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21.12.2011

20:34 Uhr

Christian Wulff

Affäre und kein Ende

Neue Details über Hausdarlehen und Anzeigenkampagne bringen Bundespräsident Wulff weiter in Bedrängnis. In seiner mit Spannung erwarteten Weihnachtsansprache ging er nicht auf die Vorwürfe ein.

Bundespräsident Christian Wulff: Kein Wort zur Affäre. dpa

Bundespräsident Christian Wulff: Kein Wort zur Affäre.

BerlinBundespräsident Christian Wulff bleibt wegen seines Privatkredits und enger Kontakte zu befreundeten Unternehmern in den Schlagzeilen. Nach dem Bekanntwerden neuer Vorwürfe nahm die Kritik am Staatsoberhaupt weiter zu. Während Koalitionspolitiker ihm erneut demonstrativ Rückendeckung gaben, warf die Opposition dem 52-Jährigen vor, immer nur scheibchenweise die Wahrheit zuzugeben.

In seiner am Mittwochnachmittag aufgezeichneten Weihnachtsansprache ging Wulff nach Angaben aus Teilnehmerkreisen nicht auf die Vorwürfe ein. Lediglich bei der Begrüßung der Zuhörer vor der offiziellen Aufzeichnung äußerte er sich indirekt und eher beiläufig dazu, wie Teilnehmer nachher berichteten: Wulff habe erklärt, dass in der heutigen Zeit des Internets alles, was man irgendwann einmal gemacht habe, irgendwann ans Licht komme und man darauf vorbereitet sein sollte.

Die Fernsehaufzeichnung wurde von etwa 70 Gästen in Wulffs Amtssitz Schloss Bellevue verfolgt. Dabei handelte es sich um Ehrenamtliche wie etwa Vertreter der Telefonseelsorge und der Feuerwehr, Mitglieder des deutsch-israelischen Jugendaustausches sowie Teilnehmer der ersten Einbürgerungsfeier im Schloss Bellevue in diesem Jahr. Auch Patenfamilien seien anwesend gewesen. Anschließend fand ein Empfang statt.

Die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten wird stets einige Tage vor dem Fest aufgezeichnet. Ausgestrahlt wird sie am ersten Weihnachtstag.

Wulffs Urlaubs-Freunde

Edith und Egon Geerkens

Egon Geerkens hat erst mit Schrott und dann mit Schmuck sein Vermögen gemacht. 2009 verbrachten Christian und Bettina Wulff ihren Weihnachtsurlaub in der Villa des Unternehmerehepaares in Florida. Geerkens sei zum Zeitpunkt der USA-Reise zum Jahreswechsel 2009/2010 nicht mehr unternehmerisch tätig gewesen. Aber auch schon 2003 und 2004 machte Wulff nach der Liste seiner Anwälte mit seiner damaligen Frau Christiane beim Ehepaar Geerkens in Spanien Urlaub. Der Bundespräsident ist mit dem medienscheuen Unternehmer seit vielen Jahren befreundet. Das Paar lebt inzwischen in Luzern in der Schweiz. In Osnabrück hatte Egon Geerkens zuletzt ein Schmuckgeschäft und mehrere Immobilien.

Wolf-Dieter Baumgartl

Der 68-Jährige Manager gilt als einer der wichtigsten Köpfe in der deutschen Versicherungsbranche. 1993 wurde er Vorstandschef des Versicherers HDI in Hannover, den er erfolgreich umbaute und auch durch Übernahmen vergrößerte. Baumgartl schuf den heute drittgrößten deutschen Versicherungskonzern Talanx. 2006 übernahm er den Talanx-Aufsichtsratsvorsitz. In einem Anwesen Baumgartls in Italien hatte sich Wulff mit seiner Frau im Jahr 2008 aufgehalten.

Angela Solaro und Volker Meyer

Über die beiden ist in der Öffentlichkeit nur sehr wenig bekannt. Das ältere Paar lebt auf der Nordsee-Insel Norderney, einem der liebsten Urlaubsziele von Wulff. Er soll dass Paar schon besucht haben, als er noch Landesvorsitzender der Jungen Union in Niedersachsen war. Womit die langjährigen Freunde ihr Geld verdienen, ist unklar. Laut Medien besitzen sie ein Süßwaren-Spezialitätengeschäft und vertreiben Feinkost. 2008 und 2009 hatte die Familie Wulff das Ehepaar auf Norderney besucht.

Carsten Maschmeyer

Der Unternehmer gilt als schillernde Persönlichkeit und begnadeter Verkäufer. Nach dem Abbruch eines Medizinstudiums gründete der 52-Jährige den Finanzdienstleister AWD und machte Millionen. 2007 übernahm der Versicherer Swiss Life den AWD. Maschmeyer, der mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert ist, gilt als wichtige Figur eines einflussreichen Kreises in Hannover aus Unternehmern, Politikern und anderen Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Sport. Er gilt als Freund sowohl von Altkanzler Gerhard Schröder als auch von Bundespräsident Christian Wulff. Wulff machte 2010 Urlaub in einem Appartement einer Ferienanlage Maschmeyers auf Mallorca.

Thema soll der Zusammenhalt in der Gesellschaft und in Europa gewesen sein, hieß es. Zudem habe Wulffsein Treffen mit Angehörigen der rechtsextremistischen Mordserie erwähnt.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr bestätigte am Dienstag erstmals, dass der Unternehmer Egon Geerkens in die Verhandlungen über den 500.000-Euro-Kredit für den Kauf des Privathauses des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten eingeschaltet war. Dies sei aufgrund des besonderen Sachverstands und der freundschaftlichen Beziehungen von Geerkens zu Wulff geschehen, teilte Lehr in einem Schreiben an die Zeitung „Die Welt“ mit. Das Darlehen selbst sei aber von Geerkens' Ehefrau Edith gewährt worden. Wulff hatte sich bislang nicht zu dessen Rolle bei dem Kredit geäußert.

Auch zu den Vorwürfen rund um Wulffs Interview-Buch wurden weitere Einzelheiten bekannt. Der mit ihm befreundete Unternehmer Carsten Maschmeyer hatte eine Anzeigenkampagne für den Band „Besser die Wahrheit“ finanziert. Von diesen Zahlungen wusste der damalige Ministerpräsident in Hannover nach Angaben seines Anwalts, Maschmeyers und des Verlages jedoch nichts.

Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ wurden auf Wunsch Maschmeyers die Rechnungen mehrfach für die PR-Aktion geändert. Dadurch habe der Geschäftsmann offenbar seine großzügige Unterstützung für Wulff verbergen wollen, schrieb das Blatt.

Kommentare (54)

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Engel

21.12.2011, 20:51 Uhr

Die Ansprache sollte nicht mehr ausgestrahlt werden. Sie würde negativ und lächerlich rüberkommen.

Engel

21.12.2011, 20:51 Uhr

Die Ansprache sollte nicht mehr ausgestrahlt werden. Sie würde negativ und lächerlich rüberkommen.

Rainer_J

21.12.2011, 20:52 Uhr

Bei der Bundesbank ist ein neues Target 2 Kredit black hole von 500 Milliarden mal nebenbei bekannt geworden und die Presse stürzt sich auf Wullfs Privatkredit, bei dem er etwas bessere Konditionen hatte und 8000 Euro gespart hat.

Von Target 2 hat die Presse jahrelang nichts berichtet, obwohl es um 500 Millarden geht.

Vielleicht wurde Wullf auch mal ein Bier ausgegeben, das sollte mal genauer untersucht werden!

Bravo, gleichgeschalteter Abschaum!

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