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12.06.2015

00:42 Uhr

Cyberangriff

Bundestag-Trojaner kam durch Link in E-Mails

Der Trojaner, der beim Cyberangriff auf den Bundestag eingesetzt wurde, kam scheinbar durch einen Link in E-Mails. Der Präsident des Bundestages warnt vor weiteren Angriffen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU, l) äußert sich vor Journalisten zu den Cyber-Attacken. dpa

Cyber-Attacke auf den Bundestag

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU, l) äußert sich vor Journalisten zu den Cyber-Attacken.

BerlinDas Computersystem des Bundestages soll nach Erkenntnissen von Ermittlern mit Hilfe von E-Mails angegriffen und mit Schadsoftware infiziert worden sein. Demnach gebe es konkrete Hinweise, wonach ein Link per E-Mail an mindestens zwei Computer im Bundestag verschickt worden war, schrieb die „Welt“ (Freitag). Der Link führte demnach zu einer Webseite, die mit Schadsoftware präpariert worden war. Dieses Programm soll sich daraufhin unbemerkt auf den Bundestagscomputern installiert haben.

Nach bisherigen Erkenntnissen des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) handele es sich bei der Schadsoftware um einen Trojaner, der in ähnlicher Form bereits seit Monaten bei Hackerattacken in mehreren Ländern zum Einsatz kam. Es soll sich um ein Programm handeln, das mutmaßlich von russischen Hackern entwickelt wurde.

Der Trojaner soll außerdem bereits beim Cyberangriff auf den französischen TV-Sender TV5 Monde im April eingesetzt worden sein. Damals hatten sich radikale Islamisten im Namen des „CyberKalifats“ zu der Attacke bekannt. In Sicherheitskreisen wird jedoch davon ausgegangen, dass der Cyber-Angriff auf den Bundestag von Russland aus geführt wurde.

Der Präsident des Bundestages, Norbert Lammert (CDU) hat unterdessen vor weiteren Angriffen gewarnt. In den vergangenen zwei Wochen habe es keine "Datenabflüsse" mehr gegeben, was aber nicht bedeute, dass der Angriff "endgültig abgewehrt und beendet" sei, sagte Lammert am Donnerstag. Zuvor informierte er die Abgeordneten über den Stand der Ermittlungen und die weitere Vorgehensweise.

Hackerangriffe auf staatliche Einrichtungen

März 2011

Kriminelle stehlen 24.000 Dokumente mit Daten des US-Verteidigungsministeriums. Nach offiziellen US-Angaben sind die Hacker im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes in Rechner einer Vertragsfirma des Pentagons eingedrungen.

Juni 2011

Es wird bekannt, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) Opfer einer Cyber-Attacke geworden ist. Medienberichten zufolge gab es einen Angriff auf das System, in dem hochvertrauliche Daten über die Finanzsituation verschiedener Länder gespeichert sind.

Juli 2011

Bundespolizei und Zoll in Deutschland werden Opfer eines Hacker-Angriffs. Die Gruppe „No-Name Crew“ hat nach eigenen Angaben von einem Rechner der Bundespolizei Daten der Zollfahndung gestohlen und ins Internet gestellt.

Februar 2012

Hacker legen für mehrere Stunden die Website des US-Geheimdienstes CIA lahm. Auch Internetseiten der Vereinten Nationen, eines mexikanischen Bergbau-Verbandes und des US-Bundesstaates Alabama werden angegriffen.

März 2014

Mehrere Internetseiten der Nato werden stundenlang durch Hackerangriffe lahmgelegt. Die „Integrität der Datensysteme der Nato“ sei dadurch nicht beeinträchtigt worden, erklärt die Organisation.

Januar 2015

Hacker verschaffen sich Zugang zum Twitter- und zum YouTube-Konto des US-Zentralkommandos Centcom mit Sitz in Tampa (Florida). Centcom koordiniert unter anderem die Luftschläge gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien.

Juni 2015

Die Personalbehörde der US-Regierung unterrichtete nach eigenen Angaben etwa vier Millionen Amerikaner über einen möglichen Diebstahl sensibler Daten. Hinter dem massiven Cyberangriff werden Medien zufolge Hacker aus China vermutet.

Lammert sagte, bisherige Auswertungsergebnisse legten "mindestens in Teilen" eine "Neuaufsetzung" des IT-Systems des deutschen Parlamentsgebäudes nahe. Dies betreffe nach derzeitigen Erkenntnissen jedoch nicht die Hardware, also Computer oder andere physische Objekte des Netzwerks. Es werde ein noch zu bestimmender externer Dienstleister beauftragt, der das Bundesamt für die Sicherheit der Informationstechnik (BSI) bei der Umsetzung der Maßnahmen unterstützen solle. Zudem solle das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in die Ermittlungen einbezogen werden. Die Generalbundesanwaltschaft prüfe, ob der Anfangsverdacht einer Straftat vorliege.

Mehrere Abgeordnete beklagten unterdessen eine unzureichende Informationsweitergabe der Bundestagsverwaltung nach der Cyber-Attacke. In der Zeitung "Mannheimer Morgen" vom Freitag kritisierten die Abgeordneten Olav Gutting (CDU), Dorothee Schlegel und Stefan Rebmann (beide SPD), die Parlamentarier hätten ihre Kenntnisse über den Vorfall nahezu ausschließlich aus den Medien beziehen müssen.

Kommentare (12)

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Herr KarEL BrightShooster

12.06.2015, 07:47 Uhr

Tja liebe Freunde da könnt Ihr am eigenen Leib spüren wie das ist wenn man einen Trojaner eingefangen hat. So viel ich weiss setzt Ihr ähnliches gegen meist unbescholtenen Bürger ein.
Eine gewisse Schadenfreude meinerseits ist unvermeidlich :-D
/KR

Herr Andreas Küpper

12.06.2015, 07:54 Uhr

Welcher böse 007 des Internetzeitalters hat sich nur in das Netz des Bundestags gehackt? Die Frage sollte doch eher lauten: Warum herrscht dort eine derartig laxe Sicherheitspolitik? Jeder klein- und mittelständische Betrieb sichert seine Netzwerke gegen Schadsoftware, Mitarbeitern ist es grundsätzlich nicht gestattet, irgendwelche potentiell gefährliche Hard- oder Software zu installieren und der kritische Umgang mit nicht vertrauenswürdigen E-Mails ist jedem Computerbenutzer bekannt. Es ist natürlich überaus spannend und unterhaltsam, Verschörungstheorien zu basteln und einen gerade genehmes Feindbild zu implementieren, doch manchmal hilft auch etwas Vernunft. So stellt sich mir hier erst einmal die Frage: Welcher "Depp" hat hier auf die Links von einer Spam-Mail geklickt?

Account gelöscht!

12.06.2015, 09:01 Uhr

Einerseits sind in "Garagen" bereits reichlich Ideen umgesetzt worden. Ein IQ ist nicht auf Konzerne beschränkt.
Andererseits wird jedem User sehr dringend nahegelegt keine unbekannten Anhänge von Mails zu öffnen. Wer das trotzdem macht...(s. IQ).

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