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26.08.2014

16:52 Uhr

CDU-Politiker fordert Bußgelder

Arbeitgeber sollen für Jobstress zahlen

VonDietmar Neuerer

ExklusivDauerkontakt mit dem Arbeitgeber übers Handy kann Arbeitnehmer krank machen. Der CDU-Sozialflügel fordert harte Gegenmaßnahmen, doch die Bundesregierung ist uneins darüber, ob Handlungsbedarf besteht.

Nach Einbruch der Dunkelheit sitzt ein Angestellter in seinem Büro am Schreibtisch: Der Ruf nach einem Anti-Stress-Gesetz wird lauter. dpa

Nach Einbruch der Dunkelheit sitzt ein Angestellter in seinem Büro am Schreibtisch: Der Ruf nach einem Anti-Stress-Gesetz wird lauter.

BerlinInnerhalb der Bundesregierung bahnt sich ein Streit über eine mögliche Anti-Stress-Verordnung gegen psychische Überlastung von Arbeitnehmern an. Während Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) derzeit konkrete Punkte für eine entsprechende Regelung erarbeiten lässt und im kommenden Jahr erste Ergebnisse vorlegen will, stellt sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel quer.

„Zunächst sollten die Tarifpartner darüber reden“, hatte Gabriel der „Welt am Sonntag“ gesagt. „Dort ist die Nähe zum Arbeitsalltag in den jeweiligen Branchen am größten.“ Damit stellte sich der SPD-Chef gegen Forderungen aus der eigenen Partei. So hatten die stellvertretende Bundestags-Fraktionsvorsitzende Carola Reimann und Nordrhein-Westfalens SPD-Arbeitsminister Guntram Schneider sich für ein Gesetz stark gemacht, das die Verfügbarkeit von Arbeitnehmern grundsätzlich regeln soll.

Nahles ist dafür grundsätzlich offen. Sie habe dafür gesorgt, dass die Prüfung einer Anti-Stress-Verordnung in den Koalitionsvertrag hineinkomme, sagte die Ministerin der „Rheinischen Post“. „Es gibt unbestritten einen Zusammenhang zwischen Dauererreichbarkeit und der Zunahme von psychischen Erkrankungen.“ Auch die Arbeitgeber hätten dies anerkannt, es gebe auch wissenschaftliche Erkenntnisse.

Der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, hält eine Anti-Stress-Verordnung für überfällig, die auch Sanktionen gegen Arbeitgeber ermöglicht. Tarifvertragliche Regelungen, wie sie von Gabriel vorgeschlagen wurden, seien nicht ausreichend, sagte Bäumler Handelsblatt Online.

Fakten zur Smartphone-Sucht

1

1 mal pro Stunde checken Erwachsene ihr Handy. Erst checken, dann strecken: Jeder dritte Handy-Besitzer blickt nach dem Aufwachen als Erstes aufs Display, jeder zweite sagt als letzte Amtshandlung vor dem Einschlafen seinem Handy „Gute Nacht.“

(Quelle: Anitra Eggler, „Facebook macht blöd, blind und erfolglos.“)

3417

3417 Textnachrichten erhält ein amerikanischer Teenager zwischen 13 und 17 Jahren im Monat. Das sind bei einem 16-Stunden-Tag sieben bis acht Nachrichten pro Stunde.

68 Prozent

68 Prozent aller Handy-Besitzer leiden unter eingebildetem Vibrationsalarm. Sie erleben dieses Phänomen einmal pro Woche.

4,8 Milliarden

4,8 Milliarden Menschen besitzen ein Handy, hingegen nur 4,2 Milliarden eine Zahnbürste. Tendenz steigend: Täglich werden mehr Smartphones verkauft als Babys geboren.

20 Prozent

20 Prozent greifen nach dem Sex sofort zum Handy, hingegen nur noch 10 Prozent zur Zigarette danach.

60 Prozent

60 Prozent der britischen Jugendlichen können sich ein Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen und bezeichnen sich selbst als „hochgradig abhängig“. Bei den Erwachsenen sind es nur 37 Prozent – lügen die?

1 von 10

1 von 10 Handynutzern weiß nicht, wo der Ausknopf ist.

1 von 10 greift beim Gottesdienst zum Handy.

1 von 10 nutzt sein Handy während des Sex.

2 von 10

2 von 10 schalten ihr Handy nie aus.

2 von 10 tippen beim Autofahren - das wirkt wie bei 0,8 Promille.

3 von 10

3 von 10 Teens machen per SMS Schluss.

4 von 10

4 von 10 gehen nicht ohne Handy aufs Klo.

5 von 10

5 von 10 nutzen ihr Handy im Bett.

6 von 10

6 von 10 schlafen mit dem Handy - auf dem Nachttisch.

7 von 10

7 von 10 verzichten lieber auf Alkohol als auf ihr Smartphone.

Der CDU-Politiker wies darauf hin, dass der Gesetzgeber den Schutz von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz 2013 in das Arbeitsschutzgesetz aufgenommen habe. Es fehle aber eine Ausführungsverordnung, wie dies beim Schutz vor Lärm und Vibrationen beim Arbeiten der Fall sei. „Ohne Rechtsverordnung sind Sanktionen wie Bußgelder gegen Arbeitgeber, die die Gefährdung von Arbeitnehmern durch Dauerbelastungen in Kauf nehmen, nicht möglich“, sagte Bäumler.

Kommentare (5)

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Herr Eberhard Steinweg

26.08.2014, 17:30 Uhr

Da das ja alles mit dem Handy zusammenhaengt, das offenbar nicht ausgeschltet werden kann, kann der Gesetzgeber diese Nutzung doch reglemenieren. Ausserdem ist ein Ordnungsgeld moeglich, weil die Telefonate ja dokumentiert werden. Es wird immer schoener in dieser neuen Welt.

Sergio Puntila

26.08.2014, 18:13 Uhr

"Jobstress".

Fein.

Morgen dann "Lebensstress".

Bekloppt wird man das nicht nennen, eher angepasst.

Herr Peter Spiegel

26.08.2014, 18:43 Uhr

Der Gesetzgeber muß Art,..., Inhalt und Zeit der Telefongespräche genau regeln. Wo kommt man hin, wenn
jeder labert was und wo er will.

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