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17.10.2014

14:51 Uhr

CDU kritisiert Landesregierung

„Warhol-Bilder in NRW kaum noch zu retten“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Regierung Nordrhein-Westfalens steht wegen der geplanten Versteigerung von zwei Andy-Warhol-Werken unter Beschuss. Die Landes-CDU glaubt nicht mehr an eine Rettung der Bilder und warnt vor weiteren Verlusten.

Der Spielcasinobetreiber Westspiel will die Bilder „Triple Elvis“ von 1963 und „Four Marlons“ von 1966 in New York bei Christie's versteigern lassen und erhofft sich dafür 100 Millionen Euro. ap

Der Spielcasinobetreiber Westspiel will die Bilder „Triple Elvis“ von 1963 und „Four Marlons“ von 1966 in New York bei Christie's versteigern lassen und erhofft sich dafür 100 Millionen Euro.

BerlinDer kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, Thomas Sternberg, befürchtet, dass die geplante Versteigerung von zwei Werken des Künstlers Andy Warhol aus öffentlichem Besitz in Nordrhein-Westfalen nicht mehr verhindert werden kann. Die Bilder „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ seien bereits für die Auktion am 12.November bei Christie’s in New York fest eingeplant. „Ich gehe daher davon aus, dass die Warhol-Bilder kaum noch zu retten sind“, sagte Sternberg dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Der nordrhein-westfälische Spielcasinobetreiber Westspiel erhofft sich von der Versteigerung 100 Millionen Euro. Die Bilder waren 1977 und 1978 zur Ausstattung der Spielbank in Aachen gekauft worden, wegen ihres Wertes aber zuletzt im Depot geblieben. Westspiel ist eine Tochter der landeseigenen NRW-Bank, der Förderbank von Nordrhein-Westfalen.

Sternberg erhob schwere Vorwürfe gegen die Landesregierung. Es sei ein „hochbedenklicher Vorgang“, wenn der Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) trotz hoher Steuereinnahmen seinen Haushalt nicht in den Griff bekomme und sich dann nicht mehr anders zu helfen wisse, als landeseigene Kunstwerke zu „verhökern“. „Es ist katastrophal und zeugt von Geschichts- und Kulturvergessenheit, wenn das Land sein Tafelsilber verkauft.“ Es sei auch „eine Frage der Selbstachtung, wie man mit seinem kulturellen Erbe umgeht“, fügte der CDU-Politiker hinzu. Kunst und Kultur dürfe „keine Verfügungsmasse zur Reparatur eines Landeshaushalts sein“.

Die kulturpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Ingola Schmitz, nannte es ein starkes Stück, dass das Land Geld für defizitäre landeseigene Spielcasinos sammeln müsse. „Dazu darf aber nicht auf Kulturschätze zurückgegriffen werden, die letztendlich der Allgemeinheit gehören und zugänglich sein sollten“, sagte Schmitz. Die Warhol-Werke gehörten in ein Museum, nicht in ein Aktionshaus. „Sollten sie dennoch verkauft werden, fordere ich, dass der Erlös unmittelbar in Kunst und Kultur in Nordrhein-Westfalen zurückfließt.“

Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters schaltete sich am Donnerstag in die Diskussion ein. Grütters sagte: „Kunstwerke sind keine Spekulationsobjekte. Sie zu veräußern, um klamme Staatskassen zu sanieren, wäre schlichtweg unanständig und ein Systembruch.“ Kunst und Kultur müssten geschützt werden. „Ich appelliere daher nachdrücklich an das Land NRW, seiner Verantwortung gerecht zu werden und den Verkauf der Warhol-Kunstwerke umgehend zu stoppen.“

Die deutschen Schuldenhochburgen (Stand: August 2013)

Platz 10

Auf dem zehnten Platz befindet sich die Stadt Essen. Mit Kassenkrediten von rund 3766 Euro pro Einwohner ist die Stadt zwar hoch verschuldet, im Jahr 2007 belegte sie allerdings noch Platz 9.

Platz 9

Auch Mainz ist hoch verschuldet. Mit Kassenkrediten von rund 3857 Euro pro Einwohner belegt die Stadt den neunten Platz. Im Jahr 2007 belegte sie Platz 8.

Platz 8

Ludwigshafen belegt mit 4043 Euro Kassenkredite pro Einwohner den achten Platz. 2007 war es noch Platz 7.

Platz 7

Die Einwohner in Wuppertal haben Kassenkredite von rund 4215 Euro pro Einwohner. Damit belegt die Stadt Platz 7.

Platz 6

Der sechste Platz geht an Zweibrücken. Die Einwohner hier haben Kassenkredite von rund 4230 Euro pro Kopf. Zum Vergleich: 2007 war Zweibrücken auf Platz 12 zu finden.

Platz 5

Remscheid hat sich leicht verbessert: War die Stadt 2007 noch auf den vierten Platz zu finden, ist sie jetzt mit 4998 Euro Kassenkredite pro Einwohner „nur“ noch auf Platz 5.

Platz 4

Auch Hagen hat sich verbessert: 2007 hat die Höhe der Schulden noch für Platz 3 gereicht, mittlerweile befindet sich die Stadt mit Kassenkrediten von 5618 Euro pro Einwohner auf dem vierten Platz.

Platz 3

Der dritte Platz geht an Kaiserslautern. Mit 6040 Euro Kassenkredite pro Einwohner schafft es die Stadt damit unter die ersten drei im Ranking. 2007 lag Kaiserlautern allerdings noch auf Platz 2.

Platz 2

Pirmasens ist ein echter „Aufsteiger“: Von Platz 5 im Jahr 2007 bis zu Platz 2 im Jahre 2013. Allerdings ist es kein Aufstieg der guten Sorte. Die Kassenkredite pro Einwohner betragen 6215 Euro.

Platz 1

Oberhausen bleibt auf dem ersten Platz: Mit Kassenkrediten von 6870 Euro pro Einwohner hat sich die Stadt nicht verbessert - auch 2007 war Oberhausen Platz 1 im Ranking.

Der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann, forderte im Handelsblatt (Online-Ausgabe), Grütters müsse den Verantwortlichen in NRW auf die Finger klopfen. Wenn es Schule mache, dass öffentliche Unternehmen wertvolle Kunstwerke aus ihrem Bestand verkauften, wäre der nächste Schritt, die verschuldeten kommunalen Haushalte mittels dieser Kunstbestände zu sanieren. „Ich will mir gar nicht ausmalen, was für Konsequenzen dies hätte“, sagte Zimmermann laut Bericht.

Kommentare (2)

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Herr Ronny Michael

17.10.2014, 16:14 Uhr

Wenn das Schuldenheplagte Land NRW irgendwann einmal wieder zuviel Geld hat, kann es ja wieder in Kunst investieren, wenn der jeweiligen Regierung nichts besseres einfällt.
Und Warhal ist kein einheimischer Künstler, hier wird also nicht deutsche Geschichte verkauft!
NRW braucht Geld, um zu entschulden und um ansiedlungswilligen bessere Standortbedingungen bieten zu können, damit es endlich wieder aufholt und nach vorne kommt.
Es ist schon bedauerlich, dass die Opposition wenn sie die Chance dazu hat, egal welche Parteien es grade sind, grundsätzlich alles schlechtreden, was man schlechtreden kann,
das sorgt auch für Verunsicherung und Verdruss beim Wähler.
Hannelore Kraft scheint sich endlich der unbeweuemen und oftmals unpopulären Verantwortung für den Schuldenabbau zu stellen.
Schuldenfinanzierte Wohltaten verteilen, das würde natürlich mehr Spaß.machen wäre jedoch verantwortungslos.
Weiter so Hannelore!

Sergio Puntila

17.10.2014, 16:53 Uhr

...„Die Kunst wurde in den 1970er Jahren zu Dekorationszwecken angeschafft und nie in der Absicht, eine Sammlung anzulegen“...
____________________________

Fein aber auch, wie sich die GL von Westspiel selbst die Hosen herunterzieht in aller Öffentlichkeit.
Fehlte noch eine Nachbemerkung im Sinne von "ist das Kunst oder kann das wech?"

Schluss mit der Pietät: nun wirds vertickt und Westspiel wird abwarten müssen, ob dabei die erwarteten 100 Mios bei herauskommen werden, oder ob nicht schon die Taxe....

Krämerseelen zeichnet ihr Krämergeist aus, der Kunst erst ab 100 Millionen für irgendwie wert erachtet.

Solche Leute brauchen keine Kunst, die brauchen Kohle.

Den Arbeiten wirds nur gut tun in fachkundige Hände zu gelangen.

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