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24.11.2011

14:52 Uhr

Comeback eines Plagiators

Guttenbergs Masterplan

VonHannes Vogel

Ein Auftritt in Kanada, das Ende des Strafverfahrens, ein Exklusiv-Interview und ein Buch: Karl-Theodor zu Guttenberg strebt mit einem ausgefeilten Masterplan zurück auf die Bühne. Ein Problem bleibt dabei aber.

Ermittlungen gegen Guttenberg eingestellt

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Es begann am Samstag mit einem scheinbar zufälligen Auftritt in Kanada, doch spätestens heute ist klar: Karl-Theodor zu Guttenberg arbeitet mit Hochdruck an seiner Rückkehr auf die politische Bühne in Deutschland. Der gefallene Verteidigungsminister hat die deutsche Öffentlichkeit mit einer genau geplanten Comeback-Kampagne förmlich überrollt.

Auf Guttenbergs ersten Auftritt seit seinem Rücktritt bei einer Sicherheitskonferenz in Halifax am Samstag folgte am Montag die Ankündung seines Interviewbuchs. Am Mittwoch stellte die Staatsanwaltschaft Hof das Strafverfahren gegen den Ex-Minister ein. Und am Donnerstag druckte die Wochenzeitung „ZEIT“ vorab Auszüge aus den Gesprächen ihres Chefredakteurs Giovanni di Lorenzo, die am kommenden Dienstag als Buch unter dem Titel „Vorerst gescheitert“ erscheinen.

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Das Exklusiv-Interview ist der vorläufige Höhepunkt in Guttenbergs PR-Kampagne. Seine wichtigste Botschaft: „Ich schließe nichts aus, aber es gibt bislang keine konkrete Intention. Aber ich werde mit Sicherheit in mein Heimatland zurückkehren und ein politischer Kopf bleiben“, erklärt Guttenberg. Ob er sich danach politisch engagieren will, lässt Guttenberg offen. Ebenso, wann er nach Deutschland zurückkehren will. Guttenberg, der Meister des politischen Formwandels, hält sich alle Optionen offen.

Dass er mit Hochdruck an der Operation Comeback arbeitet, ist bei genauem Hinsehen allerdings klar zu erkennen - allein schon wenn man seine Worte an seinem Handeln misst. „Ich terminiere gerade gar nichts“, gibt Guttenberg im Interview zu Protokoll. Doch schon zu Beginn des Gesprächs fragt sich Zeit-Chef di Lorenzo: „Sie wollen, dass dieses Gespräch noch vor Jahresende erscheint. Warum diese Eile?“ Er wolle die verständlichen Fragen an ihn beantworten, solange seine Erinnerung noch klar genug sei, „bevor man also beginnt, die Dinge selbst zu verwischen“, ist Guttenbergs lapidare Antwort.

Doch Guttenbergs Auftritte sind nicht zufällig, im Gegenteil, er folgt einem Masterplan mit genauem Timing: Schon lange vor seiner Rede in Halifax am Samstag, der Ankündigung seines Buches am Montag und dem Erscheinen des Interviews am Donnerstag wusste Guttenberg, dass die Staatsanwaltschaft Hof das Verfahren gegen ihn einstellen würde. Denn zwischen der Entscheidung der Staatsanwaltschaft, ein Strafverfahren einzustellen, und der Zustimmung des Gerichts dazu liegen durch die umfangreiche Prüfung der Akten notwendigerweise mehrere Tage. „Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft ist nicht in der letzten Woche gefallen“ bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hof gegenüber Handelsblatt Online.

Kommentar: Operation Gutten-Back

Kommentar

Operation Gutten-Back

Nach dem Strafverfahren soll das neue Leben des Karl-Theodor zu Guttenberg beginnen. Doch dem Schummel-Minister geht es nicht um einen ehrlichen Neuanfang, sondern nur um die Operation Gutten-Back.

Gezahlt hat Guttenberg die Geldauflage von 20.000 Euro nach Angaben des Sprechers in dieser Woche, also frühestens Montag. Mit Zahlungseingang musste die Staatsanwaltschaft das Verfahren automatisch einstellen - gerade rechtzeitig, bevor am Donnerstag Guttenbergs Interview erschien. Eine Veröffentlichung zu den Vorwürfen vor der Entscheidung der Ermittler wäre allerdings auch ein Affront gegen die Justiz gewesen.

Kommentare (35)

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MisterFrog

24.11.2011, 15:09 Uhr

So einer wie Herr Guttenberg muß unter allen Umständen zurück in die Politik. Er hat alle Eigenschaften, die ein Politiker in Deutschland offenbar braucht: Selbstüberschätzung, Unglaubwürdigkeit, Ahnungslosigkeit, Blendereigenschaften, nur
zu Herr Guttenberg die warten auf sie !

anonymus_007

24.11.2011, 15:21 Uhr

„Wenn ich bewusst getäuscht hätte, würde ich dazu stehen“
Mit dieser Aussage disqualifiziert er sich selbst!
Entweder er ist so blöd oder er hat das Ding gar nicht selber geschrieben. Das macht es aber auch nicht besser.
Er kann ins Showgeschäft. "Wetten dass" sucht noch einen Nachfolger. Aber ich vergaß, Politik ist mittlerweile ja auch zum Showgeschäft verkommen!
Brot und Spiele, gemischt mit einem Hauch von Glamour, funktioniert bei den Massen halt noch immer!

user1111111

24.11.2011, 15:22 Uhr

Ich verusche jeden Tag die "FAZ" und "Handelsblatt" zu lesen. Leider finde ich nicht immer Zeit dazu.

Heute morgen lag beim Bäcker die "Bild" Zeitung auf der Theke. Und "Bild" ist ja eindeutig PRO Guttenberg.
Ich muss aber sagen, das die "Bild" es heute mit ihrer Titelseite auf den Punkt gebracht hat.
Ein aktuelles Foto von Guttenberg mit den Worten "Überfordert, Dumm und Eitel" war groß auf der Titelseite zu sehen.
Überfordert, Dumm und Eitel. Das sind drei Eigenschaften eines Mannes die eindeutig ausdrücken, das er nicht das Zeug zum Bundeskanzler hat!

Der hat ist nicht einmal ein richtiger Akademiker. Er hat nur das erste Staatsexamen. Und allein das hat er nicht einmal in der Regelstudienzeit geschaftt.
Und von seiner Zeit als "Journalist" wollen wir gar nicht erst anfangen.

Jetzt mal eine Frage an euch alle da draußen. Fühlt ihr euch nicht auf die Füße getretten, wenn ihr den Guttenberg so seht?
Was würde mit euch passieren, wenn ihr an seiner Stelle stehen würdet?
Wollt ihr euch wirklich von den Typen regieren lassen?
Schaut euch mal die TED-Umfrage auf ard.de an. Keiner will den Guttenberg mehr. Der Mann lebt in einer anderen Welt.

Und verschont bitte die Leute die Anti-Guttenberg sind, als Harz4ler oder Rent er zu bezeichnen. 1. ist das respektlos gegenüber beiden Seiten und 2. nach öffentlicher Auffassung liest ein Harz4ler sicherlich nicht "Handelsblatt".

@ Handelsblatt: Danke für diesen Artikel! Sehr informativ!

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