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10.02.2004

15:13 Uhr

Deutschland

Chemiegewerkschaft fordert deutlich mehr Geld

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie geht mit einer Forderungsempfehlung von 3,5 Prozent höheren Einkommen sowie einer Ausweitung der Ausbildungsplätze in die Tarifrunde für die 580 000 Beschäftigten der Branche.

HB HAMBURG. „Wir wollen etwas tun für die Belebung der Binnenkonjunktur“, sagte das für Tarife zuständige Vorstandsmitglied der Gewerkschaft, Werner Bischoff, am Dienstag in Hannover. Für eine von den Arbeitgebern verlangte tarifliche Verschnaufpause bestehe kein Anlass. Gleichzeitig bekräftigte Bischoff den moderaten Kurs seiner Gewerkschaft in Tarifrunden: „Unser Kurs der tarifpolitischen Vernunft hat sich bewährt, er wird fortgesetzt.“ Mit 3,5 Prozent bleibt die IG BCE wie in der vergangenen Tarifrunde unter der Forderung der konkurrierenden Schwestergewerkschaft IG Metall, die vier Prozent mehr verlangt. Die Gespräche in der Chemiebranche beginnen voraussichtlich im April.

Die Arbeitgeber nannten die Forderung überhöht. Nach zwei Tarifrunden mit realen Einkommensverbesserungen trotz wirtschaftlicher Stagnation der Branche müsse das Tempo der Tarifentwicklung zurückgenommen werden, forderte ihr Verhandlungsführer Hans Paul Frey. Er warnte außerdem davor, unbestätigte Erwartungen an die Konjunkturentwicklung erneut zur Grundlage für eine Tarifrunde zu machen. „Außer Hoffnungen gibt es keine konkreten Fakten, die einen Aufschwung erkennen lassen“, sagte Frey. Zu den Risikofaktoren für die Chemiekonjunktur zählte er den Wechselkurs des Euro zum Dollar sowie die Rohstoffkosten, von denen die exportorientierte Branche besonders abhängig sei. Außerdem verwies er auf den bevorstehenden Beitritt Polens, Tschechiens und Ungarns zur EU.

Deren Arbeitskosten je Beschäftigtenstunde machten im Schnitt weniger als ein Fünftel der deutschen Kosten aus. Dies müsse in der Tarifrunde berücksichtigt werden.

Seine Forderungsempfehlung an die regionalen Tarifkommissionen untermauert der Hauptvorstand der IG BCE mit Wachstumsprognosen der Konjunkturforschungsinstitute, die zwischen 1,4 und 1,8 Prozent liegen, und einer erwarteten Preissteigerungsrate zwischen einem und 1,5 Prozent. Wenn es bei dieser Tendenz bleibe, werde auch die Chemiekonjunktur weiter anziehen, argumentierte die IG BCE.

Die Empfehlung soll nun in den Betrieben diskutiert werden und im März und April in eine konkrete Forderung an die Arbeitgeber münden. Die Tarifverträge für die chemische Industrie enden regional unterschiedlich. In Rheinland-Pfalz, die Regionen Nordrhein und Hessen laufen die Verträge bis zum 31. Mai, in Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen/Bremen, Schleswig-Holstein/Hamburg und Berlin bis zum 30. Juni und im Saarland bis 31. Juli.

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