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20.01.2007

19:20 Uhr

CSU-Personaldebatte

Mehr Tumulte statt Einigung

Die CSU-Interne Personaldebatte um die Nachfolge von Edmund Stoiber hat sich am Samstag noch verschärft. Trotz Bemühungen der Parteispitze um eine Schlichtung bleibt Horst Seehofer bei seiner Absicht, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Zusätzlich schalten sich weitere Stimmen in die Diskussion ein.

Horst Seehofer (l.) hält an seiner Kandidatur für den CSU-Vorsitz fest. Foto: dpa Quelle: dpa

Horst Seehofer (l.) hält an seiner Kandidatur für den CSU-Vorsitz fest. Foto: dpa

HB BERLIN. Die CSU kommt nicht zur Ruhe. Bemühungen der Parteispitze, eine Kampfkandidatur um den CSU-Vorsitz zu verhindern, erlitten am Samstag einen Rückschlag. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer wies Appelle des bayerischen Innenministers Günther Beckstein zurück, auf eine Bewerbung zu verzichten. Seehofer griff zugleich seinen Konkurrenten, Wirtschaftsminister Erwin Huber, und Beckstein an. Er warf ihnen schlechten Stil vor. CSU-Rebellin Gabriele Pauli erwägt, stellvertretende Parteichefin zu werden.

Zwar sei Seehofer als CSU-Vize und bundespolitisches Schwergewicht sicher ein potenzieller Kandidat, sagte Beckstein der „Bild“-Zeitung. „Trotzdem würde er seiner Partei einen großen Dienst erweisen, wenn es nicht zu einer Kampfkandidatur käme. Das wäre ein Signal der Geschlossenheit.“ Seehofer reagierte empört. Es sei „ein eigenartiger Vorgang“, dass ihn Beckstein zum Verzicht auffordere, „ohne dass er zuvor mit mir gesprochen hat“, betonte Seehofer im „Spiegel“. „Das ist kein guter Stil.“ Zugleich kündigte der Bundesminister eine Erklärung zu Presseberichten an, er habe eine außereheliche Beziehung.

Seehofer bekräftigte seine Absicht, auf dem CSU-Parteitag im September notfalls gegen Huber anzutreten. „Ein fairer Streit ist ein Gewinn für eine Volkspartei und keine Belastung.“ Auch Huber erneuerte seine Ambitionen und warb für ein Duo mit ihm als CSU-Chef und Beckstein als Ministerpräsidenten. Er wäre der bessere Vorsitzende, weil er die Reihen der CSU schließen könne und für „die ganze Bandbreite einer konservativ-liberalen Volkspartei“ stehe, sagte Huber „Bild am Sonntag“. Mit Kungelei habe es nichts zu tun, dass er sich mit Beckstein einig sei.

Stoiber hatte am Donnerstag erklärt, zum 30. September als Ministerpräsident und CSU-Chef zurückzutreten. Während Beckstein als neuer Regierungschef als gesetzt gilt, tobt ein Streit um den Vorsitz. Nach Angaben aus CSU-Kreisen bereitet die CSU-Spitze in München einen Kompromiss vor, Seehofer einen Kandidatur-Verzicht leichter zu machen. Ihm solle eine „besonders herausgehobene Stellung“ in der CSU-Führung angeboten werden. So könne der Posten des „ersten Stellvertreters des Parteivorsitzenden“ geschaffen werden, hieß es. Außerdem solle Seehofer in Berlin bleiben können. Der Minister sagte Reuters TV, ihm sei bislang nichts dergleichen angeboten worden.

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