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26.06.2015

16:50 Uhr

CDU-Jubiläum

Bitte keine virtuelle Volkspartei

VonDaniel Delhaes

Die CDU feiert heute ihren 70. Geburtstag. Große CDU-Politiker legten den Grundstein für eine Bindung an den Westen und für die deutsche Einheit. Und doch steht die Partei heute vor großen Herausforderungen.

Fünf Jahre nach ihrer Gründung hielt die CDU in Goslar den ersten Bundesparteitag ab. Zur Eröffnung sprach Bundeskanzler Konrad Adenauer über „Deutschlands Stellung und Aufgabe in der Welt“. dpa

70 Jahre CDU

Fünf Jahre nach ihrer Gründung hielt die CDU in Goslar den ersten Bundesparteitag ab. Zur Eröffnung sprach Bundeskanzler Konrad Adenauer über „Deutschlands Stellung und Aufgabe in der Welt“.

BerlinHerzlichen Glückwunsch, CDU! Heute vor 70 Jahren haben engagierte Deutsche in einem Gründungsaufruf dafür geworben, Deutschland gemeinsam wieder aufzubauen, ihm seine Würde wiederzugeben, auf Humanität und Rechtsstaat zu setzen und sich so klar vom Naziregime zu distanzieren. Als das Land in Trümmern lag, richteten sie den Blick nach vorne und legten ein beeindruckendes Pamphlet vor. Es zu lesen lohnt sich!

Die 35 Unterzeichner – darunter vier Frauen, Mitglieder der Zentrumspartei, Protestanten, ein Sozialdemokrat und ehemalige Anhänger der linksliberalen DDP – legten damit einen wichtigen Grundstein für die spätere Volkspartei CDU.

Sie einte Katholiken und Protestanten, regierte so lange wie keine andere Partei, setzte mit Konrad Adenauer die Westbindung durch und beförderte mit Helmut Kohl die europäische Einigung und setzte die Deutsche Einheit um.

Stärken und Schwächen von Angela Merkel

„Alternativlos“

Das ist eines der Lieblingswörter, wenn Kanzlerin Angela Merkel andere von ihrer Politik überzeugen möchte. Alternativlos ist derzeit für die CDU auch Merkels achte Wahl zur Parteichefin. Die Christdemokraten können sich momentan nicht vorstellen, wer außer der Physikerin aus der DDR die Partei führen sollte.

Ausdauer

Merkel schreibt sich selbst „kamelartige Fähigkeiten“ zu: Reserven anlegen, dosiert einsetzen. Krank ist sie selten - wenn doch, erfährt man es in der Regel nicht. Anders am Montag. Da war ihr so unwohl, dass sie eine Interview-Aufzeichnung unterbrach. Noch am Abend präsentierte sie sich wieder munter. Wer nicht zäh ist, kann Kanzleramt und Parteivorsitz nicht machen.

Geduld

Merkel kann zuhören - und abwarten. Selten reagiert sie im Affekt. So dauerte es lang, bis sie Russlands Präsident Wladimir Putin offen attackierte.

Uneitel

Anhänger wie Gegner schätzen Merkels Bodenhaftung, ihre unaufgeregte Art. Keine Skandale, keine Eskapaden, keine Diva. Oder wie Wolfgang Schäuble sagt: „Die ist nicht so Hurra-mäßig wie bei Napoleon - aber erfolgreicher.“

Ideologiefrei

Merkel zeigt sich erst einmal für alles offen und denkt nicht in den Grenzen der Unionspolitik.

Kein Redetalent

Merkel kann ein Publikum nicht mitreißen. Öffentlich formuliert sie selten scharf und pointiert.

Erklärungsdefizit

Viele Menschen sagen auch, sie wüssten nicht, was Merkels Botschaft sei. Sie erkläre ihre Politik nicht.

Keine Nachwuchsförderung

Dass Merkel so unangefochten in der CDU ist, liegt auch daran, dass sie Konkurrenten kalt gestellt hat und keine Talente gezielt fördert.

Keine Vision

Kritiker beklagen, dass Merkel keine eigenen Ziele entwerfe, sondern Ideen anderer sammele und dann die Mehrheitsmeinung suche, um nicht zu unterliegen.

Nachtragend

Merkel vergisst nichts. Wer bei ihr einmal in Ungnade fällt, ist abgemeldet. Bei nächst passender Gelegenheit zieht sie Konsequenzen. Vor allem viele Männer sehen darin wieder eine Stärke. „Sie kann Rache kalt genießen“, sagt einer aus der Opposition.

Die CDU ist bundesweit inzwischen wohl die einzige Volkspartei. Regional gilt dies in Ostdeutschland für die Linke, in Bayern für die CSU. Der SPD indes fällt es schwer, sich neu und für breite Schichten zu schmücken. Sie ist gefangen in ihrer Tradition als Arbeiterpartei bei einer sich längst veränderten Gesellschaft.

Zum Erfolg und Misserfolg einer Volkspartei gehört aber auch die eigene Kultur. Von 1998 bis 2010 hatte ich selbst die Aufgabe, die SPD journalistisch zu begleiten. Was immer wieder deutlich wurde: Die Genossen lieben es, sich ideologisch bis aufs Messer zu bekämpfen, den Diskurs zum Schlachtfeld zu erklären und am Ende Feindschaften und Hass zu hinterlassen.

Raufen sie sich doch zum Regieren zusammen, dann holt sie unerbittlich der Pragmatismus im Alltag der Entscheidungen ein, was die Sozialdemokraten – zumindest im Bund – ein ums andere Mal in die Krise gestürzt hat. Davon sind die CDU-Funktionäre weit entfernt – wenn es natürlich auch in der Union zweifelsohne üble Intrigen gibt.

Die SPD, so heißt es immer gern, erlebt immer rund zehn Jahre vor der Union den Wandel. 2003 feierte die alte Tante ihr 140-jähriges Jubiläum im Berliner Tempodrom. Rund 2000 Gäste waren dort, es war die Zeit, in der Gerhard Schröder seine Agenda 2010 gegen den Widerstand in den eigenen Reihen verteidigen musste, Genossen der Partei den Rücken zudrehten und sich aufmachten, die Linkspartei zu formieren.

Die SPD kam damals schon nur noch auf 26 Prozent in den Umfragen.  Die Parteistrategen hatten sich auch an einer Strukturreform versucht, zur Netzwerkpartei sollte die SPD werden. Der Tiefpunkt folgte 2009, als die Partei auf 23 Prozent abstürzte.

Kommentare (3)

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Frau Margrit Steer

26.06.2015, 17:30 Uhr

Die CDU heute ist ein vermerkelter Haufen und völlig entkernt, wie Prof. Patzelt von der TU Leipzig mal sagte.
Sie wird der SED immer ähnliicher
Ein bürgerlicher-konservativer Wertekanon ist nicht mehr vohanden
Ein Großteil der heutigen CDU-Leute sind stramme Grüne

Herr Horst Meiller

26.06.2015, 18:43 Uhr

Die CDU ist nur noch ein Schatten früherer Tage, eine grünlinksorientierte, ihrer konservativen Werte beraubte Parteisimulation ohne "Köpfe" und ohne Charakter. Letztendlich wird diese Partei dann doch noch an der Einheit, an der "DDR" und ihrer bis heute herrschenden Ideologie scheitern und zugrundegehen. Ob sich Helmut das genau SO vorgestellt hat?

Account gelöscht!

26.06.2015, 18:55 Uhr

Das war mal die Partei Konrad Adenauers und Ludwig Erhards. Adenauers selbsternannter Enkel (was für eine Anmaßung!) hat dieser Partei dann jeglichen intellektuellen Anspruch genommen und zum Verein für Hochverräter gemacht.
Die Partei, die uns die D-Mark gegeben hat, hat sie uns auch wieder genommen. Unsere Landesgrenzen stehen für kriminelle Banden nach allen Seiten hin weit offen. Sie kommen mit leeren LKW´s rein, und fahren mit Diebesgut aus Wohnungseinbrüchen wieder raus. Niemand nimmt Notiz davon. Sowas heißt dann "Chancen der EU-Ost-Erweiterung". Danke CDU!
Merkel/Schäuble sind das Dreamteam aller Deutschland-Feinde. Sie sollen ersticken an ihrem klebrigen Geburtstagskuchen!

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