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11.06.2015

08:23 Uhr

Cyber-Attacke

Bundestags-Netzwerk droht „Totalschaden“

Die Cyber-Attacke auf das Netzwerk des Bundestages hat es laut Berichten so sehr beschädigt, dass es ersetzt werden muss. Kostenpunkt: mehrere Millionen Euro. Und der Angriff der unbekannten Hacker dauert weiterhin an.

Die Folgen der Cyberattacke auf den Bundestag sind wohl schwerwiegender, als bisher angenommen. AFP

Neues IT-Netzwerk benötigt

Die Folgen der Cyberattacke auf den Bundestag sind wohl schwerwiegender, als bisher angenommen.

BerlinDie Cyberattacke auf den Bundestag hat Medienberichten zufolge deutlich mehr Schaden angerichtet als bisher bekannt. Nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ muss das Parlament sein gesamtes Computer-Netzwerk neu aufbauen. Der Hackerangriff geht derweil weiter. Angeblich fließen weiter unkontrolliert Daten ab.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Netz nicht mehr gegen den Angriff verteidigt werden könne und aufgegeben werden müsse. Einem Bericht von „Spiegel Online“ zufolge fließen noch immer Daten in unbekannter Richtung ab.

Der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, bestätigte das Ausmaß. Er sagte dem rbb am Donnerstag, es habe sich „um einen hochkarätigen Angriff von geheimdienstlicher Qualität“ gehandelt.

Was die Regierung gegen US-Spionage tun kann

Beschweren

Wird jetzt schon gemacht. Noch gab es dazu kein neues Telefonat zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama. Aber mit öffentlichen Äußerungen haben Merkel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und andere den Ton gegenüber Washington schon deutlich verschärft - die Kanzlerin sogar in China, was Obama bestimmt nicht amüsiert haben dürfte. Die Hoffnung, mit solchen Appellen viel zu erreichen, ist nach den Erfahrungen der vergangenen Monate allerdings nicht besonders groß.

Ausbau der Spionageabwehr

Ist geplant. Das für die Spionageabwehr zuständige Bundesamt für Verfassungsschutz denkt wegen der Spähaffäre um den US-Geheimdienst NSA schon länger darüber nach, den Blick anders als bislang auch auf befreundete Nachrichtendienste zu richten. Bislang klammern die Deutschen ihre US-Partner dabei völlig aus. Eine Ausweitung kostet aber Geld. Die neuen Spionagefälle könnten die Verhandlungen mit der Regierung über zusätzliches Geld nun leichter machen.

Ausweisung von US-Geheimdienstlern

Möglich. Inzwischen erwägt man innerhalb der Bundesregierung ernsthaft, Geheimdienstleute aus der US-Botschaft zur „persona non grata“ zu erklären, also zur unerwünschten Person. Diese Geheimdienstler müssten Deutschland dann schnell verlassen. Solche Ausweisungen kennt man noch aus Zeiten des „Kalten Kriegs“ - nur, dass die USA und Deutschland damals klar auf einer Seite standen. Abgeschwächte Variante: Die USA könnten anbieten, von sich aus bestimmte Leute abzuziehen, um einer Ausweisung zuvorzukommen.

Gegenspionage

Schwierig. Bei seinen Auskundschaftungen im Ausland hält sich der Bundesnachrichtendienst (BND) gegenüber den Amerikanern bislang komplett zurück. Nun steht die Forderung im Raum, das zu ändern. Das wäre aber nicht nur politisch heikel, sondern auch kapazitätsmäßig äußerst schwierig. Die deutschen Dienste stehen einem übermächtigen US-Apparat gegenüber. Von den Personal- und Geldressourcen ihrer amerikanischen Kollegen sind sie meilenweit entfernt. Noch dazu arbeiten beide Seiten eng zusammen. Außerdem steht die Auslandsaufklärung durch den BND schon jetzt sehr in der Kritik - auch bei Verfassungsrechtlern.

Abbruch der Freihandelsgespräche

Unwahrscheinlich. Ein vorübergehender Stopp der Verhandlungen über die sogenannte Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP, Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft) war schon vergangenes Jahr im Gespräch, als der Zorn über die NSA so richtig hochkochte. Merkel entschied sich dagegen und ist es auch heute noch. Sie hält den Schaden für größer als den Nutzen. Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sieht das genauso. Möglich wäre aber, als Zeichen des Protests für alle sichtbar auf die Bremse zu treten, also einzelne Verhandlungsrunden zu verschieben oder gar ganz abzusagen. Die nächste Verhandlungsrunde beginnt am Montag in Brüssel.

Asyl für Snowden

Sehr unwahrscheinlich. Der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden, durch dessen Enthüllungen alles in Rollen kam, hat in Russland die Verlängerung seines Ende Juli auslaufenden Asyls beantragt. Seit längerer Zeit schon gibt es Forderungen, den „Whistleblower“ in Deutschland aufzunehmen - was gegen die USA allerdings ein sehr unfreundlicher Akt wäre. Dazu wäre die Bundesregierung wohl nie bereit. Sie sperrt sich seit Monaten allein schon dagegen, Snowden vor dem NSA-Ausschuss des Bundestags in Berlin aussagen zu lassen.

Dem oder den Angreifern ist es laut den Berichten gelungen, den sogenannten Verzeichnisdienst des Bundestages zu übernehmen: In dem Dienst werden die Parlamentsrechner, insgesamt mehr als 20.000 Stück, als Netzwerk organisiert. Der oder die Hacker hätten somit Zugriff auf beliebige Systeme des Bundestages sowie auf alle Zugangsdaten der Fraktionen, Abgeordneten und Bundestagsmitarbeiter.

Auch weil die Angreifer mittlerweile Administratorenrechte im Bundestag an sich gebracht hätten, solle nun das alte Netzwerk aufgegeben und ein neues Netzwerk aufgebaut werden, heißt es in dem Bericht des Rechercheverbunds. Die Geheimschutzstelle, der NSA-Untersuchungsausschuss und die Personalverwaltung des Bundestages seien von dem Angriff offenbar nicht betroffen, da sie besonders gesicherte Netzwerke nutzen.

„Die Trojaner sind noch immer aktiv“, hieß es laut „Spiegel Online“ aus Parlamentskreisen. Nach Angaben von mehreren mit dem Fall vertrauten Quellen fließen demnach weiterhin Bundestagsdaten aus dem „Parlakom“-Netz in unbekannte Richtung ab.

In Parlamentskreisen wird offenbar bereits von einem drohenden „Totalschaden“ gesprochen: Womöglich müsse nicht nur die Software der „Parlakom"-Rechner neu installiert, sondern auch die komplette Hardware ausgetauscht werden. Dies würde Monate dauern und Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe verursachen. Als Konsequenz des Hackerangriffs habe das BSI inzwischen Teile des parlamentarischen Datenverkehrs über das besser gesicherte Datennetz der Bundesregierung umgeleitet.

Kommentare (17)

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Herr Rene Benedikt

11.06.2015, 08:26 Uhr

Für mich stellt das ein Anfriff auf die Bundesrepublik da und sollte mit dem terror vom 9.11 gleich gestellt werden. Die schuldigen sollten schnellst möglich verfolgt und mit Lebenslangen Knast bestraft werden.

Account gelöscht!

11.06.2015, 08:29 Uhr

hört sich irgendwie doch schon alles etwas inkompetent an;
hat der Laden keine fähigen Admins die vorbeugen? Wahrscheinlich wird dort jeder Idi sogar seinen USB Stick in die WT reinstecken dürfen und WiFi vor ever....

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

11.06.2015, 08:38 Uhr

Die ganze IT kann gleich abgeschaltet bleiben, nachdem die Klima-Mutti Merkel eine CO2 freie Gesellschaft und Wirtschaft in Deutschland will, braucht es auch keiner CO2 basierender IT-Infrastruktur. Und da mein ich nicht den Strom, denn die IT massenhaft benötigt, sondern auch die Hardware, die auf dem Energieträger Oel basiert.

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