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21.08.2011

11:12 Uhr

Christian von Bötticher

"Ich fühle mich wie Dr. Kimble auf der Flucht"

Der frühere schleswig-holsteinische CDU-Chef von Boetticher erhebt nach seinem Rücktritt schwere Vorwürfe gegen die eigene Partei - und greift vor allem seinen ehemaligen Mentor offen an.

"Schwer enttäuscht" von der eigenen Partei: Der frühere schleswig-holsteinische CDU-Chef Christian von Boetticher. dpa

"Schwer enttäuscht" von der eigenen Partei: Der frühere schleswig-holsteinische CDU-Chef Christian von Boetticher.

Hamburg / Kiel / Berlin„Ich habe ein großes Maß an Illoyalität erlebt und bin mit Blick auf die eigene Partei schwer enttäuscht“, sagte von Boetticher der „Bild am Sonntag“. Der 40-Jährige war vergangene Woche wegen einer früheren Beziehung zu einer 16-Jährigen vom Partei- und Fraktionsvorsitz der Landes-CDU zurückgetreten.

Auch das Verhalten von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, seinem langjährigen Mentor, kritisiert von Boetticher: „Der hat leider den Eindruck erweckt, ich sei ein politischer Autist, weil ich nicht begriffen hätte, dass meine Zeit als Spitzenkandidat abgelaufen war. Dabei habe ich die Sache selber in die Hand genommen und rechtzeitig die richtigen Konsequenzen gezogen.“

Über seine Verbindung zu einer Minderjährigen sagte von Boetticher: „Die Beziehung zu der Frau hat nichts mit einem Lolita-Effekt zu tun.“ Die junge Frau sei ihm aufgefallen, weil sie als Mitglied der Jungen Union sehr intelligente Kommentare auf seiner Facebook-Seite geschrieben habe. Er habe sie zuerst auf Mitte 20 geschätzt.

Nach seinem Rücktritt sieht von Boetticher sich zudem von den Medien verfolgt. „Für mich war das eine öffentliche Hinrichtung auf Basis moralischer Wertungen“, sagte von Boetticher dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Der Politiker war wegen einer früheren sexuellen Beziehung zu einer 16-Jährigen in die Kritik geraten. Er verstecke sich seit Tagen an geheimen Orten, berichtet das Magazin in seiner neuen Ausgabe. „Ich fühle mich wie Dr. Kimble auf der Flucht“, sagte von Boetticher.

Kommentare (6)

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scheinheilig

21.08.2011, 12:07 Uhr

Der Rücktritt - so wie es gelaufen ist, erachte ich als falsch. Nach seiner Stellungnahme hätte ein Parteitag mit einer Basisabstimmung erfolgen müssen. Einen Spitzenkandidat schaßt man nicht einfach so ab, indem ein kleiner erlauchter Parteikreis quasi wie im Hinterkammertreffen ihn unter Druck setzt ... und er zurücktritt. Aber diese Montage, Demontage und sonstige Entscheidungsfindungen in kleinen Kreisen ... sind einer der Sargnägel für die riesige Parteiverdrossenheit. Viele werden sich mehr als Kulisse verstanden wissen - mehr aber nicht.

Jeder macht Fehler - auch ein Politiker. Scheinbar wird hier aber ein moralischer Unterschied gemacht, ob jemand ein Doktorarbeit fälscht oder sich intensiver einem Lobbyklüngel zuneigt, wird anscheind geringer gewertet. Diese Art des Denkens ist - scheinheilig.

Boetticher sollte nicht aufgeben und sich nach einer kurzer Zeit wieder politisch aktiv zeigen. Es muss ja nicht in der CDU sein. SPD oder die Grünen sind auch eine Option.

Thomas-Melber-Stuttgart

21.08.2011, 12:22 Uhr

"Jeder macht Fehler - ..." Nein, solche Fehler macht man nicht, da mangelt es Herrn von Boetticher an Takt, Komment und Realitätssinn.

Pendler

21.08.2011, 12:26 Uhr

"Politik ist ein dreckiges Geschäft", sagt man und nur der kommt nach oben, der immer noch erpreßbar bleibt, egal wie hoch er kommt.

Aber man muss schon blind sein, wenn man meint, dass die Affäre die Ursache war. In der heutigen Zeit "schlachtet" man gerne über Sex-Geschichten.

1. Clinton:
Die Lewinsky-Affäre war eine politische Affäre in den Vereinigten Staaten über Anschuldigungen, dass Präsident Bill Clinton eine sexuelle Beziehung zur Praktikantin Monica Lewinsky unterhalten habe. Berichterstattungen über die außereheliche Affäre führten 1998 zur Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens durch das amerikanische Repräsentantenhaus, das im Senat nach 21 Verhandlungstagen scheiterte. Die Anklagepunkte waren Meineid und Strafvereitelung, weil Clinton unter Eid ausgesagt hatte, er hätte keinerlei sexuelle Beziehungen zu Lewinsky gehabt.

2. Wikileads
Vergewaltigung auf Schwedisch – Der Fall Assange

Diesmal geht es nicht um brisante politische Enthüllungen: Julian Assange bekommt die scharfen skandinavischen Gesetze bei Sexdelikten zu spüren.

3. Strauss Kahn, der zu sozial wurde
Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank haben zum Auftakt ihrer Frühjahrstagung in Washington die Vernachlässigung sozialer Fragen während des aktuellen wirtschaftlichen Aufschwungs angeprangert. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn rief zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit in der Welt auf. Weltbank-Präsident Robert Zoellick warnte vor wachsender Armut durch steigende Lebensmittelpreise.

==> Strauss-Kahn sitzt weiter auf einer Gefängnisinsel im New Yorker East River in Haft. Er wurde am Samstag aus der Erste-Klasse-Kabine seines Air-France-Fluges heraus verhaftet, nur Minuten vor dem Start. Seit Montag ist er wegen sechs Vergehen angeklagt, von dem das schwerste, „sexuelle Belästigung ersten Grades“, mit 25 Jahren Haft bestraft werden kann. Am Freitag soll die Vorverhandlung beginnen.

hihi, Schande über den, der Böses dabei denkt.


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