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01.03.2011

16:30 Uhr

CDU-Basis

„Er kommt zurück - bestimmt“

VonChristina Otten

Nach dem Rücktritt von Guttenberg fehlt der CDU ein Zugpferd in den Landtagswahlkämpfen. Doch dort, wo er heute Stimmung machen sollte, zeigt man sich erstaunlich emotionslos. Die Basis glaubt sowieso an ein Comeback.

Leere Stuhlreihen bei der CDU-Wahlkampfveranstaltung in Bernburg. Quelle: dpa

Leere Stuhlreihen bei der CDU-Wahlkampfveranstaltung in Bernburg.

BernburgOb er doch noch kommt? Die grauhaarige Dame mit der Jutetasche in der Hand blickt erwartungsvoll die Auffahrt hinunter. Hier, vor dem historischen Kurhaus in Bernburg an der Saale soll er eigentlich einfahren. Eigentlich.

Zwei Stunden zuvor hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Rücktritt erklärt. Ausgerechnet heute. Schon einmal hatte der CSU-Star einen mit Spannung erwarteten Auftritt in Sachsen-Anhalt abgesagt. Das war vor rund zwei Wochen, als er nach seinem Afghanistan-Besuch ins Berliner Kanzleramt zitiert wurde - zur Krisensitzung in der aufkommenden Plagiatsaffäre. Die 600 Wahlkämpfer und CDU-Anhänger in Barleben ließ der Freiherr damals sitzen. Das gleiche wiederholt sich nun in Bernburg. „Zwei Mal Pech gehabt“, entrinnt es dem CDU-Kreisvorsitzenden mit resignierendem Unterton. Und nun?

Die Wende in der Guttenberg-Affäre ist eine Katastrophe für die Union und ihre Wahlkämpfer in den Ländern. In der Strahlkraft zu Guttenbergs sollten sie sich sonnen. Jetzt ist es der Schatten seines Rücktritts, der auf sie fällt. Die Wahlkampfstrategie, mit dem beliebten Freiherrn die „Hallen zu füllen" (Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus), ist dahin. Dabei hätte er nur ein bisschen länger aushalten müssen – bis nach den Wahlen Ende März. Es wäre zu schön gewesen.

Statt eines umjubelten Auftritts des Wählermagneten gilt es nun die Scherben aufzukehren. Hausherr Jürgen Weigelt, CDU-Landtagsabgeordneter und Kandidat des Wahlkreises, tritt in Bernburg ans Rednerpult. „Meine Damen und Herren, wie Sie sicher schon gehört haben, ist Herr zu Guttenburg, äh, Guttenberg, heute zurückgetreten und wird nicht als Gast auftreten.“ Stille im Publikum. Die Stuhlreihen vor der Theaterbühne im Kurhaus sind zu einem Drittel leer geblieben. Rund 300 Menschen sind gekommen. Erwartet wurden 500. Es sind überwiegend Rentner, keine euphorischen Guttenberg-Fans, die ihrem Unmut über die Vorgänge in Berlin freien Lauf lassen. Keine Dramen, kein Tränen, wie es der Abschied eines Superstars hätte vermuten lassen können.

Weigelt versucht es noch einmal: „Dass es in Deutschland heute einen Doktor weniger gibt, ist richtig und gut. Aber dass es einen guten Verteidigungsminister nicht mehr gibt, das ist falsch.“ Jetzt kommt der Applaus – ein bisschen.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

01.03.2011, 17:53 Uhr

Am zweiten Tag des bekannt werdens der Dinge habe ich es euch prophezeit.
Seine Proffs und die Studenten werden ihn letztendlich fällen.

Schön finde ich, daß er in der CDU/CSU ordentlich aufgeräumt hat. Noch schöner wäre es gewesen, wenn er sich weitere 2 Wochen Zeit gelassen hätte mit dem Rücktritt. Ich würde mich aber freuen, wenn er wieder kommt.

gerhard

01.03.2011, 18:50 Uhr

"Jetzt bleibt doch nur der Plan „K“. Guttenbergs Mission, also den Berliner Glanz in die Provinz bringen, muss jetzt wohl die Kanzlerin erfüllen. ", heißt es hier.

Aber woher soll ihr Glanz kommen ? zuGuttenberg hat das einzige richtig gemacht - aufgeben nach dem Desaster mit seinem "Doktorhut". Aber Fr. Merkel hat es scheinbar nicht begriffen, in welche hoffnungslose Lage sich zuGuttenberg selbst hinein laviert hatte?

Aber wie heißt ein amerikanisches Sprichwort für ehemalige Schwergewichtsweltmeister: "They -never come back."

"Jürgen Weigelts Vision . „Wir haben nicht viele seiner Klasse. Er kommt zurück - bestimmt.“ bleibt also ein unerfüllbare Hoffnung.

Account gelöscht!

01.03.2011, 19:34 Uhr

Und was die Medien an geht,
sie waren der Treibsatz für seinen Untergang. Sie haben nicht nur alles offen gelegt, nein, sie sind noch viel weiter gegangen. Sie haben ihm die Gelegenheit gegeben, sein Charakter in vollen Zügen ausleben zu dürfen. Und er hat sich nichts erspart.

Noch immer haben viele nicht begriffen, zu was das Internet im Stande ist. Jemand der nicht weitsichtig genug ist zu erkennen, was sein tun letztendlich bewirkt. Hat auch nicht die Befehigung solche Ämter zu begleiten.

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