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17.10.2014

11:45 Uhr

CSU-Politikerin Wöhrl zur Flüchtlingspolitik

„Die Zeit des Unterlassens muss vorbei sein“

VonDietmar Neuerer

ExklusivWeil sie sich für die private Unterbringung von Flüchtlingen stark gemacht hat, erhielt Dagmar Wöhrl Morddrohungen. Das hat sie schwer getroffen. Die CSU-Abgeordnete will aber weiter für ihre Position kämpfen.

Dagmar Wöhrl bei einem Besuch in einem Nürnberger Flüchtlingszelt. (Foto: Privat)

Dagmar Wöhrl

Dagmar Wöhrl bei einem Besuch in einem Nürnberger Flüchtlingszelt. (Foto: Privat)

Dagmar Wöhrl weiß, dass das Thema Flüchtlings- und Asylpolitik hoch emotional ist. Und die CSU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung weiß nur zu gut, dass die Politik im Fokus steht, wenn es darum geht Lösungen für die Betroffenen zu finden. Wöhrl kommt aus Bayern, wo in so genannten Erstaufnahmeeinrichtungen teilweise chaotische Zustände herrschen. Die Nürnbergerin hat sich daher für eine Unterbringung von Flüchtlingen auf freiwilliger Basis in Privathaushalten ausgesprochen.

Doch seit sie diesen Vorschlag gemacht hat, wird sie teilweise persönlich bedroht. Sie sei „erschüttert, in welcher Form ich per Facebook, Twitter, über meine Homepage und per Telefon angegangen und beschimpft wurde“, sagt sie im Interview. „Manche Menschen verlieren leider im Netz jede Scham und glauben, dass Politiker oder Andersdenkende Freiwild sind.“ Aufgeben will sie deshalb aber nicht. Sie will ihre Position künftig sogar noch entschiedener vertreten.

Frau Wöhrl, Sie haben sich für eine Unterbringung von Flüchtlingen auf freiwilliger Basis in Privathaushalten ausgesprochen – und sehen sich jetzt massiver Kritik ausgesetzt. Sie selbst sprechen von „Beschimpfungen“ – was meinen Sie damit konkret?

Dagmar Wöhrl: In den vergangenen Wochen haben sich vermehrt Bürger bei mir gemeldet, die von sich aus und auf freiwilliger Basis, Flüchtlinge bei sich aufnehmen möchten. Allerdings fehlt ein bundesweit einheitlicher Rahmen für die freiwillige Aufnahme von Flüchtlingen in Privathaushalten. Wenn hilfsbereite Menschen ihre Türen für Flüchtlinge öffnen wollen, dann sollten wir diese nicht durch staatliche Schranken verschließen. Für diesen Vorschlag bekam ich zunächst viel Zuspruch.

Die Stimmung änderte sich aber schlagartig, nachdem das RTL-Mittagsmagazin Punkt 12 in einem Beitrag behauptet hatte, ich würde die Menschen dazu verpflichten wollen, Flüchtlinge zuhause aufzunehmen. Dies stellte RTL dann am nächsten Tag in einem neuen Beitrag und auf seiner Facebookseite zwar richtig, da war das Kind aber schon in den Brunnen gefallen.

So kommen die Flüchtlinge nach Europa

Lampedusa

Lampedusa ist ein beliebtes Ziel für Flüchtlingsboote. Die italienische Mittelmeerinsel liegt nahe der nordafrikanischen Küste. Doch es gibt noch andere Routen über die Flüchtlinge nach Europa gelangen.

Quelle: Frontex Annual Risk Analysis 2013

Osteuropäische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 407

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Ukraine: 330
Afghanistan: 52
Vietnam: 47

Balkan-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 5.634

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Afghanistan: 1.693
Syrien: 1.139
Kosovo: 979

Östliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 12.962

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 8.241
Afghanistan: 2.488
Somalia: 760

Albanien-Griechenland Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.515

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Albanien: 3.466
Mazedonien: 14
Georgien: 13

Apulien und Kalabrien

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 7.751

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 3.040
Nigeria: 684
Eritrea: 475

Zentrale Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 56.446

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Eritrea: 17.829

Unbekannt: 9.494
Syrien: 8.588

Westliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.331

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Mali: 783
Kamerun: 730
Guinea: 294

Westafrikanische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 146

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Marokko: 30
Mali: 24
Guinea: 16

Es soll auch Morddrohungen gegeben haben.

Man darf dies nicht zu ernst nehmen. Entscheidend ist, dass wir über die inhaltlichen Themen diskutieren und Lösungen finden. Mich ärgert nur, dass solche Menschen mit ihrer einseitigen Polemik die Debatten verzerren.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Ich bin nun seit 20 Jahren im Deutschen Bundestag, da habe ich schon so einiges erlebt und so manche Shitstorms überlebt, deshalb messe ich dem Ganzen auch nicht allzu viel Bedeutung bei. Je mehr digitale Empörungswellen es gibt, desto unbedeutender werden sie im Einzelnen.

Kommentare (31)

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Herr Helmut Paulsen

17.10.2014, 12:00 Uhr

Deutschland ist nicht das Sozialamt für Afrika und Naher Osten.

Das sollte sogar die CSU begreifen.

Warum werden die als "Flüchtlinge" bezeichnet ? Sogar die Kurden in der Türkei in Zeltlagern aus Kobane wollen sofort zurück nach Kobane wenn dort nicht mehr gekämpft wird. Das ist doch anerkennswert ! Aber woher kommen die anderen alle von Marokko bis Irak ? Wer bringt die nach Deutschland zu Hunderttausenden ?

Warum soll Deutschland zugestopft werden ? Je mehr reinkommen - umsomehr kommen hinterher. Will die CSU das ?

Herr Helmut Paulsen

17.10.2014, 12:02 Uhr

In der Bibel steht auch viel Schmarren. Es gibt auch sehr viele fleissige, friedliebende Moslems. Das will ich ihnen gern zugestehen.

Nur müssen die nicht alle in Deutschland zu hause sein oder herkommen wollen. Schon aus der Türkei haben wie 10x mehr Zuwanderer in Deutschland als der Durchschnitt ALLER anderen Zuwanderer.

Mit der ungebremsten Zuwanderung entsteht natürlich auch berechtigter "gesellschaftlciher Gegendruck" - wer das nicht anerkennt ist naiv oder hinterhältig. Das hat mit "fremdenfeindlich" nichts zu tun !

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Der Kampf gegen IS ist der "Lackmustest" für alle islamischen Staaten, ob sie wirklich bereit sind gegen Extremisten vorzugehen. Türkei hat schonmal nicht bestanden.

IS ist nach meiner Meinung eine künstliche Inszenierung, ausgestattet mit Waffen und Geld, die sunnitischen Extremisten und allen anderen "Kämpfern" als Magnet dient, wenn sie gegen den Westen kämpfen und ggf auch sterben wollen - dann können sie das dort - und nicht bei uns zu hause - hoffentlich !

Die USA sind dabei in der Zwickmühle - einerseits wollen sie den IS-Magnet behalten, so lange es Extremisten gibt die da hinwollen - zum anderen müssen sie natürlich IS bekämpfen.

Schwierig !

Gleichzeitig wird daurch Europa überschwemmt mit Flüchtlingen - das ist durchaus gewollt dabei weil Bestandteil des Konzeptes "Neue Weltordnung". Gemischte Lemmings-Welt. Was soll das ??

Herr Roman Tersano

17.10.2014, 12:16 Uhr

Hohe deutsche Asylleistungen sind Grund für Asylbewerber-Ströme

Die Äußerungen der Frau Wöhrl sind vor dem Hintergrund zynisch, dass diese ganze Asyleinwanderung auf nunmehr Völkerwanderungsniveau eine direkte Folge der deutschen Asylpolitik ist. Sie ist als solche auch vollkommen vermeidbar.

Die Asyleinwandeer auf Afrika und Arabien, –welche sämtliche etablierte Parteien als "Flüchtlinge" verherrlichen – wandern nämlich zielgerichtet in jene Länder mit den großzügisten Asylsystemen ein -- allen voran Deutschland, während sie die weniger großzügigen und armen europäischen Länder meiden.

Die Länder mit geringer Asylbewerber-Einwanderung verweigern sich keiner Verantwortung!

Es kann nicht sein, dass Deutschland die Hauptlast tragen muss, während andere sich komplett verweigern.

– Diese anderen Länder verweigern sich keiner Verantwortung, sie locken nur deutlich weniger Afrikaner und Araber mit ihren deutlich geringeren Asylleistungen an. So einfach ist es.

Der Asylbewerberzustrom würde ingesamt, nach ganz Europa, geringer werden, wenn endlich die Anreiße, wie sie Länder wie Deutschland mit ihren üppigen Asylleistungen schaffen, beseitigt würden.

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