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18.01.2010

17:58 Uhr

Cross-Border-Leasing

Leipziger Wasserwerke beklagen Millionenverluste

VonSonia Shinde

Die Bombe platzte Anfang Januar: Bis zu 250 Mio. Euro Verlust bescheren riskante Kreditgeschäfte den Leipziger Wasserwerken. Was als lukratives Geschäft mit US-Finanzinvestoren begann, wird nun zu einem der größten Wirtschaftskrimis der Stadt.

FRANKFURT. Für insgesamt rund 860 Mio. Euro hatten die Wasserwerke ihre Anlagen kurz nach der Jahrtausendwende an US-Investoren verpachtet und mieteten sie gleich wieder zurück. Der Deal: Die Investoren aus Übersee konnten damit Steuern sparen, die Wasserwerke bekamen davon rund 15 bis 20 Mio. Euro ab.

Cross-Border-Leasing (CBL) hieß das Modell und war damals der letzte Schrei bei Städten und Gemeinden. Spülte es doch den chronisch klammen Kommunen Millionen in die Kassen. Leipzig brachte Netze, Schienen, Messehallen im Wert von insgesamt rund fünf Mrd. Euro in das Geschäft, ermittelte das Leibnitz Institut für Länderkunde. Damit ist Leipzig nach Düsseldorf bundesweit die Stadt mit den größten CBL-Beteiligungen.

Als andernorts mit Ausbruch der Finanzkrise ein böses Erwachen drohte, weil die Kommunen Millionen in ihre CBL-Geschäfte nachschießen sollten, atmete man in Leipzig auf. „Bei uns gab es keine Nachschusspflicht, sagt Leipzigs erster Bürgermeister Andreas Müller. Das böse Erwachen gab es trotzdem.

Denn die Chefs der Wasserwerke hatten Anfang 2006 weiter mit den CBL-Geschäften spekuliert. Über ein Konto bei einer Schweizer Großbank in London sollen sie riskante Geschäfte gemacht haben. So sollen sie auf das Cross-Border–Leasing-Geschäft der Wasserwerke mit speziellen Wertpapieren hochspekulative Wetten eingegangen sein. Doch die Wetten gingen schief und nun müssen die Wasserwerke Millionen nachschießen – bis zu 250 Mio. Euro kann die Extratour der Chefs kosten.

„Das ist als ob sie eine Versicherung für ein Einfamilienhaus kaufen und gleichzeitig für einen Wolkenkratzer garantieren“, schimpft Oberbürgermeister Burkhard Jung. Insider sehen vor allem „Provisionsschneiderei“ bei der Bank. „Die haben geguckt, wem sie damals CBL-Verträge verkauft haben und sich gesagt, dem verkaufen wir nochmal was Riskantes“, sagt einer.

Warum die Geschäftsführer der Wasserwerke sich überhaupt auf die Geschäfte einließen – an allen Büchern und Kontrollen vorbei, „ist uns allen ein Rätsel“, sagt Bürgermeister Müller, der oberster Kontrolleur der Wasserwerke ist.Deren Chefs mussten gehen. Gegen sie ermittelt jetzt der Staatsanwalt.

Doch auch für die Bank könnte es unangenehm werden. „Wir prüfen, wer in die Verantwortung genommen werden kann“, sagt ein Insider, „dazu gehört auch die Bank.“ Derzeit führe man Gespräche, um zu eruieren ob das Institut seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen sei, hieß es aus Kreisen des Aufsichtsrats.

Kommentare (5)

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marc

18.01.2010, 19:48 Uhr

ja der öffentliche Dienst, ohne Not dem bänker was abgekauft, wovon man keinen blassen Schimmer versteht und ruck zuck Millionen verspekuliert.
Welche Aufgabe hat eigentlich ein Wasserwerker?
und warum gibt es keine Aufsicht?
erst wenn das Kind im brunnen liegt gibts Geschrei.
warum müssen solche Geschäfte nicht von mehreren Personen abgezeichnet werden
warum macht man überhaupt solche Geschäfte, geht dem Wasserwerk doch gar nix an.
und zum Schluß eine binsenweisheit:
Alles !! hat seinen Preis, es gibt nix umsonst, schon gar nicht im Finanzmarkt.

Heini1946

18.01.2010, 20:00 Uhr

Herrlich, wunderbar. Aber leider zu wenig um in Leipzig neue Montagsdemos loszutreten. Natürlich muss das über höhere Wasserkosten beglichen werden.
Die Schafe lassen sich ja alles gefallen und bis zum letzten Hemd ist es wohl noch weit.
Nur diejenigen, die vor solchen Geschäften immer
gewarnt haben, weil sie gegen den gesunden Menschen-verstand liefen, nutzt das auch nichts. Auch sie müssen dafür blechen. Das Merkel schläfert mit ihren
unhaltbaren Garantien eben alle ein. Das böse erwachen kommt aber, spätestens nach den Wahlen in NRW. Dann wird ihr Django Wolfgang die Kalaschnikow
rausholen und alles niedermachen. Er selbst hat keine weiteren Ambitionen. im Hintergrund bereitet
sich der Hessenkoch auf die Übernahme der Kombüse vor.

Melanie Gatzke

19.01.2010, 12:07 Uhr

Die bombe platzte Anfang Januar: bis zu 250 Mio. Euro Verlust.
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Recht geschieht ihnen. Wie kommen die Leute dazu
1. kommunales Eigentum zu verscherbeln
2. mit dem Geld zu spekulieren
3. Leute an Posiotionen setzen, von denen diese nichts verstehen.
Zitat:ihre Anlagen kurz nach der Jahrtausendwende an US-investoren verpachtet und mieteten sie gleich wieder zurück.
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Glaubten diese im Ernst, diese investoren wollten nicht verdienen? Wie kann man eigene Grundversorgung fremden investoren ausliefern.
Cross-border-Leasing (CbL) hieß das Zauberwort.
Was für eine Dummheit.
Dieses Zauberwort wird zum Verhängnis. Sollen sie doch zahlen für ihre Dummheit. Aber bitte, nicht wieder durch Erhöhung der Gebühren. Persönliche Haftung für Misswirtschaft.
Grundversorgung und infrastruktur verkauft man nicht.Diesen Grundsatz sollten auch die sog. "Modernen" gewählten Vertreter beherzigen. Es ist Eigentum der jeweiligen Kommune, niemand hat das Recht deren Eigentum zu verscherbeln.
sie haben das gut zu verwalten und die Versorgung sicherszustellen.

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