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05.09.2014

00:01 Uhr

CDU-Wirtschaftsexperte

„Ticket-Steuer bedroht Luftverkehrsstandort“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer Streit um die Luftverkehrsteuer gewinnt an Fahrt. Nachdem sich die Flug-Lobby für eine Abschaffung stark gemacht hat, gehen nun Umweltverbände in die Offensive – und werden prompt von der CDU ausgebremst.

Seit 2011 kommt bei Flügen aus Deutschland die so genannte "Ticketsteuer" zum Preis. Die Meinungen über deren Sinn gehen auseinander. dpa

Seit 2011 kommt bei Flügen aus Deutschland die so genannte "Ticketsteuer" zum Preis. Die Meinungen über deren Sinn gehen auseinander.

BerlinDer wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU), dringt auf eine Abschaffung der Luftverkehrsteuer.

„Nach wie vor ist die Luftverkehrsteuer nicht nur ordnungspolitisch fragwürdig, sondern auch klimapolitisch im besten Fall weiße Salbe. Sie belastet die deutsche Fluggesellschaften, Flughäfen und deren Kunden über Gebühr und gehört daher schnellstens abgeschafft“, sagte Pfeiffer Handelsblatt Online.

Pfeiffer: Fluggäste weichen ins grenznahe Ausland aus

Die Luftverkehrsteuer benachteilige insbesondere deutsche Flughäfen in Grenznähe und führe zu einem Ausweichen der Kunden auf grenznahe Flughäfen im Ausland, gab Pfeiffer zu bedenken. „Das gefährdet den Luftverkehrsstandort Deutschland aufs Schärfste.“

Regional-Airlines – Pleiten und Neugründungen der letzten Jahre

OLT Express Germany – Gründung

Als Ostfriesische Lufttaxi – Dekker und Janssen OHG wurde die OLT Express im Jahr 1958 in Emden gegründet. Als Tochter einer Reederei flog sie als Ergänzung zu Fähren Nordseeinseln wie Helgoland an. Nach der Wiedervereinigung bot die Airline von Bremen aus Linien- und Charterflüge an. Mit dem Verlust des Airbus-Werksverkehrs 2011 begannen die Probleme.

OLT Express Germany – Pleite

Ein polnischer Investor übernahm die Linienflüge, aus OLT wurde OLT Express Germany und der Inselflugverkehr ausgegliedert. Zuerst wurden Teile der insolventen Cirrus Airlines übernommen, später dann die Fluggesellschaft Contact Air. 2012 wechselte der Besitzer ein weiteres Mal, bevor die Airline im Januar 2013 Insolvenz anmeldete. OLT Express Germany war mit ihren drei Standorten Bremen, Saarbrücken und Stuttgart auf deutschen und europäischen Flugstrecken aktiv. Die Flotte der Fluggesellschaft umfasste 14 Maschinen.

Augsburg Airways – Gründung

Der Regionalflieger wurde im Jahr 1981 unter dem Namen „Interot Airservice“ gegründet und wickelte zunächst den Werkflugverkehr des Papierherstellers Haindl ab. Ab Mitte der 1980er Jahre kamen regelmäßige Flugverbindungen innerhalb Deutschlands hinzu, ab 1994 flog Augsburg Airways auch nach Florenz. Zwei Jahre später wurde die Airline Mitglied im „Team Lufthansa“, ab 2003 flog die Gesellschaft unter Lufthansa-Flugnummern.

Augsburg Airways – Pleite

Im Jahr 2004 verkaufte die Familie Haindl ihre Anteile an den Unternehmer Gerd Brandecker, es kam in der Folge zu einem weiteren Eigentümerwechsel. Zum Winterflugplan beendete die Lufthansa ihre Zusammenarbeit mit Augsburg Airways, zum 31. Oktober 2013 stellte die Airline - inzwischen mit Sitz in Halbergmoos bei München - den Betrieb ein. Zum Schluss hatte Augsburg Airways 15 Flugzeuge in der Flotte.

Cirrus Airlines – Gründung

Der Unternehmer Gerd Brandecker gründete die Cirrus Airlines 1995 in Saarbrücken. Der erste Linienflug fand drei Jahre später auf der Strecke Saarbrücken-Hamburg statt. Im Jahr 2000 rückte die Fluggesellschaft ins „Team Lufthansa“ und flog nach dessen Auflösung ab 2004 unter Lufthansa-Flugnummern. Die Airline verlegte ihren Sitz nach Halbergmoos bei München zur Augsburg Airways, nachdem Brandecker die Fluggesellschaft gekauft hatte.

Cirrus Airlines – Pleite

2008 verkaufte Brandecker seine Anteile, Teile des Unternehmens wurden wenig später aber an ihn zurückverkauft. Zwei Jahre später wurde der Cirrus-Sitz wieder nach Saarbrücken verlegt, im Januar 2012 war aber endgültig Schluss. Im März des Jahres wollte OLT Express Germany die Cirrus kaufen, die Übernahme wurde wenig später aber abgesagt.

Rhein-Neckar-Air

Die Fluggesellschaft mit Sitz in Mannheim wurde im November 2013 gegründet. Ein Förderverein, hinter dem so prominente Konzerne wie SAP oder Heidelberg-Cement stecken, ist Gesellschafter und leistet die Anschubfinanzierung. Zunächst wird lediglich die Strecke Mannheim-Berlin angeboten, später soll die Rhein-Neckar-Region auch mit Hamburg verbunden werden – wenn das Geschäft gut läuft. Im März startet die erste Maschine.

Rostock Airways

Die Airline aus Mecklenburg-Vorpommern hat im Februar ihren Jungfernflug ab Bremen absolviert. Aktuell gibt es eine Verbindung nach Zürich – eine ehemalige Strecke der OLT Express Germany. Im Jahresverlauf soll es auch nach Brüssel gehen. Nach Medienberichten könnte Rostock Airways seinen österreichischen Partner Air Alps übernehmen und bald auch ab dem Flughafen Rostock-Laage fliegen. In Bremen hat sich Rostock Airways einen weiteren Auftrag gesichert und einen Rahmenvertrag mit Fußball-Bundesligist Werder Bremen geschlossen.

Ebenso sähen sich deutsche Airlines gegenüber ausländischen Wettbewerbern bei internationalen Flügen von Asien nach Amerika im Nachteil. „Sie werden künftig nicht mehr über Deutschland fliegen, sondern neue Routen über Dubai, Abu Dhabi oder Doha aufnehmen“, warnte der CDU-Politiker. Deutsche Flughäfen würden dann als internationale Flugdrehkreuze gemieden.

Pfeiffer schlug daher vor, statt den Wirtschaftsstandort Deutschland im globalen Wettbewerb durch eine nationale Luftverkehrsteuer „einseitig zu benachteiligen, sollte ein weltweiter Emissionshandel, in den der Luftverkehr insgesamt einbezogen ist, die angemessene Antwort auf die globale Klimaherausforderung sein“.

Die Bundesregierung hatte die Luftverkehrsabgabe 2011 eingeführt und im ersten Jahr damit knapp eine Milliarde Euro eingenommen. Auf eine eigentlich ab 2013 geplante Anhebung wurde jedoch verzichtet. Derzeit werden für innerdeutsche oder innereuropäische Flüge 7,50 Euro fällig, für Mittelstrecken 22,43 Euro und für Langstrecken 42,18 Euro. Die Abgabe fällt pro Fluggast bei Flügen an, die in Deutschland starten.

Kommentare (3)

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Herr Tom Munich

05.09.2014, 07:40 Uhr

Es ist schon lächerlich, was die "Umweltverbände" so schereiben.
In Deutschland ist der Inlands- und insbesondere der Regionalverkehr zu kleineren Airports eingebrochen.
Diverse Airlines sind pleite und die Politik auf Landesebene versucht die entsprechenden Fluhgäfen mit noch mehr Steuergeldern zu retten bzw. zu verkaufen.
Die "Lufverkerssteuer" ist nicht nur Kapitalvernichtung pur, sie vernichtet auch Infrastruktur.
Zumindest an den Großflughäfen finanziert sich der Luftverkehr nicht nur selbst, siehe Verkehrsträgeranalyse Infras/Fraunhofer Institut, er schafft massive Steuereinnahmen, Jobs und Wirtschaftswachstum. Regionale Airports werden b.a.w. auf Fördermittel, analog zum Eisenbahnverkehr, angewiesen sein um eben diese Regionen national u. international anzuschließen.

Account gelöscht!

05.09.2014, 10:26 Uhr

@ Ton Munich,
"Die "Lufverkerssteuer" ist nicht nur Kapitalvernichtung pur, sie vernichtet auch Infrastruktur."
Genau das gleiche Argument wäre für die Besteuerung von Kraftstoff gegeben, zumal eine flexible Arbeitsstätte forciert wurde und immer noch wird.

Frau Margrit Steer

05.09.2014, 10:32 Uhr

Demnächst gibt es bei uns wool auch noch eine Gehweg-Benutzungsteuer.
Deutschland ist an Blödheit nichtz mehr zu überbieten.

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