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21.01.2007

09:25 Uhr

CSU

Stoiber soll noch früher gehen

Die CSU kommt nicht zur Ruhe: Für neue Spekulationen sorgte jetzt Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Er deutete an, dass die Übergabe der Ämter Edmund Stoibers schon vor dem Herbst vollzogen wird. Viele hochrangige Parteifreunde formulieren bereits die Nachrufe. Heute allerdings hat der Bayern-Regent noch einen großen Auftritt.

HB KÖLN/MÜNCHEN. Zum Rückzug des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber ist nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Überlegungen, dass Stoiber erst im September von seinen Ämtern als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender zurücktritt, seien „sicher noch nicht zu Ende“, sagte Glos am Sonntag im Deutschlandfunk. Stoiber bespreche sich in diesen Tagen mit seinen Freunden, danach werde man sehen, wie das am Schluss gestaltet werde.

Zu der Entwicklung in seiner Partei sagte der Minister, in der Politik spielten Stimmungen eine große Rolle. Und Dank für Geleistetes gäbe es auch nicht. Es komme immer wieder zu Wechseln, die aber oft nicht von den Amtsinhabern gestaltet würden. Stoiber sei in 14 Jahren Ministerpräsident ungeheuer erfolgreich gewesen. „Und da besteht natürlich die Gefahr, dass man zu sehr den sachlichen Erfolg sieht“, sagte der ehemalige CSU-Landegruppenchef.

Die Gefühle der Menschen gingen mit diesen Leistungen nicht immer einher. „Es gab Brüche und es gab auch eine gewisse Enttäuschung.“ Stoiber habe seine Kraft eingesetzt, um zu gestalten und nicht nur, um zu jedermann freundlich zu sein.

 Bildergalerie: Stoibers politische Karriere

Auch nach Ansicht des designierten Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) ist Stoiber nicht zuletzt an eigenen Fehlern gescheitert. Der langjährige Regierungs- und Parteichef sei „Opfer einer Entwicklung geworden, die durch den einen oder anderen Fehler von ihm befördert worden ist“, sagte Bayerns Innenminister der „Welt am Sonntag“. Hinzu komme, dass in der Demokratie „der Wechsel eine Notwendigkeit ist“.

Es sei sicher so gewesen, „dass verschiedene Entscheidungen von Edmund Stoiber von erheblichen Teilen der Bevölkerung, aber auch der CSU-Mitglieder als falsch und unverständlich empfunden worden sind“. Beckstein nannte vor allem den nicht vollzogenen Wechsel Stoibers von München ins schwarz-rote Berliner Kabinett nach der Bundestagswahl 2005.

In der CSU war am Samstag der Machtkampf um die Nachfolge Stoibers weiter eskaliert: Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer meldete erneut seine Ansprüche auf das Partei-Spitzenamt an und warf seinem Konkurrenten Erwin Huber sowie Bayerns designiertem Ministerpräsidenten Günther Beckstein unfaire Methoden vor. Mehrere CSU-Spitzenpolitiker appellierten dagegen mit Blick auf eine Doppelspitze Huber/Beckstein an Seehofer, einer einvernehmlichen Lösung zuzustimmen. Stoiber will heute bei einem Gespräch mit seinem Stellvertreter Seehofer einen Ausweg suchen.

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