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14.01.2005

08:24 Uhr

Chancen der beiden Favoriten für den Posten des Parlamentarischen Geschäftsführers sinken

Angela Merkel sucht nach dem dritten Mann

VonRüdiger Scheidges

Als Eckart von Klaeden mal eine kesse Lippe riskierte, blaffte Kanzler Helmut Kohl zurück: „Sagen Sie mal, sind Sie überhaupt volljährig?“ Das war 1998 und der Anwalt 32 Jahre alt. Noch heute titulieren einige den jugendlich wirkenden Politiker der CDU-Fraktion „Babyface“. Dennoch gilt er einigen als Favorit für den von Angela Merkel zu besetzenden Posten des Ersten Parlamentarischen Geschäftsführers (PGF).

BERLIN. Die Fraktionschefin muss den in der Öffentlichkeit nicht recht wahrgenommenen „PGF“ nach dem Aufstieg des Amtsinhabers Volker Kauder zum Generalsekretär neu besetzen. Der Job hat zentrale Bedeutung. Der „Einpeitscher der Fraktion“ muss die Ministerpräsidenten im Zaum halten, die Fraktion organisieren und den parlamentarischen Angriff gegen die Regierung koordinieren. Er braucht viel Erfahrung, Durchsetzungsvermögen und Biss. Gerade solches sprechen viele dem Hannoveraner „Ecki“, wie der Fraktionsgeschäftsführer genannt wird, noch ab. „Eineinhalb Jahre vor der Bundestagswahl wäre er überfordert, das Risiko für die Partei viel zu hoch,“ heißt es in der Fraktion.

Genau deshalb machen sich die Klaeden-Skeptiker für einen anderen stark, den angeblichen Favoriten Merkels : Peter Hintze. Dem evangelischer Pfarrer und Ex-CDU-Generalsekretär spricht auch keiner die Befähigung ab. Doch der Erfinder der Rote-Socken-Kampagne gegen die PDS gilt nicht als mehrheitsfähig, selbst bei vielen im eigenen Landesverband Nordrhein-Westfalen nicht, und schon gar nicht bei der CSU. Er gilt als „Linker“ und ob seiner liberalen Haltung bei der Stammzellenforschung als nicht repräsentativ.

Um so härter sind die Hinweise, dass Merkel weder Hintze noch Klaeden den Job zuschanzt. Und so rätselt die Fraktion über den unbekannten dritten Mann. Doch über den redet Merkel mit ihnen nicht. Sie will ihn erst nach dem 24. Januar küren, wenn Kauder die Nachfolge des unehrenhaft ausgeschiedenen Generalsekretärs Laurenz Meyer antritt.

Diese lange Zuwarten Merkels kritisieren viele als erneutes Schwächezeichen. Jetzt, da ihre Führungsstärke ohnehin in Frage gestellt sei, scheint die überfällige Entscheidung ein neues Zeichen der Hilflosigkeit. „Tatsächlich hat sie sich noch nicht entschieden,“ argwöhnt ein Vertrauter und Klaeden-Fan. Einer aus dem Hintze-Camp hingegen: „Fest steht nur, dass sie die Entscheidung allein trifft. Da kann die CSU sich auf den Kopf stellen.“

Tatsächlich will die CSU ein Wörtchen mitreden, obwohl die Wahl des PGF eine der wenigen ureigenen Entscheidungen der Chefin ist. Und als Michael Glos vor rund zwei Woche las, Pfarrer Hintze sei „der Favorit“ Merkels, schrillte seine Alarmanlage auch nur kurz. Sogleich hatte ihm Merkel die Mitteilung übermittelt: „Unsinn!“

„Tatsächlich wäre das keine gute Wahl gewesen,“ befindet auch heute ein CSU-Vorstand. Denn ein „PGF Hintze“ hätte die ganz Schwarzen in dem Vorurteil gegen die Protestantin Merkel genährt, ein Katholik hätte bei ihr keinerlei Chance. Denn neben Fragen der persönlichen Eignung spielen inhaltliche die zentrale Rolle. „Eineinhalb Jahren vor der Bundestagswahl muss der Mann die Fraktion inhaltlich auf einen Konsens verpflichten können“, bangt einer. Und wenn andere von der Wahl des „neuen Kauder“ reden, meinen sie das Gefüge der Fraktion: Kauder ist ein strammer Konservativer, der seine Landesgruppe geeint hinter sich hat und auch handfest für Merkel einzusetzen vermag.

„Konservativ, loyal, selbstbewusst und aus dem Westen“ sind deshalb nach Auffassung einer großen Gruppe in der Fraktion die Qualitäten, die ein Nachfolger haben muss, wenn Merkel die Partei mit der Entscheidung auch mitnehmen will. Auch katholisch wäre eine gute Beigabe, heißt es. Deshalb sind Hintze und von Klaeden, die Protestanten, bei vielen out. Ein Katholik auf dem Vertrauensposten der Partei- und Fraktionschefin: Welch Seelen-Balsam für die einst so dominanten „Papisten“ der CDU.

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