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26.01.2007

13:43 Uhr

CSU-Vorsitz

Stoiber kann bayerische Dickschädel nicht überreden

Auch der Noch-CSU-Chef Edmund Stoiber hat die beiden Kontrahenten im Kampf um seine Nachfolge nicht zu einer Einigung bewegen können: Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer und Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber halten ihre Kandidaturen aufrecht.

Quelle: Reuters

Quelle: Reuters

HB MÜNCHEN. Stoiber, der im Herbst sowohl als Parteichef als auch als bayerischer Ministerpräsident aufhören will, sagte nach einem Krisengespräch mit Huber und Seehofer am Freitag in München, er wolle aber in den nächsten zwei bis drei Wochen doch noch eine Einigung erreichen, denn sonst drohe der CSU eine Zerreißprobe.

„Wenn hier Fehler gemacht werden, werden wir das 2008, 2009 natürlich spüren“, warnte Stoiber mit Blick auf die bayerischen Kommunal- und Landtagswahlen und die Bundestagswahl. „Wir wollen alle Köpfe dabei haben, wir brauchen die beste Mannschaft“, fügte der im September ausscheidende CSU-Chef und Ministerpräsident hinzu. Bundesagrarminister Seehofer wie der bayerische Wirtschaftsminister Huber seien bereit, den CSU-Parteitag im September entscheiden zu lassen. Das wäre zwar ganz demokratisch.

„Aber ich mache mir natürlich Sorgen, dass das zu Auseinandersetzungen in der Partei führen könnte - nicht unter den Beteiligten, aber unter den Anhängern“, erklärte Stoiber. Deshalb bemühe er sich, eine Nachfolgeregelung „in größtem Einvernehmen zu erreichen. Das wäre für die Partei die beste Lösung.“

Huber hatte vor dem dreistündigen Gespräch in der Staatskanzlei betont: „Ich würde mir zutrauen, in großer Kollegialität mit vielen anderen die Verantwortung zu übernehmen.“ Trotz des Machtkampfes sei die CSU weiter handlungsfähig: „Wir sind in einem sehr geordneten Diskussionsverfahren. Es gibt keinen Grund, von Krise zu reden“, sagte Huber. Seehofer äußerte sich nicht.

Stoiber sprach nach dem Treffen von einer sehr offenen Aussprache, bei der „sehr viel Vertrauen gebildet“ worden sei. „Es hat keinen Kampf gegeben, auch keine Verletzungen“, berichtete er lachend. Die Gespräche würden jetzt in verschienen Konstellationen fortgesetzt. „Mein Bemühen ist es, dass wir eine einvernehmliche Lösung hinbekommen“, betonte Stoiber und zitierte einen „großen bayerischen Philosophen: Schau'n mer mal, dann seh'n mer scho'.

Der bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel und der stellvertretende CSU-Chef Ingo Friedrich hatten zuvor gefordert, den Machtkampf offen auszutragen. Die CSU solle sich nicht dem Vorwurf aussetzen, „die erst beginnende Diskussion durch eine abrupte Erklärung abzubrechen“, sagte Goppel der „Passauer Neuen Presse“. Er wolle von beiden gerne ein bisschen mehr wissen. Friedrich sagte der „Leipziger Volkszeitung“: „Vorzeitige Festlegungen wären der absolute Wahnsinn“. Der Umbruch in der CSU brauche Zeit, um zu reifen.

Dagegen warnte Huber vor den Unwägbarkeiten eines monatelangen Fernduells mit Seehofer. „Ein langer Wahlkampf hat Risiken, das wird jeder Praktiker bestätigen“, sagte er am Freitag im Deutschlandfunk, fügte aber hinzu: „Ich fürchte ein Votum des Parteitags nicht und akzeptiere jede Entscheidung.“ Er schätze Seehofers soziale Kompetenz: „Die CSU braucht ihn.“

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