Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.02.2016

13:57 Uhr

Christian Lindner und die AfD-Wutrede

Wie der FDP-Chef sich Gehör verschafft

VonNils Wischmeyer

FDP-Chef Lindner geht mit einer emotionalen Wutrede viral. Vor dem Landtag in Düsseldorf schoss er scharf gegen die rechtspopulistische AfD. Es ist nicht das erste Mal, dass Lindner ein solches Echo hervorruft.

DüsseldorfSo viel Aufmerksamkeit wünscht sich die FDP häufiger: Auch Tage nach seiner emotionalen Rede vor dem nordrhein-westfälischen Landtag gehen die Wort von Parteichef Christian Lindner viral. Anlass für die Rede in der vergangenen Woche war eine Debatte im Landtag zum Thema Rechtspopulismus. Dabei gab ihm sein Vorredner, der SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Römer, eine ungewollte Steilvorlage: Er bezeichnete die CDU als rechtspopulistisch.

Der FDP-Chef verurteilte Römers Beitrag daraufhin scharf: „Die Rede die Sie hier gehalten haben, war diesem Haus und ihrer Person nicht würdig.“ Mit solchen Aussagen verharmlose man die wahren Feinde der Gesellschaft, sagte Lindner und forderte Römer auf, sich bei der CDU zu entschuldigen. Solch eine Diskussionskultur sei nicht zu gebrauchen: „Dieses Niveau beschädigt uns und unser demokratisches Miteinander.“

Das ist Christian Lindner

Heimat

Christian Lindners Heimat ist das Bergische Land. Geboren wurde er am 7. Januar 1979 in Wuppertal, aufgewachsen ist er in Wermelskirchen.

Studium

Der Wermelskirchener studierte Politikwissenschaft, Öffentliches Recht und Philosophie an der Rheinischen Friedrich‐Wilhelms‐Universität Bonn und schloss sein Studium 2006 mit einem Magister Artium ab. In seiner Magisterarbeit am Institut für politische Wissenschaft beschäftigte er sich mit dem Thema „Steuerwettbewerb und Finanzausgleich. Kann die Finanzverfassung reformiert werden?“. Anschließend begann er mit der Abfassung seiner Dissertation, die er aufgrund seiner politischen Tätigkeit aber bisher nicht abgeschlossen hat.

Beruflicher Start

Von 1997 bis 2004 war Lindner Inhaber einer Werbeagentur sowie Mitgründer eines Internet‐Unternehmens. In dieser Zeit gab er zwei Fachbücher heraus.

Politischer Werdegang

Mit 16 trat er der FDP bei. Von 1996 bis 1998 war er Landesvorsitzender der Liberalen Schüler NRW und Vorstandsmitglied der Jungen Liberalen NRW.

Gestalter in Düsseldorf

Seit 1998 ist Linder Mitglied des NRW-Landesvorstandes der FDP. Von 2000 bis 2009 war er Abgeordneter des nordrhein‐westfälischen Landtags, wo er die Themen Generationen, Familie, Integration sowie Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie verantwortete, seit 2005 als stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Von 2004 bis April 2010 war Lindner zugleich Generalsekretär des FDP‐Landesverbandes Nordrhein‐Westfalen.

Von Düsseldorf nach Berlin

2009 wechselte Lindner in den Deutschen Bundestag und wurde zum Generalsekretär seiner Partei berufen. Dieses Amt gab er im Dezember 2011 zurück. Sein Bundestagsmandat gab er im Zuge der NRW‐Landtagswahl im Juli 2012 auf.

An die Spitze der FDP

Lindner ist seit der Landtagswahl im Mai 2012 Mitglied des Landtages (Rheinisch-Bergischer Kreis) sowie Vorsitzender der Landtagsfraktion und des Landesverbandes der FDP in Nordrhein‐Westfalen. Nach einer historischen Zäsur für die FDP bei der Bundestagswahl 2013 wurde er am 7. Dezember des selben Jahres zum Bundesvorsitzenden der FDP gewählt.

Privates

Lindner ist seit August 2011 mit der „Zeit“-Journalistin Dagmar Rosenfeld-Lindner verheiratet.

Danach knöpfte sich der als guter Redner bekannte Lindner die AfD vor: „In Frankreich hat Le Pen [Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen Front National, Anmerk. d. Redak.] sich von den Radikalen getrennt, um bürgerlicher wirken zu können. In Deutschland hat die AfD sich von den Bürgerlichen getrennt, um radikaler sein zu können“, sagte Lindner. „Die sprechen vom Schießbefehl an der deutschen Grenze. Die sprechen vom Begriff der Volksgemeinschaft. Als sei das noch eine kulturelle, religiöse oder ethnische Identität, mit der man wie vor 150 Jahren Politik machen könnte“, schimpft er.

Sein Fazit: „Wenn es ein ungeschriebenes Kapitel des Grundgesetzes gibt, das eine historische Lehre Lehre aus 1945 enthält, dann doch diese: Eine Partei, die wieder völkisch denkt, die Rassenpolitik macht und die Krisen nicht lösen will, sondern die Krisen herbeisehnt: Eine solche Partei darf in Deutschland niemals mehr politische Bedeutung erlangen.“

Doch Lindner ging nicht nur Römer und die AfD an, sondern schoss auch scharf gegen die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Ihre Aussage, sich nicht mit der AfD auseinanderzusetzen, sei für ihn völlig unverständlich: „Ich halte es für ein demokratisches Problem, wenn eine Regierung öffentlich sagt, mit wem sie spricht und mit wem nicht“, sagte Lindner und fragt an Kraft gewandt: „Merken Sie nicht, welche Macht sie der AfD geben, wenn Sie die zu einem solchen Faktor hochjazzen? Sie machen die groß damit.“

Mit ihrer Politik mache sie aus der AfD nur Märtyrer, sagte der FDP-Chef. „Man müsste denen nur möglichst viele Gelegenheiten verschaffen, sich öffentlich zu blamieren.“ Der Zauber verfliege dann von ganz allein, so Lindner.

Das Netz feiert ihn für seine Worte:

Ein anderer Nutzer schrieb:

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×