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12.11.2014

17:10 Uhr

Claus Weselsky

GDL-Chef wegen Pogrom-Äußerung unter Beschuss

VonDietmar Neuerer

ExklusivGDL-Chef Claus Weselsky ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Mit seinen jüngsten Äußerungen zum Konflikt mit der Bahn schießt er aber übers Ziel hinaus: Sein Pogrom-Vergleich sorgt für Ärger.

Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, ist in der Kritik. dpa

Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, ist in der Kritik.

BerlinDer Vorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, Volker Beck, hat den Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, wegen dessen „Pogrom“-Äußerung scharf kritisiert. Weselsky hatte mit Blick auf die öffentliche Diskussion über den Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn in einem Interview gesagt: „In der Öffentlichkeit wurde gezielt von interessierter Seite eine Pogromstimmung gegen die GDL und ihre Mitglieder erzeugt.“

Volker Beck, der auch innenpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion ist, sagte dazu: „Das ist total daneben. Historische Vergleiche mit der Leidensgeschichte der Juden hinken immer, weshalb man sie sich sparen sollte.“

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Allerdings hätten sich Boulevardzeitungen wie „Bild“ und „BZ“ sowie das Magazin „Focus“ „alle Mühe gegeben, ein ganzes Land gegen einen Gewerkschaftsführer aufzustacheln und ihn samt Familie durch Veröffentlichung von Telefonnummer und Wohnort geradezu für vogelfrei erklärt“, sagte Beck weiter. „Das ist ein Angriff auf die Persönlichkeitsrechte von Claus Weselsky, die durch keine Kritik an der GDL oder an dem Streik der Lokführer gerechtfertigt werden kann.“

Weselsky hatte sich schon früher im Ton vergriffen. Im August hatte der GDL-Chef mit einem Behinderten-Vergleich für Empörung gesorgt. Um auszudrücken, dass bei der Vereinigung der Bahngewerkschaften Transnet und GDBA zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) keine starke Gewerkschaft entstanden sei, hatte Weselsky gesagt: „Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus.“

Kommentare (7)

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Herr Wolfgang Trantow

12.11.2014, 18:49 Uhr

[...] Hr. Weselsky will nur die Bürger ausplündern für seine Unfähigkeit. Warum haben wir in Deutschland nur noch unfähige Leute, die Deutschland vernichten wollen??? Ist Frau Merkel das Vorbild????

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Jens Muche

12.11.2014, 18:55 Uhr

„„In der Öffentlichkeit wurde gezielt von interessierter Seite eine Pogromstimmung gegen die GDL und ihre Mitglieder erzeugt.““

Genau das ist passiert, was will der Beck denn. Mit seinem an den Pranger stellen versucht er die „Ewigkeitsschuld der Deutschen“ in die nächste Generation zu transportieren und gleichzeitig für sich Aufmerksamkeit zu erringen, nach dem Motto: Seht her, ich bin ein guter Deutscher, ich fühle mich schuldig.
Vergleiche herzustellen, ob historisch oder nicht, kann er getrost dem Vergleichenden überlassen und sich seines ungefragten „Rates“ enthalten. Aber was solls, er gehört ja zur Führungsriege der deutschen Empörungs- und Betroffenheitspartei. Wenn sie sonst nichts können, sich empören und Betroffenheit heucheln, das mit ganzer Kraft und wenig überzeugend.

Herr Sven Bah

12.11.2014, 20:11 Uhr

Warum tut der Weselsky das?! Wer in Deutschland in der Öffentlichkeit steht, weiß doch das man niemals irgend etwas in Verbindung mit Juden sagen darf. Das geht zu 99% nach hinten los. Spätestens unsere Medien lynchen einen doch dafür. Morgen lesen wir wahrscheinlich das Interview mit dem Zentralrat der Juden ala "was sagen Sie dazu?"
Finde ich persönlich zum Kotzen und bin froh, diese Mätzchen nur noch aus dem Ausland ansehen zu müssen.

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