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22.07.2014

07:39 Uhr

CO2-Ausstoß

Deutsche Braunkohlekraftwerke führen

Für das Klima ist es ein schlechter Zustand: Die Stromproduktion aus Braunkohle brummt. Deutsche Kraftwerke haben den höchsten Kohledioxid-Ausstoß. Die Bundesregierung gerät deshalb mit ihren Klimazielen in Bedrängnis.

Das Kraftwerk Neurath ist mit 33,28 Millionen CO2 auf Platz zwei der Braunkohlekraftwerken mit dem höchsten Kohlendioxid-Ausstoß in Europa. dpa

Das Kraftwerk Neurath ist mit 33,28 Millionen CO2 auf Platz zwei der Braunkohlekraftwerken mit dem höchsten Kohlendioxid-Ausstoß in Europa.

BerlinUnter den fünf europäischen Braunkohlekraftwerken mit dem höchsten Kohledioxid-Ausstoß sind vier aus Deutschland. Das ist auf Basis der Emissionen 2013 das Ergebnis einer Studie, an der unter anderem die Umweltstiftung WWF beteiligt war. Allerdings hängt dies auch teilweise mit der Größe der Anlagen zusammen. So liegt das neue Kraftwerk Neurath in Nordrhein-Westfalen mit 33,28 Millionen Tonnen CO2 auf Platz zwei – durch einen höheren Wirkungsgrad erzeugt das Werk des Energiekonzerns RWE aber aus Braunkohle weit mehr Energie als ältere Anlagen. Das nordrhein-westfälische RWE-Kraftwerk Niederaußem folgt auf Platz drei.

Auf Platz vier und fünf rangieren die Vattenfall-Kraftwerke Jänschwalde und Boxberg in der Lausitz.

Nur Deutschland und Großbritannien haben jeweils neun Kraftwerke unter den „Top 30“ der CO2-Liste. Vorne liegt das polnische Braunkohlekraftwerk Belchatów mit 37,18 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß im vergangenen Jahr.

Das Energie-Konzept von Wirtschaftsminister Gabriel

Ausbaukorridore

Der Neubau von Wind-, Solar- oder Biomasseanlagen wird gesetzlich gesteuert. So sollen jährlich Windräder an Land mit maximal 2500 Megawatt Leistung gebaut werden. Gleiches gilt für Solaranlagen. Dies wäre für beide Erzeugungsarten weniger als 2013 installiert wurde. Zudem wird damit das bisherige Solar-Regierungsziel von 2500 bis 3500 Megawatt kassiert. Neue Biogasanlagen sollen nur noch mit maximal 100 Megawatt ans Netz gehen. Zum Vergleich: Ein mittleres Kohlekraftwerk hat etwa 500 Megawatt Leistung.

Förderhöhe

Die Fördersätze für Neuanlangen sollen – bis auf Solar – überall nochmals gekürzt werden. Bei Windenergie an guten Standorten, vor allem der Küste, soll der garantierte Abnahmepreis 10 bis 20 Prozent schrumpfen. Sollte der Ausbaukorridor überschritten werden, greifen zusätzliche Kürzungen. Die Vergütung für Strom aus Windanlagen auf hoher See sinkt 2018 und 2019 um jeweils ein Cent pro Kilowattstunde, was prozentual einem Minus ähnlich wie an Land entsprechen dürfte. Für Biogas-Anlagen werden Boni bei der Strom-Vergütung gestrichen und die Grundvergütung sinkt in den kommenden Jahren schneller.

Derzeit wird Ökostrom im Schnitt für 17 Cent pro Kilowattstunde den Produzenten abgekauft. Bei den ab 2015 gebauten Anlagen sollen es nur noch gut 12 Cent sein.

Ökostrom-Vermarktung

Das bisherigen System der auf 20 Jahre garantierten Abnahme- und Preisgarantie soll zügig fallen. Bereits Anlagen ab 500 Kilowatt Leistung müssen ihren Strom dann selber vermarkten, erhalten über eine Prämie zunächst aber einen Ausgleich bis zur festgelegten Garantie. Bis 2017 sinkt die Pflicht zur Direktvermarktung bis auf 100 Kilowatt, also praktisch für alle bis auf kleinere Solaranlagen auf Hausdächern.

Vor allem soll ab 2017 die Prämie als Aufschlag auf den Marktpreis per Ausschreibung für Investoren vorab festgelegt werden. Wer die geringste Prämie verlangt, bekommt den Zuschlag. Der Investor trägt dann zudem das Risiko sinkender Börsenstrompreise.

Eigenverbrauch und Industrie-Privilegien

Strom aus eigenen Kraftwerken, auf den derzeit keine Umlage zur Ökostrom-Förderung fällig wird, soll künftig mit einem Mindestsatz belegt werden. Die Frage der Rabatte auf die Umlage für große Teile der Industrie, gegen die auch die EU-Kommission vorgeht, bleibt im Eckpunktepapier offen. Hier wird zunächst eine Verständigung mit der EU erwartet.

Zeitplan

Die Eckpunkte sollen mit zusätzlichen Details als Gesetzentwurf am 9. April im Kabinett beschlossen werden. Bis 27. Juni soll der Bundestag zustimmen, der Bundesrat soll das Gesetz am 11. Juli passieren lassen. In Kraft treten könnte es so ab August.

Um einen massiven Ausbau zu den alten Konditionen in den kommenden Monaten zu verhindern, ist der kommende Mittwoch als Stichtag zumindest für die Windenergie vorgesehen. Nur Windräder, die bis dahin schon genehmigt sind und noch 2014 in Betrieb gehen, bekommen die alten Konditionen.

Mehrere Probleme bei der Energiewende – darunter die hohe Kohlestromproduktion – lassen die Bundesregierung zunehmend um ihre Klimaziele bangen. Ohne zusätzliche Maßnahmen könnte die geplante Reduzierung der Treibhausgase um 40 Prozent bis 2020 deutlich verfehlt werden. Schon nach bisherigem Stand werden es laut Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nur 33 Prozent weniger im Vergleich zum Jahr 1990 – ein Unterschied von sieben Prozentpunkten.

Aber selbst diese Prognose beruht auf teils recht wackligen Annahmen, wie aus einer Antwort von Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) an die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn hervorgeht. Demnach wird zum Beispiel ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent im Jahr unterstellt. Zuletzt war es deutlich höher als die angenommenen 1,4 Prozent. Brummt die Wirtschaft, wird mehr Energie verbraucht.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

22.07.2014, 08:01 Uhr

Es ist doch nur ganz logisch, wenn unsere sicheren und zuverlässigen wie auch CO2-armen KERN-KRAFTWERKE abgeschaltet werden, dann wird zwangsläufig der Anteil der Kohle an der Stromversorgung steigen!
Die Erneuerbaren Energien sind nicht in der Lage ein Stromversorgungsnetz alleine aufrecht zu halten. Deshalb muss IMMER die gleiche Leistung an Kohle- und Gaskraftwerken im Hintergrund mitlaufen. Dies verschärft sich noch dadurch, dass unsere sicheren, zuverlässigen und unschlagbar preisgünstigen KERN-KRAFTWERKE einer grün-sozialistischen Ethik-Energie Merkel-Ideologie geopfert werden sollen.
Der weltweit beste Energieträger Uran soll in Deutschland nicht mehr zum Einsatz kommen. Blöder geht es wirklich nicht mehr!

Herr Holger Narrog

22.07.2014, 08:15 Uhr

Interessant ist, dass der Autor den Hauptgrund der höheren CO2 Emissionen - die Abschaltung der Hälfte der voll funtionsähigen Kernkraftwerke 2011 in einem ökoreligigiösem Delirium - verschweigt.

Es bedarf etwa 4 Mio. to Kohle um ein umweltfrendliches KKW zu ersetzen, bzw. 15 Mio. to (öko)religiöses CO2

I


Herr Holger Narrog

22.07.2014, 08:17 Uhr

Braunkohle ist nach der Kernenergie der Brennstoff mit den niedrigsten Kosten. Insofern ist die intensive Braunkohleverstromung für den Verbraucher sehr positiv.

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