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01.01.2008

11:34 Uhr

CDU-Spitzenkandidat

Ole von Beust: Kampf ums Amt

Ole von Beust gibt sich präsidial. Vom Wahlkampfstil seines hessischen Parteikollegen Roland Koch hat der Hamburger CDU-Mann sich distanziert. Stattdessen will er sich Christian Wulff zum Vorbild nehmen. Anders als dieser steht von Beust vor der Wahl allerdings mit dem Rücken zur Wand.

Ole von Beust will sein Amt verteidigen. Foto: dpa dpa

Ole von Beust will sein Amt verteidigen. Foto: dpa

HB HAMBURG. Im politischen Alltag macht der 52-jährige Jurist nicht viele Worte, überlässt es in der Bürgerschaft meist seinen Senatoren, Attacken der Opposition zu parieren. Auch bundespolitische Ereignisse bleiben von ihm in der Regel unkommentiert, obwohl er derzeit sogar Bundesratspräsident ist. Nur in den letzten Wochen machte von Beust bundesweit auf sich aufmerksam. Er gehörte zu den 17 Unionspolitikern, die in einem offenen Brief den Wahlkampf ihres Parteifreundes Roland Koch in Hessen kritisierten. Integrationspolitik sei zu wichtig, um sie zum Wahlkampfsthema verkommen zu lassen, lautete der Tenor des Schreibens.

Diese Meinung passt zu von Beust. Durch schrille Töne ist er bisher nicht aufgefallen. Vielmehr pflegt von Beust, der seit der letzten Wahl mit einer absoluten Mehrheit seiner CDU in der Hamburger Bürgerschaft regiert, einen eher auf Ausgleich bedachten Stil. Der waschechte Hamburger, der schon mit 16 in die CDU eintrat, ist sowohl in der CDU als auch bei den Bürgern sehr beliebt. Selbst politische Gegner mögen ihn, nennenswerte persönliche Attacken auf den CDU-Spitzenkandidaten sind bisher im Wahlkampf ausgeblieben.

Dabei kann der oft als "Sonnyboy" betitelte Beust durchaus ruppig werden. So feuerte er 2003 ohne große Vorrede seinen Innensenator Ronald Schill und ließ die Koalition aus CDU, Schill-Partei und FDP platzen. Er fühlte sich von Schill erpresst, der ihn quasi gezwungen hatte, sich öffentlich zu seiner Homosexualität zu bekennen. Beust hatte das Thema bis dahin als reine "Privatsache" behandelt.

Um auch in der Endphase des Bürgerschafts-Wahlkampfes all zu polarisierende Töne zu vermeiden, verzichtet von Beust auf Wahlkampfunterstützung durch seinen hessischen Noch-Kollegen Roland Koch. Der hessische Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Vorsitzende Roland Koch wird nicht im Hamburger Wahlkampf auftreten. Der niedersächsische Ministerpräsident und CDU-Vize Christian Wulff mischt dagegen eifrig mit.

"Ich halte nichts davon, das Thema Jugendkriminalität nur auf ausländische Täter und solche mit Migrationshintergrund zu beschränken", sagte Ole von Beust mehrfach während des Wahlkampfes. Er wolle nicht zuspitzen, sondern stattdessen argumentativ und gelassen sein. Ob es damit am 24. Februar zur Wiederwahl reicht? Zwar wird von Beust in Umfragen zur Person deutlich besser bewertet, als sein Herausforderer Michael Naumann, allerdings wirkt sich das nur bedingt auf die Zustimmungsraten zu seiner Partei aus.

Die Hoffnung auf eine Verteidigung seiner absoluten Mehrheit hat von Beust offenbar schon aufgegeben. Sowohl in Richtung FDP, als auch in Richtung Grüne hat der CDU-Politiker bereits seine Fühler ausgefahren. Von Beust wird nachgesagt, dass er sich sehr gut als erster Regierungschef einer schwarz-grünen Koalition auf Länderebene vorstellen könne. Sollte es für eine CDU geführte Regierung nicht mehr reichen, hat von Beust schon seinen Abtritt in den Ruhestand angekündigt.

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