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13.11.2017

10:31 Uhr

CSU verliert an Boden

„Ich glaube, dass sich momentan viele angewidert von der CSU abwenden“

Der CSU-Europavorsitzende Markus Ferber zeigt sich verärgert über die internen Konflikte seiner Partei. Er warnt davor, dass sich Wähler angesichts des Streits abwenden. Und verteilt mahnende Worte an CSU-Funktionäre.

CSU: Markus Ferber zeigt sich über interne Konflikte verärgert dpa

Rückendeckung für Seehofer

Der angeschlagene bayerische CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer bekommt Rückendeckung aus Brüssel. Er mache „einen ordentlichen Job“, findet CSU-Europachef Markus Ferber.

BerlinDer Vorsitzende der CSU-Europagruppe Markus Ferber hat sich verärgert über die Personaldiskussion in seiner Partei über Parteichef Horst Seehofer geäußert. Er teile die Mahnung der Chefin des größten CSU-Bezirks Oberbayern Ilse Aigner, dass sich jetzt alle erst einmal etwas zurücknehmen sollten, sagte er am Montag im Deutschlandfunk. „Ich glaube schon, dass momentan viele, gerade in Bayern, sich nicht mehr amüsieren, sondern angewidert von der CSU abwenden und dieses Spektakel nicht mehr sehen wollen.“ Ferber ist nach eigenen Worten enttäuscht, dass die Verabredung in seiner Partei nicht eingehalten werde, bis zum nächsten Wochenende in Hinblick auf die Personaldebatte „Ruhe zu geben und nach innen beruhigend zu wirken“.

Die in Machtkämpfe verstrickte CSU verliert bei den Wählern in Bayern einer Umfrage zufolge weiter an Zuspruch. Laut einer am Montag veröffentlichten Erhebung des Forsa-Instituts im Auftrag von RTL würden nur noch 38 Prozent der Befragten in dem Bundesland für die CSU stimmen. Bei der Landtagswahl 2013 waren es noch 47,7 Prozent. Sollte eine neue Bundestagswahl anstehen, wollen lediglich noch 36 Prozent der Befragten ihr Kreuz bei der Schwesterpartei der CDU machen - das wären drei Prozentpunkte weniger als das Wahlergebnis der CSU im September.

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In Bayern wird im Herbst 2018 ein neuer Landtag gewählt. Dem Trendbarometer von RTL und n-tv zufolge sind 72 Prozent der Bayern dafür, dass Horst Seehofer seine Ämter als Ministerpräsident und CSU-Chef räumt. Unterschiede gibt es aber in der Bewertung, wer für das schlechte Ergebnis der CSU bei der Bundestagswahl in erster Linie verantwortlich ist: So gaben von allen Befragten in Bayern 52 Prozent der CSU die Schuld. Bei den CSU-Anhängern sahen indes 58 Prozent die Verantwortung bei Kanzlerin Angela Merkel und der CDU und nur 34 Prozent bei der CSU. Seehofer und Bayerns Finanzminister Markus Söder ringen derzeit um die Macht in der Partei und die Führung im größten Bundesland. Forsa befragte für die Erhebung vom 6. bis 9. November 1017 Menschen in Bayern.

Ferber mahnte mit Blick auf die Koalitionssondierungen, es werde seiner Partei nicht gelingen, erfolgreich in den nächsten Landtagswahlen in Bayern zu sein, „wenn wir in Berlin nicht einen ordentlichen Job machen“. Und hier mache Seehofer derzeit einen „ordentlichen Job“.

Es könne nicht darum gehen, Seehofer jetzt diese Arbeit machen zu lassen und sich danach von ihm zu verabschieden. Die CSU müsse vielmehr die bestmögliche Aufstellung finden. Bayern Finanzminister Markus Söder, der als großer Rivale von Seehofer gilt, nannte Ferber einen derjenigen, der dabei jetzt gefordert sei.

Von

rtr

Kommentare (11)

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Herr Marcel Europaeer

13.11.2017, 12:13 Uhr

Die CSU hat versucht, die zu den Rechtspopulisten abgewanderten Wähler dadurch zurück zu holen, indem sie teilweise deren Plattitüden und sogar deren Hetze übernommen und damit auch "salonfähig" gemacht. So wird die CSU die abhanden gekommenen Wähler nicht zurück gewinnen. Die wählen dann das Original.

Die CSU muss sich der ungleich schwereren Aufgabe annehmen, die vernünftigen der abtrünnigen Wähler davon zu überzeugen, dass Rechtspopulisten ihren Zulauf nur dadurch erhalten, indem sie Probleme frei erfinden, absurd überzeichnen und Ängste schüren, aber keinesfalls Lösungen oder Alternativen anbieten.

Herr Herbert Maier

13.11.2017, 12:19 Uhr

Ich glaub eher die Wähler haben gemerkt dass Seehofer nur bellt aber nie beißt. Der mag vielleicht einige vernünftige Argumente der Opposition wiederholen, aber es sind bei ihm halt nur geschwungene Reden, denen keine Taten folgen, obwohl er ja mit an der Regierung sitzt. Die Wähler werden ihn deswegen so langsam genauso wenig ernst nehmen wie Merkel das tut. Irgendwann fällt die Fassade.

Herr Heinz Keizer

13.11.2017, 13:01 Uhr

Die CSU hat bei den letzten Bundestagswahlen deutlich schlecht abgeschnitten. Da war von einer Kampagne gegen Seehofer noch keine Rede. Die CSU hat nach der Wahl schon bei Frau Merkel ihre Ansichten nicht ansatzweise durchsetzen können. Wenn das jetzt auch noch durch Koalitionsvereinbarungen verwässert wird, landet die CSU bei der Landtagswahl 2018 bei 30 %, mit oder ohne Seehofer. Die Umfragen besagen nichts. Da wird nur abgefragt, was der Fragende hören will. In der Wahlkabine entscheiden die Menschen. Wenn man da seine "Meinung" kundtut, wird man nicht als Rechtsextremer, Ausländerfeind oder Islamophob beschimpft. Öffentlich trauen sich doch viele nicht, die wirklichen Probleme im Land anzusprechen. Wenn die CSU im nächsten Jahr einbricht, könnten möglicherweise 20 - 30 Abgeordnete der CSU nicht mehr in den Landtag einziehen. Denen ist ihr Hemd (Mandat) näher, als die Jacke (Seehofer).

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