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12.12.2015

14:53 Uhr

CDU-Vize Julia Klöckner

Von der Weinkönigin zur blonden Hoffnung

Was passiert mit der CDU nach der Ära Merkel? Ernsthafte Thronanwärter gab es bislang nicht – das könnte sich bald ändern: Julia Klöckner könnte mit einem Wahlsieg in Rheinland-Pfalz der neue Shootingstar werden.

Bevor Julia Klöckner durchstarten kann, muss sie erst einmal die Wahl in Rheinland-Pfalz gewinnen. dpa

Julia Klöckner

Bevor Julia Klöckner durchstarten kann, muss sie erst einmal die Wahl in Rheinland-Pfalz gewinnen.

FrankfurtNoch ist Parteivize Julia Klöckner nur CDU-Oppositionsführerin im kleinen Rheinland-Pfalz. Dennoch wird die 42-Jährige auch vor dem CDU-Bundesparteitag in der kommenden Woche mal wieder als mögliche Nachfolgerin von Bundeskanzlerin Angela Merkel gehandelt. Dabei hat die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende erstmal nur ein Ziel: Im März will sie bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl Ministerpräsidentin werden. Sollte ihr das gelingen, dürfte ihr Name bei Spekulationen über die Zeit nach Merkel noch öfter fallen.

Vor dem CDU-Bundesparteitag am Montag und Dienstag in Karlsruhe stellt sie sich aber demonstrativ immer wieder hinter die CDU-Vorsitzende und Kanzlerin. „Sie wird Unterstützung bekommen“, zeigte sie sich im Vorfeld des Parteitags überzeugt. Wegen ihres Kurses in der Flüchtlingskrise steht Merkel auch parteiintern unter Druck. Der Karlsruher Parteitag gilt als wichtiger Gradmesser dafür, wieviel Rückhalt die Parteichefin in den eigenen Reihen hat.

Stärken und Schwächen von Angela Merkel

„Alternativlos“

Das ist eines der Lieblingswörter, wenn Kanzlerin Angela Merkel andere von ihrer Politik überzeugen möchte. Alternativlos ist derzeit für die CDU auch Merkels achte Wahl zur Parteichefin. Die Christdemokraten können sich momentan nicht vorstellen, wer außer der Physikerin aus der DDR die Partei führen sollte.

Ausdauer

Merkel schreibt sich selbst „kamelartige Fähigkeiten“ zu: Reserven anlegen, dosiert einsetzen. Krank ist sie selten - wenn doch, erfährt man es in der Regel nicht. Anders am Montag. Da war ihr so unwohl, dass sie eine Interview-Aufzeichnung unterbrach. Noch am Abend präsentierte sie sich wieder munter. Wer nicht zäh ist, kann Kanzleramt und Parteivorsitz nicht machen.

Geduld

Merkel kann zuhören - und abwarten. Selten reagiert sie im Affekt. So dauerte es lang, bis sie Russlands Präsident Wladimir Putin offen attackierte.

Uneitel

Anhänger wie Gegner schätzen Merkels Bodenhaftung, ihre unaufgeregte Art. Keine Skandale, keine Eskapaden, keine Diva. Oder wie Wolfgang Schäuble sagt: „Die ist nicht so Hurra-mäßig wie bei Napoleon - aber erfolgreicher.“

Ideologiefrei

Merkel zeigt sich erst einmal für alles offen und denkt nicht in den Grenzen der Unionspolitik.

Kein Redetalent

Merkel kann ein Publikum nicht mitreißen. Öffentlich formuliert sie selten scharf und pointiert.

Erklärungsdefizit

Viele Menschen sagen auch, sie wüssten nicht, was Merkels Botschaft sei. Sie erkläre ihre Politik nicht.

Keine Nachwuchsförderung

Dass Merkel so unangefochten in der CDU ist, liegt auch daran, dass sie Konkurrenten kalt gestellt hat und keine Talente gezielt fördert.

Keine Vision

Kritiker beklagen, dass Merkel keine eigenen Ziele entwerfe, sondern Ideen anderer sammele und dann die Mehrheitsmeinung suche, um nicht zu unterliegen.

Nachtragend

Merkel vergisst nichts. Wer bei ihr einmal in Ungnade fällt, ist abgemeldet. Bei nächst passender Gelegenheit zieht sie Konsequenzen. Vor allem viele Männer sehen darin wieder eine Stärke. „Sie kann Rache kalt genießen“, sagt einer aus der Opposition.

Eine entscheidende Rolle bei den auf dem Parteitag erwarteten heftigen Debatten könnte Klöckner zukommen. Als Parteivize hat ihr Wort ohnehin Gewicht, zudem mischte sie sich immer wieder lautstark in die Debatte um die Flüchtlingskrise ein.

Passend dazu geht ihr Landesverband mit dem Vorschlag für ein Integrationspflichtgesetz in den Parteitag. Darin geht es um Pflichten des Staates, aber eben auch um Pflichten der Flüchtlinge - etwa zum Lernen der deutschen Sprache und der Anerkennung der gesellschaftlichen Ordnung in Deutschland. Gerade dem konservativen Flügel der Union dürfte das gefallen. Klöckner stützt aber auch eindeutig den Kurs der Parteispitze, im Leitantrag zur Asyl- und Flüchtlingspolitik auf die Festlegung einer Obergrenze zu verzichten.

Angela Merkel: Time-Magazine kürt Kanzlerin zur Person des Jahres

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„Kanzlerin der freien Welt“: Angela Merkels Popularität und Krisenfestigkeit hat ihr die Ehrung als „Person des Jahres“ des Magazins „Time“ eingebracht. Vor allem für ihre Rolle in der Flüchtlingskrise wird sie geehrt.

Die Flüchtlingskrise dürfte auch den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz prägen, der Anfang kommenden Jahres in seine heiße Phase tritt. Am 13. März wird gewählt - und Klöckner hat Chancen, Ministerpräsidentin in Mainz zu werden. In Umfragen lag die CDU zuletzt klar vorne. Sollte der Machtwechsel tatsächlich gelingen, wäre damit eine 25-jährige SPD-Herrschaft in Rheinland-Pfalz zu Ende.

Derzeit regiert in Mainz eine rot-grüne Koalition unter der sehr beliebten Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Allein das Duell zwischen den beiden Spitzenfrauen dürfte garantieren, dass die Wahl in Rheinland-Pfalz auch bundesweit genau beobachtet werden wird.

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