ist genauso "unumkehrbar" wie der deutsche Sozialstaat mit Rekord-Steuerlast. Alles geht immer in ein und dieselbe Richtung, nämlich hin zum Sozialismus und Kommunismus, ganz egal wen man wählt. Schäuble, Merkel und FDP sollen für Marktwirtschaft stehen? Das ich nicht lache!!

Das einzige was das ändern wird, ist ein Generationswechsel: die satte, wohlhabende Generation, die in den sechzigern, siebzigern und achzigern ihr Vermögen gemacht haben, während der Umweltschutz und Anti-Atom Irrsinn noch im Aufbau war, werden langsam aber sicher aussterben, und es wird nur noch die neue Generation da sein, die von Anfang an nie eine Chance hatte irgendwelchen Wohlstand aufzubauen. Wie soll man Wohlstand aufbauen wenn der Staat 60% des Gehalts für "Bedürftige" abzieht, dann 80% Steuern in den Benzinpreis beimischt, dann mit dem EEG-Unsinn die Strompreise verdoppelt hat und bald vervierfachen wird? Die Anwort ist ganz einfach: es geht nicht, man hat keine Chance mehr. Sozialismus hat immer in den Ruin geführt, aber wir marschieren auf direktem Wege dorthin. Daß die Atomkraftwerke, die im Privatbesitz sind und weitgehend ohne Subventionen errichtet und erfolgreich betrieben wurden, in unserem Sozialstaat unerwünscht sind und per Diktat abgeschaltet werden, ist nur ein Zeichen unserer Zeit. All dieser Irrsinn wird sich rächen, das ist sicher.

Account gelöscht!

25.11.2011, 22:55 Uhr

@Dieter
Die Schlacht ist bereits gewonnen. Sind Sie da so sicher. Ich habe jedenfalls diese kleine Meldung auf der Seite des BDEW gefunden: Anders als in mehreren Presseberichten veröffentlicht stiegen die physikalischen Stromflüsse aus Tschechien im Zeitraum Januar bis Juni 2011 nicht um 673 Prozent, sondern lediglich um 15,7 Prozent.
Soso, ein technischer Fehler bei der Datenübertragung!? Diese Meldungen wurden allerdings in der Presse massenhaft verbreitet, u.a. auf Focus und sind im Netz zu lesen, ohne dass eine Korrektur erfolgt ist. Das spricht nicht für eine unabhängige Presse.
@steuerklasse1 Was für' gedankliches Chaos. Naja, so ganz alleine u. ohne Kinder.

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