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19.03.2013

19:40 Uhr

Commerzbank-Chefaufseher

Müller verlässt Regierungskommission

Klaus-Peter Müller gibt den Vorsitz der Regierungskommission für gute Unternehmensführung ab. Der Abgang des Commerzbank-Chefaufsehers könnte mit der Diskussion über die Deckelung von Manager-Gehältern zusammenhängen.

Klaus-Peter Müller ist Aufsichtsratschef der Commerzbank. Reuters

Klaus-Peter Müller ist Aufsichtsratschef der Commerzbank.

FrankfurtInmitten der Debatte über eine Deckelung der Manager-Gehälter in Deutschland verliert die Regierungskommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) ihren prominenten Vorsitzenden. Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef der Commerzbank, gebe den Posten auf, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstagabend von zwei Insidern aus dem Umfeld der Kommission.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Mittwochausgabe) hatte vorab ebenfalls darüber berichtet. Müller habe das Bundesjustizministerium und die Kollegen in der Kommission darüber informiert, dass er abtrete. "Das ist ein ganz geordneter Prozess", betonte einer der Insider. Über einen Nachfolger sei noch nicht entschieden, das solle aber bis zum Sommer passieren.

Gehälter ausgewählter Dax-Chefs 2012

Infineon - Reinhard Ploss / Peter Bauer

Zum Ende des Infineon-Geschäftsjahrs (30. September 2012) wechselte auch der Vorstandschef. Reinhard Ploss übernahm von Peter Bauer den Posten.

Bauer hatte 2011/12 insgesamt 2,9 Millionen Euro verdient und damit etwas deutlich weniger als 2011 (3,7 Millionen Euro).

Kurt Bock - BASF

Der Chef des Chemiekonzerns, Kurt Bock, verdiente mit 5,29 Millionen Euro im Jahr 2012 nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Er hatte sein Amt im Mai 2011 angetreten.

Marijn Dekkers - Bayer

Marijn Dekkers, Niederländer an der Spitze des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, hat im Jahr 2012 insgesamt 5,06 Millionen Euro verdient, nach 4,49 Millionen Euro im Vorjahr.

Stefan Heidenreich - Beiersdorf

Ende April hatte Stefan Heidenreich beim Kosmetikkonzern Beiersdorf das Amt des Vorstandschefs übernommen. Im Jahr 2012 verdiente er 2,6 Millionen Euro.

Herbert Hainer - Adidas

Das Adidas-Ergebnis fiel 2012 vor allem wegen eines schwachen Geschäfts der Marke Reebok nicht so rosig aus. Adidas-Chef Herbert Hainer verdiente 2012 insgesamt 4,18 Millionen Euro und damit 28 Prozent weniger als 2011 (5,14 Millionen Euro).

Heinrich Hiesinger - Thyssen-Krupp

Bei Thyssen-Krupp kämpft Vorstandschef Heinrich Hiesinger mit der Aufarbeitung diverser Skandale und Fehlinvestitionen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 (bis 30. September) verdiente er 3,85 Millionen Euro.

Karl-Ludwig Kley - Merck

Der Vorstandschef des Pharmakonzern verdiente 2012 insgesamt 5,52 Millionen Euro und damit fast ein Drittel mehr als 2011 (4,2 Millionen Euro).

Peter Löscher - Siemens

Der Österreicher verdiente im Geschäftsjahr 2011/2012 insgesamt 7,87 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 8,74 Millionen Euro.

René Obermann - Deutsche Telekom

Ende 2013 gibt René Obermann sein Amt an den jetzigen Finanzvorstand Timotheus Höttges weiter. Obermann verdiente 2012 insgesamt 3,78 Millionen Euro und damit nahezu unverändert so viel wie 2011 (3,85 Millionen Euro).

Wolfgang Reitzle - Linde

Der Linde-Chef hat gesagt, kein Interesse an einer Vertragsverlängerung zu haben. Im Jahr 2012 verdiente er bei dem Industriegase-Spezialisten 6,9 Millionen Euro, fast genau so viel wie ein Jahr zuvor.

Kasper Rorsted - Henkel

Der dänische Chef des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns Henkel, Kasper Rorsted, hat im Jahr 2012 insgesamt 6,18 Millionen Euro verdient, ein sattes Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,79 Millionen Euro).

Peter Terium – RWE

Zur Jahresmitte 2012 hatte Peter Terium den Spitzenposten beim Energiekonzern RWE angetreten. Er verdiente im Jahr 3,8 Millionen Euro, ein sinnvoller Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich.

Martin Winterkorn - Volkswagen

Der VW-Chef erhält rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr (2012) und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten.

Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente.

Dieter Zetsche - Daimler

Der Daimler-Vorstandschef hat im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen 8,15 Millionen Euro verdient. Das war etwas weniger als 2011 (8,65 Millionen Euro).

Quelle

Geschäftsberichte / Hostettler, Kramarsch & Partner

Die "FAZ" zitierte aus einem Brief Müllers an die Mitglieder der Kommission. Die fünf Jahre, die er nun in dieser Funktion verbracht habe, habe er immer als eine "gute Amtsperiode" angesehen, hieß es darin. Schon Ende vergangenen Jahres habe er die Entscheidung zum Rückzug "in vollem Einvernehmen" mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger getroffen.

Der Zeitung zufolge signalisierte Müller in seinem Brief aber auch Unverständnis darüber, dass die Bundesregierung mit einer gesetzlichen Regelung dafür sorgen will, dass künftig die Investoren bei börsennotierten Konzernen das letzte Wort über die Höhe der Vorstandsvergütung haben und nicht mehr der Aufsichtsrat. So habe Müller geschrieben: "Ich habe mich in den letzten Tagen in Berlin dafür eingesetzt, die Frage der Abstimmung über Vorstandsbezüge in Hauptversammlungen nicht per Gesetz zu regeln, sondern einer Kodex-Ergänzung anzuvertrauen."

Die Corporate-Governance-Kommission hatte sich zuletzt dafür stark gemacht, dass börsennotierte Unternehmen Obergrenzen für die Gehälter und Boni ihrer Vorstände festlegen und kommunizieren. Außerdem plädiert sie für eine einheitliche Darstellung der Vergütungstabellen in den Geschäftsberichten, um sie besser vergleichbar zu machen. Es handelt sich dabei allerdings nur um freiwillige Regeln für gute Unternehmensführung.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

20.03.2013, 12:00 Uhr

Herr k.P. Müller war sowieso die falsche Besetzung, da er ohne Cool-off Periode sich selbst vom Vostandsvorsitz auf den Aufsichtsrat Vorsitz gewechselt ist. Auch ist die CoBa unter seiner Aegide zum Sanierungsfall verkommen. Er sollte auch bie der CoBa zurücktreten.

Mazi

20.03.2013, 22:02 Uhr

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