Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.03.2016

14:00 Uhr

Crystal-Meth-Affäre

Causa Beck – von Häme bis Respekt

VonDietmar Neuerer, Désirée Linde, Daniel Delhaes

Die Grünen sind mit Blick auf die Landtagswahlen gespalten, wie hart sie mit dem mutmaßlichen Drogen-Sünder Volker Beck ins Gericht gehen sollen. Er hat bereits seine Ämter niedergelegt – und äußert sich auf Facebook.

Crystal Meth-Affäre

Drogenaffäre stürzt Grüne ins Chaos

Crystal Meth-Affäre: Drogenaffäre stürzt Grüne ins Chaos

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Berlin, DüsseldorfDie Grünen reagieren unterschiedlich auf den mutmaßlichen Drogenfund bei ihrem Parteifreund Volker Beck. Während der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann scharfe Kritik äußert, stärken Fraktionskollegen im Bundestag Beck den Rücken.

Kretschmann sagte im ZDF-„Morgenmagazin“: „Es ist ja schon ein schweres Fehlverhalten.“ Er wisse nicht, ob sich die Vorwürfe auf die drei Landtagswahlen am 13. März auswirken. „Ich kann nur hoffen, dass jetzt solch ein einzelnes Fehlverhalten nicht auf alle übertragen wird. Davon gehe ich mal aus.“

Die Fraktionschefin der Grünen Katrin Göring-Eckardt erklärte den Konsum von Crystal Meth für nicht vereinbar mit der liberalen Drogenpolitik der Grünen. „Grundsätzlich gilt: Crystal Meth ist eine harte und gefährliche Droge und sie ist verboten. Das hat mit liberaler Drogenpolitik nichts zu tun“, sagte Göring-Eckardt der „Bild“-Zeitung. Damit reagierte sie auf eine Erklärung von Beck zu Drogenvorwürfen gegen ihn. Beck hatte versucht, sich damit zu rechtfertigen, dass er „immer eine liberale Drogenpolitik vertreten“ habe.
Göring-Eckart begrüßte Becks Entscheidung, seine Ämter aufzugeben. Das sei richtig, aber ein Verlust für die Grünen, sagte sie. Gleichzeitig sei klar: „auch wenn jemand einen großen Fehler macht, darf die menschliche Dimension nicht vergessen werden. Für Häme ist hier kein Platz“, sagte die Grünen-Politikerin.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte den Fund von 0,6 Gramm „einer betäubungsmittelverdächtigen Substanz“ bei dem Bundestagsabgeordneten bestätigt. Laut „Bild“ soll es sich um die synthetische Droge Crystal Meth handeln.

Crystal Meth: Das ist die Modedroge

Gefährliche Modedroge

Crystal Meth ist eine der gefährlichsten Drogen der Welt. Sie macht extrem schnell abhängig und kann heftige Nebenwirkungen haben. Konsumenten nehmen sie vor allen Dingen, weil sie die Leistung steigern kann. Experten nennen sie eine Modedroge.

In Deutschland immer beliebter

In Deutschland ist Crystal Meth seit Jahren auf dem Vormarsch. Die Zahl der Konsumenten, die erstmals mit der Modedroge auffielen, stieg laut Bundesinnenministerium im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 3138. Besonders in Ostdeutschland erfreut sich die Droge zunehmender Beliebtheit.

Die Wirkungen

Crystal Meth kann leistungssteigernd wirken. Die Droge unterdrückt zudem Müdigkeit, Schmerzen und auch das Hungergefühl. Typische Symptome sind eine gesteigerte Euphorie, extreme Nervosität und ein erhöhtes Selbstwertgefühl. Meist wird Crystal Meth geschnupft, es kann aber auch geraucht, geschluckt oder injiziert werden. Bis zu 70 Stunden kann der Rausch anhalten.

So gefährlich ist die Droge

Die Modedroge macht sehr schnell abhängig und führt zu starken Gesundheitsschäden. Vor allem Langzeitkonsum kann zu Nervenschäden, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen, Zahnausfall, Herzproblemen, Hautentzündungen und Psychosen führen.

Hier wird Crystal Meth hergestellt

Crystal Meth ist insbesondere in Ostdeutschland und an der Grenze zu Tschechien beliebt. Dort wird die Droge in illegalen Labors hergestellt und dann nach Deutschland geschmuggelt. Anfangs waren es noch kleine Mengen, mittlerweile spricht das Bundeskriminalamt von „Kiloeinheiten“.

Crystal Meth und Adolf Hitler

Anders als oft angenommen, ist die Droge keine neuartige Erscheinung, sondern existiert seit mehr als 100 Jahren. Im Zweiten Weltkrieg verabreichte Adolf Hitler seinen Soldaten Crystal Meth, weil es unter anderem das Angstgefühl unterdrückt. Die Droge hatte damals den Spitznamen Panzerschokolade.

Zivilfahnder hatten laut „Bild“ seit Längerem eine Dealer-Wohnung nahe des West-Berliner Nollendorfplatzes beobachtet. Damit sollten vor allem Kunden, Fahrzeuge oder andere Dealer ermittelt werden. Niemand habe jedoch mit der Person gerechnet, die in der Nacht zum Mittwoch das Haus betreten habe. Beck ist demzufolge beim Verlassen der Dealer-Wohnung kontrolliert worden. Die Beamten hätten dabei seine Personalien aufgenommen und die Drogen in seiner Tasche gefunden.

Beck legte daraufhin am Mittwoch seine Ämter als innen- und religionspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion und als Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe nieder. Ob er sein Bundestagsmandat behält, ist offen. Rein rechtlich dürfte er das. Druck könnte es aber allerdings aus seiner Fraktion und vom politischen Gegner geben.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hans Mayer

03.03.2016, 13:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Alex Lehmann

03.03.2016, 13:43 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Kurt Siegel

03.03.2016, 13:46 Uhr

Jetzt ist klar, warum die grünen Gutmenschen sich für solch dröge Forderungen wie Freigabe von Sex mit Kindern oder den Veggieday stark machten, sie waren zugedröhnt mit Dope.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×