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20.11.2015

14:39 Uhr

CSU und Seehofers Traumnachfolger

Das KT-Gespenst geht in München um

VonRüdiger Scheidges

Intrigenspinner Markus Söder ist es nicht, ebenso wenig Konkurrentin Ilse Aigner: Am Hofe Horst Seehofers wird ein anderes Porträt eines Kronprätendenten gemalt. Eine reale Person – gäbe es nicht einen kleinen Makel.

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer (l.) sucht einen würdigen Nachfolger. dpa

Das KT-Gespenst

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer (l.) sucht einen würdigen Nachfolger.

Alle in Bayern, aber auch in Berlin fragen sich: Wie sieht der ideale Kronprinz Horst Seehofers aus, einer oder eine, die ihn – oder vielleicht sogar Angela Merkel? – im Jahre 2018 beerben könnte.

Klar ist: Der böse Intrigenspinner am bajuwarischen Hofe Seehofers, Mephistofeles Markus Söder, ist es nicht. Zumindest nicht in den Augen des CSU-Chefs und Ministerpräsidenten des Freistaats. Und auch Ilse Aigner, jene von der Bundespolitik in die Niederungen der bayerischen Landespolitik tollkühn herabgestiegen Konkurrentin Söders soll es – wiederum zumindest in den Augen Seehofers – auch ganz und gar nicht sein.

Am Hofe Seehofers zu München wird ein ganz anderes Porträt eines Kronprätendenten gemalt, eines, das der Ministerpräsident höchstselbst abgenickt hat. Der politische Steckbrief sieht folgendermaßen aus: Der Nachfolger soll ein Mann sein. Er soll mehr und vor allem weltläufiger als ein nur homegrown-Gewächs sein, dessen Perspektiven im Süden von den Alpen und im Norden vom Main begrenzt ist.

Dennoch soll er ein echter Bayer aus allerbester Familie sein, im besten Falle ein gebürtiger Münchner. Das Idealalter, das die Porträtisten nun ins Bild rücken sollen, soll etwa zwischen 44 und 45 Jahre alt sein. Er soll, natürlich, große Erfahrung in der Bundespolitik haben, aber auch ein paar Jahre im Ausland gelebt haben, vorzugsweise in den USA.

CDU und CSU – Streit unter Schwestern

Parteichefs

Aus früheren Jahren sind vor allem Zerwürfnisse zwischen den früheren Parteichefs Helmut Kohl (CDU) und Franz Josef Strauß (CSU) in Erinnerung. 1976 hatte die CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth beschlossen, ihre Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag aufzukündigen, um sich auf die ganze Bundesrepublik ausdehnen zu können. Nach dreiwöchigem Streit fanden die Parteien wieder zusammen.

Sozialpolitik

2004 war vor allem die Sozialpolitik Reizthema. Nach monatelangem Streit einigten sich CDU-Chefin Angela Merkel und der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber auf einen Gesundheitskompromiss. Noch wenige Wochen zuvor hatte Stoiber die Eckpunkte des CDU-Modells als „unannehmbar“ kritisiert. Auch der damalige Unionsfraktionsvize Horst Seehofer hatte mit wiederholter Kritik an der CDU für Verstimmungen gesorgt.

Steuerpolitik

2008 entzweite ein Streit um Steuersenkungen die Schwestern. Um Druck auf die Kanzlerin zu machen, drohte CSU-Chef Seehofer angeblich damit, einen Koalitionsausschuss platzen zu lassen, falls Merkel der CSU-Forderung nach Steuersenkungen nicht nachgibt. Merkel setzte sich damit durch, trotz der Wirtschaftskrise auf rasche Steuersenkungen zu verzichten; Seehofer ließ sich beim Koalitionsausschuss vertreten.

Europolitik

2012 ging Seehofer in Sachen Euro-Rettung auf Konfrontationskurs. Für den Fall weiterer Zugeständnisse an die Euro-Krisenstaaten drohte er mit einem Bruch der Koalition. Merkel mahnte bei der CSU mehrfach Zurückhaltung an. Seehofer: „Dieser Versuch, etwas undiskutierbar zu machen, weil man jemanden in die Ecke des Euro-Skeptikers stellt, da werde ich ganz allergisch.“

Verkehrspolitik

Lange kämpfte die CSU für ihr Projekt Pkw-Maut gegen Widerstand auch von der Schwesterpartei. Weil die CDU dagegen war, fehlte die Maut 2013 im gemeinsamen Unionsprogramm für die Bundestagswahl. Die CSU nahm sie daraufhin in ihr eigenes Programm auf. Seehofer stellte klar: „Ich unterschreibe als CSU-Vorsitzender nach der Bundestagswahl keinen Koalitionsvertrag, in dem die Einführung der Pkw-Maut (...) nicht drin steht.“
Merkel konterte in einem TV-Wahlduell: „Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben.“ 2014 warnte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer die Schwesterpartei: „Die Geduld der CSU ist langsam aufgebraucht.“
2015 wurde die Pkw-Maut beschlossen - ohne dass die Kritik verstummte.

Finanziell soll er unabhängig sein, sich weder irgendwelchen bayerischen Milchmagnaten noch Bäderkönigen anbiedern müssen. Den bayerischen Automobilbauern soll er sehr gewogen und auch in der digitalen Moderne bereits angekommen sein. Erfahrungen mit IT, bestenfalls auch im Gestrüpp der Brüsseler Megabürokratie gestählt, soll er auch mit ins Amt bringen.

Er soll also das schaffen, was Horst Seehofer nicht gelungen ist: das moderne Image Bayerns von Lederhose mit Laptop vorantreiben. Dazu darf er, der auch bei den Frauen gut ankommen soll, sich ruhig die Haare gelen und eine schwarze Hornbrille tragen, er darf eine hübsche blonde Frau haben, womöglich auch noch ein paar Kinder nebst Adelstitel und natürlich bayerisch-forsch und fesch auftreten können. Und er muss natürlich ein Herz und eine Seele mit dem noch amtierenden Herrscher Seehofer sein, dessen Vertrauen genießen und auch in Zukunft stets ein offenes Ohr für ihn haben.

Ein solch höchst vorzeigbarer, edler Politikritter und Kronprinz sollte im Idealfall auch noch die bayerisch-selbstlose Bereitschaft mitbringen, im absoluten Notfall nationaler Flüchtlingskrisen, einmal gegen die mecklenburg-vorpommersche Kanzlerin Angela Merkel antreten können. Zumindest sollte er von noblem Habitus und weltläufiger Nonchalence getrieben, dieses Rollenspiel mit wahrhaft blendender Attitüde demonstrativ beherrschen können.

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Wäre da nicht ein klitzekleiner Makel im Lebenslauf einer völlig realen Person, so gäbe es diesen Thronprätendenten, Potzblitz!, tatsächlich im wahren Leben. Er ist auch tatsächlich Seehofers Favorit für alle möglichen Ämter auf bayerischer wie deutscher Ebene und erfüllt auch sonst alle Anforderungen an einen ganz großen Politiker von Seehofers Gnaden.

Hätte er nicht den verdammten Ruf am Hals, ein Blender und Plagiator zu sein, wer weiß, ob Horst Seehofer schon am morgigen Samstag nicht den Karl-Theodor zu Guttenberg wie Kai aus der Kiste ziehen würde und seinen Parteifreunden als den einzig wahren, nämlich einzig geeigneten Nachfolger präsentieren.

Man weiß ja, dass Seehofer den ehemaligen Verteidigungs- und Wirtschaftsminister seit langem umgarnt, zuletzt dieser jüngsten Tage noch, doch endlich mal über die abgeschriebene Doktorarbeit zu springen und neue politische Ufer zu erobern. Wie man am Hofe Seehofer aus verlässlicher Quelle hört, ziert sich der Nobelmann der CSU noch. Zuletzt bei einem entsprechenden Gespräch diese Woche in Preußens Metropole Berlin.

Kommentare (7)

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Herr Werner Reuter

20.11.2015, 15:02 Uhr

Schafft es die CSU, diesen Makel in der öffentlichen Wahrnehmung akzeptabel zu machen, hätte sie mit Guttenberg einen Trumpf in der Hand, dem aktuell keine andere Partei auch nur ansatzweise etwas Gleichwertiges entgegen zu setzen hat.
Dass so etwas möglich ist, zeigen ja auch die anderen Parteien wie z. B. die Grünen mit Herrn Hofreiter (Steuerhinterziehung) oder auch Cem Ozdemir (Privatkredit bei einem Lobbyisten, u. a.), die noch oder wieder hoffähig sind, auch bei Frau v. d. Leyen läuft ja eine Überprüfung ihres Doktortitels wegen Plagiatsverdachtes.

Herr Peter Delli

20.11.2015, 15:11 Uhr

Der Betrüger-Baron paßt doch gut zur politischen Elite. Man weiß auch gleich bescheid, wem man vor sich hat.

Lothar dM

20.11.2015, 15:20 Uhr

Den Guttenberg braucht keiner, ist ein Blender, und das fällt über kurz oder lang immer auf. Also was soll dieser Nonsens-Artikel, die Guttenberg-Werbung hier.

An dem Mann ist alles Makel, vor allem weil der nicht authentisch ist.

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