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02.03.2011

14:20 Uhr

Comeback durch Facebook

Holt das Netz Guttenberg zurück?

VonNele Hansen

Im Web lebt der Volkstribun weiter: Über 370.000 Guttenberg-Fans fordern bei Facebook ihren Helden zurück. Aber sind diese Zahlen echt? Es gibt Zweifel.

Hundertausende Facebook-Fans fordern die Rückkehr des coolen Barons - und organisieren schon sein Comeback. Quelle: Reuters

Hundertausende Facebook-Fans fordern die Rückkehr des coolen Barons - und organisieren schon sein Comeback.

DüsseldorfEine riesige Guttenberg-Unterstützer-Welle schwappt offenbar durch das Netz: „Wir wollen Guttenberg zurück“, fordern seine Anhänger bei Facebook. Über 370 000 Anhänger hat die Seite seit Dienstag gewonnen - fast so viele wie Guttenbergs Lieblingsband AC/DC.

Guttenbergs Facebook-Schrein wächst mit rasanter Geschwindigkeit und hat damit schon einen Rekord gebrochen: Weltweit ist noch keine andere Facebook-Seite so schnell gewachsen. Jede Minute kommen rund 1000 neue Fans dazu. Angeblich zählt auch Angela Merkel zu ihnen. Ähnlich erfolgreich ist die Seite „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“.

„Mit so vielen Fans habe ich nie gerechnet. Ich habe mich gefragt, wo die alle herkommen“, sagt Tobias Huch. Der 29-jährige Mainzer Medienunternehmer hat die Seite gegründet – und  ist eigentlich gar kein CSU-Anhänger. Genau wie der Gründer der Seite „Wir wollen Guttenberg zurück“ ist er Mitglied der Jungen Liberalen.

„Ich wollte für mehr Sachlichkeit sorgen. Die Debatte im Bundestag war einfach nur peinlich“, erklärt er sein Engagement. Die beiden größten Guttenberg-Fanseiten arbeiten inzwischen eng zusammen und verlinken sich gegenseitig. Huch hofft, dass er die Marke von 500.000 Fans noch knacken kann.

Allerdings gibt es Vermutungen, dass dem Zahlenwuchs nachgeholfen wird. Bei facebookfanskaufen.com kosten 100.000 Unterstützer 4999 Euro. Das Netz hat für Guttenberg auch seine Schattenseiten. Die akribische Arbeit der freiwilligen Helfer von Guttenplag machte erst das volle Ausmaß der kopierten Textpassagen in seiner Doktorarbeit sichtbar.

Die Pinnwand der Guttenberg-Fan-Seite kann sich derweil vor Einträgen kaum retten. Hier organisieren die KT-Anhänger bereits Demonstrationen für Guttenberg. In zwanzig deutschen Städten soll es am kommenden Samstag zu „Gutti-Back“-Märschen kommen. Viele Nutzer tauschen ihr Profilbild gegen ein Guttenberg-Konterfei und zeigen damit ihre Solidarität.

Die Einträge reichen von Liebeserklärungen bis zu heftigen Diskussionen: „Hallo KT, du bist der einzige Lichtblick in der Polit-Welt, komm zurück!“, fordert ein Guttenberg-Fan. Die Anhänger diskutieren die Fehltritte anderer Politiker wie Strauß, Fischer oder Berlusconi und nehmen ihren „KT“ in Schutz.

„In Italien hat Ministerpräsident Berlusconi eine Sexaffäre mit Minderjährigen und bleibt im Amt, in Deutschland schreibt ein Minister eine gefälschte Doktorarbeit und geht. Typisch Deutschland!“, empört sich ein Mitglied.

Erst entdoktort, dann zurückgetreten - holt das Netz Guttenberg jetzt von den Toten zurück? dpa

Erst entdoktort, dann zurückgetreten - holt das Netz Guttenberg jetzt von den Toten zurück?

Und die Guttenberg-Unterstützer belassen es nicht beim Lamentieren – sie suchen nach Möglichkeiten, ihren Helden in die Politik zurück zu holen. „Die Idee zur Wahl: Auf den Wahlzettel wird einfach ein Kästchen mehr dazu gemalt, hinter das Kästchen dann Karl Theodor zu Guttenberg geschrieben und dann ganz dezent ein Kreuzchen gemacht“, schlägt ein Nutzer vor. Die ungültigen Wahlzettel sollten die Wahlbeteiligung senken und so ein Zeichen setzen.

Der womöglich erschwindelte Doktortitel, das tagelange Lavieren des Ex-Ministers, seine unglaubwürdige Erklärung, er habe nicht bewusst betrogen – der Internetgemeinde ist es egal. Im Gegenteil: „Wir verleihen Karl-Theodor zu Guttenberg den Ehrendoktortitel“, plant ein Facebook-Nutzer – und hat innerhalb einer Stunde schon über 700 Unterstützer gefunden. Andere fordern auf den Facebook-Seiten eine „Petition für Guttenberg“, oder schlagen „Guttenberg für die Bundestagswahl 2013“ vor.

Gerade bei den Jüngeren zeigt sich Trauer über Guttenbergs Rücktritt. Sie vermissen ihren „James Dean“. Das zeigt sich auch in anderen sozialen Netzwerken wie bei StudiVZ. Hier gründeten Studenten die Gruppen „ Zu Guttenberg – Gute Politiker brauchen keinen Doktortitel“ oder „Wir wollen Guttenberg zurück“.

Auch auf Karl-Theodor zu Guttenbergs offizieller Facebook-Seite, die immerhin über 150 000 Anhänger hat, kommentierten knapp 5000 Mitglieder seine Rücktrittserklärung – allerdings kontroverser als auf seinen Fan-Seiten.

Vielleicht zeigt sich hier ein realistischeres Stimmungsbild. Denn deutschlandweit hat Guttenbergs Popularität deutlich abgenommen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Sterns unterstützen 35 Prozent der Deutschen Guttenbergs Rücktritt, eine Woche vorher waren nur 22 Prozent dieser Auffassung. Während Ende Januar noch knapp 60 Prozent Guttenberg für glaubwürdig hielten, waren es zuletzt nur noch 26 Prozent. 

Kommentare (31)

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Robert

02.03.2011, 23:11 Uhr

auf jeden fall zurück mit guttenberg ins amt

daniel_timmerberg

02.03.2011, 23:15 Uhr

Es gibt aber auch mehr und mehr Gruppen, die fordern "Wir wollen Elvis zurück" oder "Lasst Guttenberg Wetten dass..? übernehmen"... der Mann ist zurückgetreten, also lasst ihn doch erstmal wo er ist. Dadurch, dass jemand vom Rücktritt zurücktritt, wird er auch nicht gerade glaubwürdiger.

VokswirtUni

02.03.2011, 23:27 Uhr

Eigentlich sind viele erleichtert, dass er weg ist. Ganz ehrlich, warum traut sich`s keiner sagen. Die Guttenberg-Polit-Show war auch eine Probelauf dafür, ob auch in Deutschland die "einfacheren Gemüter" für politische Ziele mobilisiert werden können, Politik für Dummies eben. Und sie sind zu mobilisieren, wie jetzt Facebook-Pro-Guttenberg-Aktion zeigt. Die Guttenberginszinierungen waren ein an den alten Kontinent angepasstes Plagiat der US-Konservativen-Politik mit ihrem, nichtadeligen, Zugpferd Sarah Palin. Auch dort wird viel Politk durch Show ersetzt. Man kann auch Politik-Leight dazu sagen. Durch den Betrugsskandal von Guttenberg konnte dieser Siegeszug von populistischer niveauloser Politk gerade noch, ich betone gerade noch, von unserem Land abgewendet werden. Und das nur ganz knapp. Das heißt, die etablierten Parteien müssen sich was einfallen lassen, wie sie zukünftig die heranwachsende Generation "unpolitischer Menschen" im Gegensatz zur politischen Nachkriegsgeneration bzw. zu den 68igern erreichen wollen. Wenn ich ganz pessimistisch denke, kann es auch ungewollt ein Probelauf für eine rechtpopulisische Partei gewesen sein. Nicht auszudenken, wenn ein Guttenberg die Ideen von Sarrazin, Wilders oder Le Pen in aktive Politik umsetzt. Ja liebe Leute von Bild und Bunte, wie werden wir die Geister, die ihr rieft, wieder los? Ich weiß es nicht!

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