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31.03.2014

07:52 Uhr

Christian Schmidt

Agrarminister für geringeren Antibiotika-Einsatz

Massenhafte Antibiotika für Geflügel oder Schweine stehen seit langem in der Kritik. Jetzt tritt ein Gesetz in Kraft, das künftig stärker gegensteuern soll. Antibiotika-Resistenzen sollen so verringert werden.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU): An diesem Dienstag tritt eine Gesetzesänderung in Kraft, die den Antibiotika-Einsatz in Ställen stärker eindämmen soll. dpa

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU): An diesem Dienstag tritt eine Gesetzesänderung in Kraft, die den Antibiotika-Einsatz in Ställen stärker eindämmen soll.

BerlinBundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) dringt auf einen geringeren Einsatz von Antibiotika. In der Nutztierhaltung wie in der Humanmedizin seien alle Beteiligten gefordert, einen Beitrag dazu zu leisten, sagte Schmidt der Nachrichtenagentur dpa. Reduzierung sei „das wirksamste Mittel“ gegen zunehmende Antibiotika-Resistenzen. Mit engagierten Landwirten, den Tierärzten und den Überwachungsbehörden sei zu erreichen, „dass uns auch in Zukunft noch wirksame Medikamente gegen gefährliche Infektionskrankheiten zur Verfügung stehen“.

An diesem Dienstag tritt eine Gesetzesänderung in Kraft, die den Antibiotika-Einsatz in Ställen stärker eindämmen soll. Kernstück ist, Daten bundesweit zusammenzuführen und zu bewerten. Bauern müssen künftig regelmäßig melden, wenn sie Antibiotika geben. Dadurch soll zu erkennen sein, wenn ein Betrieb übermäßig viel davon einsetzt. Die Überwachungsbehörden der Länder können Prüfungen und Maßnahmen anordnen, um den Einsatz zu verringern. „Von den neuen Regelungen profitieren am Ende alle: Verbraucher, Tiere, Tierhalter und Tierärzte“, sagte der Minister.

Pflege in Deutschland - Baustellen und Reformpläne (Teil 1)

Angehörige

Zwei Drittel der rund 2,5 Millionen Pflegebedürftigen werden zu Hause von Angehörigen gepflegt. Pflege und Beruf überlasten viele. Union und SPD wollen laut Koalitionsvertrag Erleichterungen ausbauen - etwa bei der Berufsauszeit zur Pflege. Die ambulanten Pflegeleistungen sollen denen für Pflegebedürftige im Heim angeglichen werden. Bund und Länder sollen zusammen Möglichkeiten der Kommunen beraten: Wie können Menschen länger zu Hause gepflegt werden?

Betreuung

Mehr Menschen sollen sich mit Demenzkranken, Behinderten oder psychisch Kranken beschäftigen. Heute können zu Hause Gepflegte 100, maximal 200 Euro pro Monat für die Bezahlung der Helfer bekommen. In Heimen sind neben Fachkräften für diese Aufgaben 24 000 nachqualifizierte Kräfte im Einsatz. Künftig sollen es 45 000 sein. Auch körperlich Pflegebedürftige sollen mehr Betreuung erhalten.

Demenz

Nach kleineren Verbesserungen soll die Pflegeversicherung in einem zweiten Schritt mit einer Großreform besser auf die Demenz eingestellt werden. Bis zu 1,4 Millionen Demenzkranke gibt es heute in Deutschland – in knapp 50 Jahren könnten es laut Experten 2,5 Millionen sein. Bis zu 250 000 nehmen keine Leistungen in Anspruch. Viele bekommen weniger Aufmerksamkeit als gut wäre. Die Ansprüche sollen eine breitere Basis bekommen: Statt heute drei Pflegestufen soll es mehr Grade der Selbstständigkeit geben – auch Einschränkungen bei Wahrnehmung und Bewusstsein sollen als Kriterium gelten.

Finanzen

Die Rücklagen der Pflegeversicherung stiegen leicht auf rund 5,6 Milliarden Euro 2012. Doch geplante Verbesserungen machen frisches Beitragsgeld nötig. So soll der Pflegebeitragssatz von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) zum 1.1.2015 um 0,3 Punkte steigen. 0,2 sollen später für die geplante Großreform dazukommen.

Weiterführung des Haushalts

Die Hilfen zur Weiterführung des Haushalts sollen ausgebaut werden. Darunter stellt man sich in der Koalition etwa die Stärkung des Ehrenamts vor und verweist auf den Ausbau bei den Betreuungskräften.

Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Bei der Kurzzeitpflege zahlt die Pflegekasse bis zu 1550 Euro für bis zu vier Wochen Heimaufenthalt eines zu Hause gepflegten Menschen pro Jahr. Bei der Verhinderungspflege gibt es Geld für vier Wochen ambulante Pflege, etwa durch einen Dienst, wenn Angehörige Urlaub machen. Heute verfallen Leistungen oft - künftig soll man etwa Geld für nicht beanspruchte Kurzzeitpflege auch leichter für einen Pflegedienst für daheim verwenden können.

Lohnersatz bei Pflegeorganisation

Wer Pflege daheim organisieren muss, hat Recht auf zehn Tage Auszeit - künftig soll es dafür Lohnersatz ähnlich wie Kinderkrankengeld geben. Kritiker monieren: Anders als bei kranken Kindern dürfte nur einmal gezahlt werden.

In der Kritik stehen vor allem massenhafte Medikamentengaben in Mastanlagen mit Tausenden Hühnern oder Schweinen. Antibiotika sollen generell so selten wie möglich verwendet werden, um zu verhindern, dass sie auch bei Menschen nicht mehr wirken.

Die Grünen fordern weitergehende Maßnahmen. „Die Art der Haltung macht die Tiere krank“, sagte der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Friedrich Ostendorff, der dpa. „Wenn sich die Haltungsbedingungen und die Höhe der Besatzdichten nicht ändern, wird der Medikamenteneinsatz weiterhin so groß sein, dass daraus gesundheitliche Risiken durch Resistenzen für uns alle entstehen.“ Unterbunden werden müssten Rabatte für die Abnahme großer Mengen. „Antibiotika sind hochwirksame Substanzen und dürfen nicht im Bonussystem verschleudert werden.“

Von

dpa

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